21.08.2008 - 11:44 - Gesundheit & Medizin
Handys erkennen Bewegung - Neue Gesundheitsberatung für Kids
Pressemitteilung von: Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD Rostock
Damit übergewichtige Teenager von heute nicht zu Risikopatienten von morgen werden, haben die Medigreif-Inselklinik Heringsdorf (Usedom) und das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD Rostock jetzt eine Gemeinschaftsstudie auf den Weg gebracht. Die Forscher untersuchen und bewerten mittels Sensoren die Ernährungs- und Bewegungssituation von adipösen Kindern zwischen 11 und 17 Jahren – mit Hilfe des Handys.
Die Anzahl übergewichtiger Kinder und Jugendlicher ist alarmierend hoch. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich der Anteil übergewichtiger Jungen verdoppelt; der von Mädchen sogar verdreifacht! Hauptgründe für diese Entwicklung sind vor allem falsche Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel. Doch wie kann dieser Trend dauerhaft umgekehrt werden? Eine Lösung für dieses Problem testen seit Kurzem die Ärzte und Psychologen der Fachklinik für Kinder und Jugendmedizin der Medigreif-Inselklink Heringsdorf und die Forscher des Fraunhofer IGD Rostock, unterstützt durch Sony Ericsson Deutschland und Vodafone. In einer Anfang Mai gestarteten Gemeinschaftsstudie rücken sie überflüssigen Pfunden zu Leibe und helfen betroffenen Kindern beim Abnehmen und anschließend beim Gewichthalten. Zwischen 80 bis 120 übergewichtige Kinder im Alter von 11 bis 17 Jahren werden die kommenden Wochen und Monate in der Medigreif-Inselklinik verbringen und dort hinsichtlich ihrer Ernährungs- und Bewegungssituation beobachtet und unterstützt.
Ihr ständiger Begleiter wird dabei das Handy sein, das mittels eines integrierten Bewegungssensors die körperliche Aktivität der Kinder erfasst. Die mit Sensoren ausgestatteten Handys wurden bislang nur zur Musiksteuerung genutzt. Die dafür vom Fraunhofer IGD Rostock entwickelten und im Handy integrierten Algorithmen erfassen die physische Aktivität, erkennen Bewegungsmuster und unterscheiden zwischen den einzelnen Bewegungszuständen wie beispielsweise „Ruhe“, „Laufen“, „Hüpfen“ oder „Radfahren“. Misst der Sensor über einen längeren Zeitraum am Tag keine oder unzureichende körperliche Aktivität, wird das betroffene Kind von seinem Handy darauf aufmerksam gemacht. Umgekehrt erhält es eine Art digitales Geschenk, wenn es besonders aktiv war. So erhalten die jungen Probanden regelmäßig eine Rückmeldung zu Ihrem Verhalten und schärfen ihr Bewusstsein für eine gesunde Lebensweise. „Besonders wichtig ist es uns, einen dauerhaften, über die Studienlaufzeit hinaus anhaltenden Therapieerfolg zu erzielen“, sagt Gerald Bieber, Forscher am Fraunhofer IGD Rostock. Damit die Kinder ihren neuen, gesunden Lebensrhythmus auch später im normalen Alltag beibehalten und nicht in alte Lebensweisen zurückfallen, nutzen sie die Handys auch nach dem klinischen Aufenthalt im häuslichen Umfeld weiter.
Ein weiterer Vorteil dieser Form der Eigenbeobachtung: Die Patienten brauchen künftig keine handschriftlichen Ernährungsprotokolle mehr führen. Im Gegensatz zu solchen Listen kann mit dem Handy die Nahrungsaufnahme lückenlos und zeitgetreu erfasst werden, da die Kinder jede einzelne Mahlzeit mit der Handykamera fotografieren können. Ähnlich wie Sachverständige mit Fotos ihre Gutachten erstellen, wird nun vom Patienten selbst mittels Fotografieren des Essens die Ernährungssituation erfasst. Die Bilder werden elektronisch an den Ernährungsberater geschickt, der sie später gemeinsam mit den Probanden auswertet.
