(openPR) Wie in Watte oder unter einer Käseglocke erleben sich Menschen, die nicht (mehr) gut hören. Nur noch fragmentarisch dringen Gespräche, Small-Talk und wichtige Informationen in ihre Ohren. Die Folge sind reale Defizite an Gesprächsinhalten, Nachrichten usw. und oftmals die soziale Isolation: Der Rückzug ins Schneckenhaus. Wer nicht mehr mitreden kann – weil er nicht hört – wird übersehen und übergangen. Er fühlt sich ausgeschlossen und oftmals entspricht dieses Gefühl der Wirklichkeit. Schwerhörigkeit verschlimmert sich oft im Laufe der Jahre und endet in Taubheit. Selbst modernste Hörgeräte verhelfen dann nicht mehr zu einem Sprachverstehen.
Seit nunmehr fast 25 Jahren stehen in Deutschland funktionstüchtige elektronische Innenohrprothesen zur Verfügung, so genannte Cochlea Implantate, die operativ ins Innenohr eingesetzt werden. Sie ersetzen nicht das natürliche, gute Gehör, aber sie ermöglichen ein Sprachverstehen, etliche Nutzer können sogar wieder telefonieren.
Maryanne Becker, selbst vollständig ertaubt und mit zwei Cochlea Implantaten versorgt, hat die Lebensgeschichten von zehn erwachsenen Menschen mit elektronischer Innenohrprothese geschrieben. Nach der Methode der narrativen Identität hat sie ihre Interviewpartner gebeten, frei und nach eigenem Gutdünken ihre Biografie zu erzählen. Die Gespräche wurden auf Band aufgezeichnet und vollständig transkribiert. Auf dieser Grundlage erstellte die Autorin für jeden Gesprächspartner ein eigenes Kapitel, in dem die Geschichte des Hörverlusts, der Suche nach geeigneter Abhilfe und des neuen hören Lernens mit dem Cochlea Implantat eingebettet in die ganz individuelle Biografie der jeweiligen Person vorgestellt werden. Anhand dieser Einzelschicksale von fünf Frauen und fünf Männern verschiedenen Alters und unterschiedlicher sozialer Herkunft wird deutlich, dass die Kommunikationsbehinderung Taubheit eine Herausforderung darstellt, die mithilfe moderner Technologie – der Cochlea Implantate - persönlicher Stärke und Unterstützung durch das soziale Umfeld zu bewältigen ist. An die Stelle des Rückzugs ins Schneckenhaus tritt die (Re-)integration in eine Welt voller Klänge.
Immer noch wissen viel zu wenig hochgradig Schwerhörige von dieser Möglichkeit. Immer noch fehlt gut Hörenden die Vorstellung, wie sich stark Hörgeschädigte fühlen, welche Unterstützung zu brauchen. Professionelle sehen oft nur die Defizite, nicht aber die Stärken und die persönliche Einzigartigkeit ihrer Patienten. Daher ist dieses Buch allen empfohlen, die selbst betroffen sind oder in welcher Weise auch immer mit Hörbehinderten zu tun haben.









