(openPR) Der März 2007 wird der 10-jährigen Fatema ihr ganzes Leben in schrecklicher Erinnerung bleiben: Nach einer Gasexplosion im Haus ihrer Eltern erlitt das Mädchen schwere Hautverbrennungen. Die afghanischen Ärzte konnten das Leben des Kindes zwar retten, die Narben am Hals und an den Händen sowie offene, nässende Wunden erforderten jedoch plastisch-chirurgische Operationen, die im Land am Hindukusch nicht ausgeführt werden können. Doch Fatema hatte Glück: Über das „Friedensdorf International“, einer Hilfsorganisation, die seit 1967 Kindern in Kriegs- und Krisengebieten hilft, kam das Mädchen in das Klinikum Neustadt. Die Spezialisten der dortigen Abteilung für Hand-, Brust- und Plastischen Chirurgie nahmen das Mädchen in ihre Obhut. Fatema geht es heute sehr gut, Ende März konnte sie das Klinikum Neustadt wieder verlassen und ist in das Friedensdorf International ins nordrhein-westfälische Oberhausen zurückgekehrt.
Am 20. Februar 2008 landete das Charterflugzeug des Friedensdorfes International in Berlin-Tegel. An Bord waren 120 kranke und verletzte Kinder aus Afghanistan sowie Ländern Zentralasiens und des Kaukasus. Da es in den Heimatländern der betroffenen Kinder keine Möglichkeit für die notwendige medizinische Versorgung gibt, suchte das Friedensdorf Krankenhäuser in Deutschland, welche die Kinder kostenlos behandeln. Mitarbeiter des Friedensdorfes International brachten Fatema unverzüglich in das Klinikum Neustadt, die restlichen Kinder wurden in anderen Kliniken auch außerhalb Schleswig-Holsteins untergebracht.
Ein paar Tage vorher hatte die Hilfsorganisation im Klinikum Neustadt angefragt und hoffte einmal mehr auf seine Hilfsbereitschaft. Denn seit 1997 hat das Klinikum Neustadt auf Ersuchen des Friedensdorfes bereits sieben Kindern bei verschiedenen Erkrankungen und Verletzungen kostenlos geholfen. Professor Josef Hoch, Chefarzt der Klinik für Hand-, Brust- und Plastische Chirurgie, sagte spontan zu. „Wir waren darüber sehr froh“, betont Helge Schreiber, Mitarbeiter in der Krankenhauskoordination des Friedensdorfes International. „Denn Hilfsangebote aus dem speziellen Fachgebiet der plastischen Chirurgie sind leider selten in Deutschland.“
Nach der Ankunft im Klinikum Neustadt fanden sich bei der ersten Untersuchung bei Fatema ausgedehnte Narben im Bereich des Halses, der Brust, des Bauches, der Oberschenkel und der Arme. Darüber hinaus hatte das Mädchen offene, nässende Wunden. Nach deren Behandlung wurden in mehreren Operationen die Narben entfernt und fehlende Haut durch Verpflanzung von Gewebe ersetzt. „Die besondere Herausforderung war die Wiederherstellung der Kontur des Halses, da hier eine Verbrennungsnarbe vom Kinn bis zum Brustbein reichte“, erklärte Chefarzt Professor Hoch am Tage von Fatemas Entlassung. „Fatema war von Beginn an sehr tapfer und verfolgte sehr aufmerksam jeden einzelnen Behandlungsschritt. Da nicht immer ein Dolmetscher anwesend war, halfen wir uns bei der Verständigung oft mit ‚Händen und Füßen’. Um ihr auf Station den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, brachten ihr unsere Ärzte und das Pflegepersonal Spielzeug und Kleidungsstücke mit“, so Hoch.
Derzeit wird die ambulante Nachsorge von Fatema im Friedensdorf International in Oberhausen in Form von Krankengymnastik fortgeführt. Das Mädchen kann in einigen Wochen wieder nach Afghanistan zurückfliegen. Dort wird Fatema durch die Wiederherstellung verloren gegangener Funktionen und ihres Aussehens im Gesicht-Halsbereich ein weitgehend unbehindertes Leben führen können.








