(openPR) (Hamburg) Ein alltägliches Problem für Chirurgen nach Eingriffen im Bauch- oder Beckenbereich sind Adhäsionen. Viele Adhäsionen bleiben stumm und verursachen keine erkennbaren Symptome. Allerdings sind Adhäsionen auch die häufigste Ursache für Ileus und sekundäre Infertilität, chronische Schmerzen im Bauch und Beckenbereich sowie herabgesetzte Lebensqualität. Durch geeignete Maßnahmen bei der Operation kann das Risiko dieser Komplikationen drastisch gesenkt werden. Auf einem Lunchsymposium von Baxter Deutschland unter dem Titel „Komplikationen postoperativer Adhäsionen in der Gynäkologie. Wirksame und sichere Prophylaxe mit Adept.“ diskutieren anlässlich des 57. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in Hamburg Experten die neusten Studienergebnisse und Strategien zur Prophylaxe von Adhäsionen.
Auf Grund ihrer hohen Prävalenz und weitreichender, möglicherweise noch nach Jahr-zehnten auftretender Konsequenzen, stellen Adhäsionen eine erhebliche Belastung für Patienten und Chirurgen dar und verursachen enorme Kosten für das Gesundheitswe-sen. Darüber hinaus ist mit zunehmendem Alter der Bevölkerung und Weiterentwicklung der chirurgischen Techniken eine größere Zahl von Re-Operationen und eine er-höhte Inzidenz adhäsionsbedingter Beschwerden zu erwarten. Dennoch, so Professor Hans-Rudolf Tinneberg, Direktor der Universitätsfrauenklinik Gießen und Chairman der Veranstaltung, findet sich bei sehr vielen chirurgisch tätigen Ärzten bislang noch kein ausreichendes Problembewusstsein bezüglich der medizinischen und sozioökonomischen Bedeutung von operationsbedingten Adhäsionen. Dabei hat eine schottische Bevölkerungsanalyse mit ca. 5 Mio. Menschen gezeigt, dass 5,6 Prozent aller Krankenhauseinweisungen in direktem Zusammenhang mit einer Adhäsion und 64 Prozent in möglichem Zusammenhang stehen.(National Heath Service in Scotland. Information and statistics division: Scottish health statistics 1996. Edinburgh: Information and Statistics Division, 1996; 38: 50-519)
In den USA wurden 1994 mehr als 846.000 Krankenhaustage für Behandlungen in Zusammenhang mit Adhäsionen erforderlich. Dies verursachte Kosten in Höhe von rund 1,3 Mrd. US-Dollar (Ray NF et al.: Abdominal adhesiolysis: inpatient care and expenditures in the United States in 1994.J Am Coll Surg 1998;186 1-9.)
Die Diagnosestellung einer Adhäsion als Ursache von Beschwerden oder chronischen Schmerzen ist schwierig und ausschließlich durch eine operative Bauchöffnung möglich, nicht aber mit den bildgebenden Verfahren wie der Computer- oder Kernspintomographie. Für eine Adhäsiolyse ist eine große chirurgische Erfahrung notwendig, sonst drohen weitere Komplikationen durch den Eingriff. Durch den Einsatz guter chirurgischer Technik, der Anwendung von Mikrochirurgie und minimal invasiven Zugangstechniken kann man Adhäsionen wirksam vorbeugen. Sinnvoll und effektiv ist die Kombination mit so genannten Adhäsionsbarrieren. Diese Produkte ver-hindern die Verklebung von aneinander liegenden Serosaflächen und können besonders effektiv bei solchen Operationen sein, die ein hohes Risiko adhäsionsbedingter Wiederaufnahmen im ersten Jahr mit sich bringen. Eine solche effektive Adhäsionsbarriere ist die 4-prozentige Icodextrin-Lösung, die als intraoperative Spülflüssigkeit und als postoperatives Instillat in der gynäkologischen und viszeralen Chirurgie indiziert ist.
An der Frauenklinik im Klinikum Duisburg unter der Leitung von PD Dr. Korell, werden neben möglichst atraumatischer Operationstechnik mit Orientierung an den mikrochirurgischen Prinzipien, in Fällen mit hohem Adhäsionsrisiko verschiedene Barrieremethoden wie Adept angewendet. Die Klinik besitzt Erfahrungen in der Anwendung der 4-prozentigen Icodextrin-Lösung über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahren bei insgesamt 453 Frauen und 5 Männern. Diesen wurde jeweils nach Ende des Eingriffs Adept zur Adhäsionsprophylaxe instilliert. Diese instillierte Icodextrin-Lösung wur-de von allen Patienten gut toleriert. Teilweise traten schmerzlose Schwellungen der Bauchwand auf, die sich rasch und spontan zurückbildeten. Relevante Nebenwirkungen waren in keinem Fall zu beobachten. Der allgemeine postoperative Verlauf war bis auf eine Peritonitis nach Dünndarmläsion mit Revisionsnotwendigkeit unauffällig. Bei einer erneuten Laparoskopie bei 112 der behandelten Patienten wurden retrospektiv die Operationsberichte und Bilder der ersten und zweiten Operation verglichen. Bei der zweiten Laparoskopie war eine deutliche Reduktion der Adhäsionen zu beobachten, was sämtliche Regionen im Bauchraum betraf. Da es sich um eine nicht randomisiert kontrollierte Studie handelt, ließ sich der genaue Effekt von Adept nicht quantifizieren. Allerdings belegen die durch die zweite Laparoskopie gewonnenen Daten nach Auffassung der Untersucher, dass die Kombination aus möglichst atraumatischer endoskopischer Operationstechnik zusammen mit der Instillation von Icodextrin-Lösung eine deutliche Reduktion der Adhäsionen sowohl in der Häufigkeit wie auch im Schweregrad ermöglicht.
Auch in der Reproduktionsmedizin sind flüssige Barrieren unverzichtbarer Bestandteil der Adhäsionsprophylaxe.In einer kontrollierten, prospektiv randomisierten Studie an Sterilitätspatienten mit Adhäsionen im Bereich des inneren Genitales, die Professor Kleinstein, Magdeburg durchführte, konnte der Nachweis geführt werden, dass die 4-prozentige Icodextrin-Lösung im Vergleich zu einem Standardpräparat ebenso effektiv in der Vermeidung von Verwachsungen ist. Dabei wurde die Reduktion des Adhäsionsscores durch eine Kontroll-Laparoskopie am siebten post-operativen Tag verrifiziert. Die Kinetik der Flüssigkeitsabsorbtion wurde per Ultraschall evaluiert. Die Verwendung der Icodextrin-Lösung wurde von den Patienten besser vertragen und erreichte damit eine höhere Akzeptanz.









