Offener Brief zu der Vortragsreihe mit Erika Steinbach am Menschenrechtszentrum/Historischen Institut

Pressemitteilung von: Grün-Alternative Liste Potsdam

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Die Grün-Alternative Liste (GAL) verurteilt auf Schärfste die Ausschreitungen des letzten Dienstags, die anlässlich der vom Historischen Institut und Menschenrechtszentrum organisierten Vortragsreihe mit Erika Steinbach stattfanden. Wir distanzieren uns vom Verhalten und den Verlautbarungen des AStA.

Wir teilen im Grundsatz die vom AStA geäußerte Kritik an Erika Steinbach. Auch in unserer Hochschulgruppe gab es Befremden darüber, dass einer so in der Öffentlichkeit umstrittenen Person, die geradezu symbolhaft für die Verschlechterung der Beziehungen mit unseren mittel- und osteuropäischen Nachbarn steht, mit einer ganzen Vortragsreihe ein akademisches Podium geboten würde. Vor allem, weil die Universität Potsdam ihre internationalen Kontakte insbesondere nach Mittel- und Osteuropa intensivieren will, ist eine solche Veranstaltungsreihe unter dem Deckmantel der Wissenschaft kritisch zu bewerten. Höchstens eine offene Podiumsdiskussion, wäre eine geeignete Veranstaltungsform gewesen. Gerade aus diesen Gründen hat aus unserer Sicht der Offene Brief des AStA an die Universitätsleitung und die Organisatoren der Veranstaltung berechtigte Fragen aufgeworfen und war der richtige Weg[1].

Es ist aber absolut nicht hinnehmbar, mutwillig und bewusst die Veranstaltung und damit eine Diskussion und Auseinandersetzung mit der Protagonistin versuchen zu verhindern. Ziviler Ungehorsam als Form des Protests gehört zu einer wehrhaften Demokratie dazu, aber eine Verhinderung von freier Meinungsäußerung und gewaltsame Blockade sind nur als intolerant und undemokratisch zu bezeichnen. Für uns ist Freiheit immer auch die Freiheit des Andersdenkenden und gehört gerade in einer Universität als Raum des öffentlichen Diskurses geschützt. Wesentliches Element einer Demokratie ist, dass verschiedenen Meinungen im öffentlichen Raum Platz eingeräumt wird und über diese diskutiert werden kann. Somit ist verhindert worden, dass den Organisatoren die Möglichkeit gegeben wurde, aufzuzeigen, wie sie mit den umstrittenen Positionen Erika Steinbachs umgehen wollen. Aus unserer Sicht wäre dies der spannendste Teil der Veranstaltung gewesen. Auch hätten etliche Studierende beispielsweise der Geschichte, Slavistik, Politik- oder
Rechtswissenschaft aus ihrem jeweiligen Fachblick heraus Steinbachs Positionen in Frage stellen oder kritisch bewerten können.

Das aber hat der AStA aber nicht zugelassen. Im kurzsichtigen Glauben, einer unfehlbaren Meinung zum Recht zu verhelfen, haben sie eine demokratische Diskussion verhindert, ohne den vorhergegangenen Fehler -
die Einladung Frau Steinbachs, nicht der Vortrag über "Siedlungsgeschichte" - korrigieren zu können. Somit sind beide Außenwirkungen katastrophal: die unbedarfte Einladung von Frau Steinbach und die unangemessene Form der Veranstaltung, genauso wie, das Verhalten des AStA, der nicht Willens noch in der Lage schien, sich mit kontroversen Positionen im Diskurs auseinanderzusetzen, kritisch zu hinterfragen und mit Argumenten entgegenzutreten. Gewalt als Mittel des Diskurses lehnen wir strikt ab, ebenso unterschwellige Drohungen zur etwaigen Fortsetzung der Veranstaltungsreihe[2]. Einen unfriedlichen Zustand an der Universität in Aussicht zu stellen, lässt jegliche Gepflogenheiten des akademischen Diskurses und Umgangs missen.

Wir fordern deshalb den AStA auf, sein intolerantes Verhalten zu unterlassen und aufzuhören, weiter das öffentliche Bild der Studierendenschaft der Uni Potsdam weiter zu beschädigen und stattdessen auf die Grundgepflogenheiten des akademischen Umgangs zu besinnen. Des Weiteren fordern wir von der Hochschulleitung die Möglichkeit einen offenen Diskurs über die Geschehnisse zu führen und bei einer etwaigen Durchführung der Veranstaltungsreihe mit Frau Steinbach, sie von einer Vortragsreihe in Podiumsdiskussionen umzuwandeln. Nur so kann genügend Raum für eine kritische Diskussion gegeben werden.


[1] www.asta.uni-potsdam.de/sonst/ausgabe.php3?textfile=3048
[2] www.asta.uni-potsdam.de/presse/index.php3?textfile=3050

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Grün-Alternative Liste (GAL)
C/O Bündnis90/DIE GRÜNEN
Jägerstraße 18
14467 Potsdam

www.gal-potsdam.de


Die Grün-Alternative Liste (GAL) ist die grüne Hochschulgruppe an der Universität Potsdam. Sie tritt regelmäßig zu den Wahlen zum Studierendenparlament und akademischen Senat an.
Im Studierendenparlament stellt sie in der Legislatur 07/08 die größte Fratkion.

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