„Die Möglichkeit, die Aktivität und Ernährungssituation von Patienten kontinuierlich mit nur einem tragbaren Standardhandy beobachten und analysieren zu können, ist entscheidend für den Erfolg medizinischer Langzeittherapien“, so Bieber. „Auf dieser Grundlage wird es zum Beispiel schon bald möglich sein, Diabetespatienten bei der täglichen Bestimmung ihres Insulinbedarfes zu unterstützen, denn auch der hängt entscheidend mit der individuellen körperlichen Aktivität des Betroffenen zusammen.“ Zu diesem Zweck arbeitet das Fraunhofer IGD bereits seit 2005 an dem Projekt „DiaTrace“, das bereits bei einem Ideenwettbewerb prämiert wurde und nun zur breiten Anwendung kommen soll. Hierfür werden dann in einer Folgestudie erwachsene Diabetespatienten mit einem Bewegungssensor ausgestattet und untersucht.
Kontakt:
Gerald Bieber
Joachim-Jungius-Straße 11
18059 Rostock
Tel.: 0381 4024-125
E-Mail:
Internet: www.igd-r.fraunhofer.de
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Fraunhofer-Institut für Graphische
Datenverarbeitung IGD Rostock
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Kathleen Christochowitz
Joachim-Jungius-Str. 11
18059 Rostock
Telefon: +49 (0) 381 4024-255
Telefax: +49 (0) 381 4024-199
E-Mail:
Das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD betreibt angewandte Forschung im Bereich der graphischen Datenverarbeitung. Zu den Kernkompetenzen des Instituts gehören unter anderem Visualisierung und Simulation, Animation, Modellierung, Virtuelle und Erweiterte Realität, Sicherheitstechnologien sowie Mobile Assistenz. Die Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf drei Schwerpunkte: Den Erhalt von Semantik über den gesamten Modellierungsprozess hinweg, die Wechselwirkung von Graphik und Vision sowie die Bearbeitung bibliothekarischer Fragestellungen im Kontext dreidimensionaler Modelle. Das Anwendungsspektrum der innovativen Konzepte, Modelle und Praxislösungen reicht von Virtueller Produktentwicklung über Medizin und Verkehr bis zu Multimedialem Lernen und Training. Im Auftrag von Kunden entstehen Prototypen und Komplett-Systeme, die auf ihre spezifischen Anforderungen abgestimmt sind. So entwickeln die Abteilungen in Darmstadt, Rostock und Singapur neue Technologien, erstellen Studien und realisieren Anwendungen und Systeme (Hard- und Software), die sich durch hohe Benutzerakzeptanz, gute Bedienbarkeit und ergonomische Gestaltung auszeichnen. Die Forschungs- und Entwicklungsprojekte des Fraunhofer IGD haben direkten Bezug zu aktuellen Problemstellungen in der Wirtschaft. Zahlreiche Ausgründungen gewährleisten, dass Prototypen schnell in marktfähige Produkte umgesetzt werden.
Das Fraunhofer IGD kooperiert eng mit der Technischen Universität Darmstadt, der Technischen Universität Graz und der Universität Rostock. Das Centre for Advanced Media Technology (CAMTech) in Singapur, gegründet 1998, sichert die Präsenz auf den Zukunftsmärkten Asiens. Das Fraunhofer IGD beschäftigt rund 180 (vollzeitäquivalente) feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Etat betrug 2007 über 14 Millionen Eur
Die Anzahl übergewichtiger Kinder und Jugendlicher ist alarmierend hoch. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich der Anteil übergewichtiger Jungen verdoppelt; der von Mädchen sogar verdreifacht! Hauptgründe für diese Entwicklung sind vor allem falsche Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel. Doch wie kann dieser Trend dauerhaft umgekehrt werden? Eine Lösung für dieses Problem testen seit Kurzem die Ärzte und Psychologen der Fachklinik für Kinder und Jugendmedizin der Medigreif-Inselklink Heringsdorf und die Forscher des Fraunhofer IGD Rostock, unterstützt durch Sony Ericsson Deutschland und Vodafone. In einer Anfang Mai gestarteten Gemeinschaftsstudie rücken sie überflüssigen Pfunden zu Leibe und helfen betroffenen Kindern beim Abnehmen und anschließend beim Gewichthalten. Zwischen 80 bis 120 übergewichtige Kinder im Alter von 11 bis 17 Jahren werden die kommenden Wochen und Monate in der Medigreif-Inselklinik verbringen und dort hinsichtlich ihrer Ernährungs- und Bewegungssituation beobachtet und unterstützt.
