(openPR) Prof. Dr. Ellen Jones vom Comprehensive Cancer Center der Duke University in North Carolina, USA und Vizepräsidentin der „Society for Thermal Medicine“ forscht seit vielen Jahren im Bereich Brustkrebs und seiner Behandlung mit Hyperthermie. In einer randomisierten Phase-III-Studie gelang ihr der Nachweis, dass durch den zusätzlichen Einsatz der Wärmetherapie bis zu dreimal so viele Patientinnen mit Brustkrebsrezidiven geheilt werden können als mit der Standardtherapie alleine. Ein neuer Applikator der Firma BSD, der speziell für die Hyperthermie bei Brustkrebs entwickelt wurde, verspricht nun noch bessere Ergebnisse.
Medizinjournalistin Dr. Erentraud Hömberg befragte Prof. Jones zur Wirkung der Hyperthermie bei fortgeschrittenen Brustkrebserkrankungen.
Hömberg: Frau Prof. Jones, trotz Chemo- und Strahlentherapie stehen die Chancen für Frauen mit wiederkehrendem Brustkrebs schlecht: Rund 60 Prozent entwickeln im Laufe der nächsten drei Jahre Fernmetastasen. Wie erklären Sie sich, dass durch den Einsatz von Hyperthermie die Heilungsaussichten dieser Patientinnen um beinahe das Dreifache ansteigen?
Jones: Zunächst möchte ich betonen, dass die Hyperthermie allein keinen Krebs heilen kann. Aber die Wärme macht Krebszellen besonders empfindlich für die Chemo- und Strahlentherapie. Sie verändert Stoffwechselvorgänge im Tumor und regt die Durchblutung an, sodass die Chemotherapie schneller in die Krebszellen gelangen und die Strahlentherapie eine signifikant bessere Wirkung erzielen kann.
Hömberg: Wie muss man sich eine Hyperthermiebehandlung vorstellen?
Jones: Es ist ein Unterschied, ob sich ein Tumor tief im Körperinneren oder nahe der Hautoberfläche befindet. Bei wiederkehrendem Brustkrebs haben wir es meist mit Frauen zu tun, die bereits eine Amputation hinter sich haben. Das heißt, wir behandeln einen Tumor, der knapp unter der Brustwand liegt. Dafür benutzen wir einen Mikrowellenapplikator. Das neue Gerät der Firma BSD stellt dabei eine wesentliche Verbesserung dar. Es ist auch für großflächige Tumoren geeignet und lässt sich durch sein flexibles Material aus durchsichtigem Silikon gut auf der betroffenen Stelle fixieren. Der Applikator enthält eine dünne Schicht, in der 40 Grad heißes Wasser zirkuliert. Bis wir im Tumor die notwendige Temperatur von 41,5 Grad erreichen, benötigen wir etwa dreißig Minuten. Danach beginnt die eigentliche Therapie, die dann noch eine Stunde dauert.
Hömberg: Welche Patientinnen konnten in ihrer Studie am meisten von der Hyperthermie profitieren?
Jones: Zirka ein Drittel der Patientinnen hatten schon Metastasen, nahezu zwei Drittel waren vorher bereits bestrahlt worden. Wenn wir die Ergebnisse vergleichen, kommen wir mit Bestrahlung alleine auf Ansprechraten von 42 Prozent. Wenn wir Hyperthermie hinzugefügt haben, konnten wir diese um 20 Prozent steigern. Aber wenn wir auf jene Gruppe schauen, die vorher bereits bestrahlt wurde – und das sind die besonders schweren Fälle – sehen wir einen noch spektakuläreren Effekt: Mit Bestrahlung alleine gingen die Tumoren bei 23 Prozent zurück, mit zusätzlicher Hyperthermie konnten wir diese Rate auf 68 Prozent steigern!
Hömberg: Wie lange hielt der Erfolg der Therapie an?
Jones: Wir beobachteten die Patientinnen noch viele Jahre nach der Behandlung und stellten fest, dass die Therapieerfolge wirklich dauerhaft waren.
Hömberg: Wo haben Sie Ihre Studie veröffentlicht und welche Wirkung hatte sie auf das amerikanische Gesundheitssystem?
Jones: Unsere Ergebnisse wurden im „Journal of Clinical Oncology“ im Mai 2005 publiziert. Und wir sind sehr stolz darauf, dass unsere Arbeit das National Cancer Center Network (NCCN) - das ist ein Zusammenschluss der 30 weltbesten Tumorzentren – veranlasste, die Oberflächenhyperthermie in ihre Leitlinien zur Therapie von rezidivierendem Brustkrebs aufzunehmen.
Hömberg: Welche Ziele verfolgen sie in Ihrer weiteren Arbeit?
Jones: Ich bin überzeugt, dass wir durch unsere Forschung beweisen konnten, dass Hyperthermie wirkt, wenn sie wissenschaftlich angewendet wird und dass wir damit die Heilungsraten bei wiederkehrendem Brustkrebs signifikant verbessern können. Dies ermutigt uns an der Duke University und in europäischen Hyperthermiezentren, die Forschung auch für andere Tumoren voranzutreiben. Denn das Wirkprinzip der Wärme auf Tumorzellen lässt sich auf viele Krebsarten übertragen.
Hömberg: Frau Prof. Jones, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Weitere Informationen zur Hyperthermie unter:
www.hyperthermie.org
www.sennewald.de.



