Ihr ständiger Begleiter wird dabei das Handy sein, das mittels eines integrierten Bewegungssensors die körperliche Aktivität der Kinder erfasst. Die mit Sensoren ausgestatteten Handys wurden bislang nur zur Musiksteuerung genutzt. Die dafür vom Fraunhofer IGD Rostock entwickelten und im Handy integrierten Algorithmen erfassen die physische Aktivität, erkennen Bewegungsmuster und unterscheiden zwischen den einzelnen Bewegungszuständen wie beispielsweise „Ruhe“, „Laufen“, „Hüpfen“ oder „Radfahren“. Misst der Sensor über einen längeren Zeitraum am Tag keine oder unzureichende körperliche Aktivität, wird das betroffene Kind von seinem Handy darauf aufmerksam gemacht. Umgekehrt erhält es eine Art digitales Geschenk, wenn es besonders aktiv war. So erhalten die jungen Probanden regelmäßig eine Rückmeldung zu Ihrem Verhalten und schärfen ihr Bewusstsein für eine gesunde Lebensweise. „Besonders wichtig ist es uns, einen dauerhaften, über die Studienlaufzeit hinaus anhaltenden Therapieerfolg zu erzielen“, sagt Gerald Bieber, Forscher am Fraunhofer IGD Rostock. Damit die Kinder ihren neuen, gesunden Lebensrhythmus auch später im normalen Alltag beibehalten und nicht in alte Lebensweisen zurückfallen, nutzen sie die Handys auch nach dem klinischen Aufenthalt im häuslichen Umfeld weiter.
Ein weiterer Vorteil dieser Form der Eigenbeobachtung: Die Patienten brauchen künftig keine handschriftlichen Ernährungsprotokolle mehr führen. Im Gegensatz zu solchen Listen kann mit dem Handy die Nahrungsaufnahme lückenlos und zeitgetreu erfasst werden, da die Kinder jede einzelne Mahlzeit mit der Handykamera fotografieren können. Ähnlich wie Sachverständige mit Fotos ihre Gutachten erstellen, wird nun vom Patienten selbst mittels Fotografieren des Essens die Ernährungssituation erfasst. Die Bilder werden elektronisch an den Ernährungsberater geschickt, der sie später gemeinsam mit den Probanden auswertet.
„Die Möglichkeit, die Aktivität und Ernährungssituation von Patienten kontinuierlich mit nur einem tragbaren Standardhandy beobachten und analysieren zu können, ist entscheidend für den Erfolg medizinischer Langzeittherapien“, so Bieber. „Auf dieser Grundlage wird es zum Beispiel schon bald möglich sein, Diabetespatienten bei der täglichen Bestimmung ihres Insulinbedarfes zu unterstützen, denn auch der hängt entscheidend mit der individuellen körperlichen Aktivität des Betroffenen zusammen.“ Zu diesem Zweck arbeitet das Fraunhofer IGD bereits seit 2005 an dem Projekt „DiaTrace“, das bereits bei einem Ideenwettbewerb prämiert wurde und nun zur breiten Anwendung kommen soll. Hierfür werden dann in einer Folgestudie erwachsene Diabetespatienten mit einem Bewegungssensor ausgestattet und untersucht.
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Das Fraunhofer IGD kooperiert eng mit der Technischen Universität Darmstadt, der Technischen Universität Graz und der Universität Rostock. Das Centre for Advanced Media Technology (CAMTech) in Singapur, gegründet 1998, sichert die Präsenz auf den Zukunftsmärkten Asiens. Das Fraunhofer IGD beschäftigt rund 180 (vollzeitäquivalente) feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Etat betrug 2007 über 14 Millionen Eur
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