06.02.2008 - 14:15 - Politik, Recht & Gesellschaft

Vietnam: Gestörte Ruhe für Vietnams Katholiken

Pressemitteilung von: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), IGFM - Deutsche Sektion e.V.
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Hanoi. Ein vietnamesischer Katholik im Gebet vor der Pieta-Statue, zu der jetzt der Weg verschlossen ist.
Kampf der Katholiken in Hanoi um Nuntiatur vorerst beigelegt
- Frieden zum Neujahrsfest?


Hanoi / Frankfurt am Main (6. Februar 2008) – Drei Tage, nachdem die Katholiken in Hanoi der Forderung der vietnamesischen Regierung nachgekommen waren und das Jesus-Kreuz und die Zelte der Mahnwachen vom umstrittenen Gelände der ehemaligen Nuntiatur in Hanoi geräumt hatten, herrscht nach Beobachtungen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) eine bedrückende Atmosphäre. Wochenlang hatten täglich bis zu einige Tausend Katholiken für die Rückgabe eines ehemaligen Nuntiaturgebäudes demonstriert, das nach der Machtübernahme der Kommunisten beschlagnahmt worden war und von dem immer wieder Störungen für das religiöse Gemeindeleben ausgingen.

Die Versammlungen der katholischen Demonstranten verliefen weitgehend friedlich und äußerst diszipliniert. Nach einem Zwischenfall jedoch stellte die Regierung ein Ultimatum für die Räumung des Platzes. Seitdem bemüht sich die Katholische Kirche um Entspannung, um die Lage nicht außer Kontrolle geraten zu lassen. Doch kleine Sticheleien und Animositäten seitens der Regierung bedrohen den Burgfrieden. Die IGFM ruft Vietnam auf, den Weg des Dialogs konsequent zu verfolgen und Provokationen zu unterlassen.


Erzbischof bemüht sich um eine konstruktive Lösung

Mit einem Brief vom 30. Januar 2008 hatte sich der Vatikan in den Konflikt eingeschaltet und den Erzbischof von Hanoi, Ngo Quang Kiet, gebeten, Unruhe zu vermeiden und den Weg des Dialogs zu gehen. Am 1. Februar 2008 berichtete Erzbischof Ngo Quang Kiet seinen Gläubigen, dass im Dialog zwischen der Erzdiözese und der Bischofskonferenz und der Regierung gegenseitiger Respekt zu wahren sei, denn nur so könne eine Lösung des Konflikts erfolgen. Ein konkreter Plan sei bereits in Aussicht gestellt worden. In einem ersten Schritt sei vereinbart worden, dass das Restaurant auf dem Nuntiaturgelände seine Aktivitäten einstellen werde und die Katholiken im Gegenzug das Kreuz und die Zelte abbauen sollten. Die katholische Nachrichtenagentur Asianews hingegen berichtete nur einen Tag später, dass der Erzbischof die Rückgabe der Nuntiatur bestätigt habe. Nach Meinung der IGFM, der der Brief des Erzbischofs im Wortlaut vorliegt, hat dies jedoch der Erzbischof in seinem Schreiben nicht erwähnt, sondern lediglich den Weg zur Lösung aufgezeigt. In dem Brief rief der Erzbischof die Katholiken weiterhin „zum beharrlichen und kontinuierlichen Gebet auf, obwohl sie nicht mehr ständig bei der Pieta-Statue sein könnten.“ Er spreche nicht von einem Ende der Mahnwache und halte seine Gläubigen in den Startlöchern, weil er aus Erfahrung wisse, dass die Regierung der Aktion den Wind aus den Segeln nehmen wolle, so die IGFM.

Tatsächlich versammelten sich immer noch kleine Gruppen von Katholiken auf dem Gelände, obwohl bereits am 1. Februar das Kreuz von der Nuntiatur zu der Kathedrale getragen wurde und die Zelte abgebaut worden waren. Nachdem die Regierung dann am 3. Februar die Tore erneuern ließ und sie verschlossen hielt, blieb den Katholiken nichts anderes übrig, als zum Gebet vor dem Zaun zu stehen. Das Wachpersonal versuchte während dessen, sie verbal zu provozieren.


IGFM: Statt Entspannung weitere Animositäten und Provokationen

Nach Auffassung der IGFM versucht die kommunistische Regierung, ihre angekratzte Autorität durch Machtgehabe zu demonstrieren. Am 3. Februar wurden zwei riesige Transparente am Zaun der Nuntiatur befestigt. Die Transparente versperrten damit die Sicht der Katholiken zum Innenhof der Nuntiatur und das Tor den Weg zur Maria-Pieta Statue. Gerade die provokante Schließung der Tore war in den Tagen davor der Auslöser des Unmuts und ihrer Eskalation gewesen. Von Seiten der Behörden wird den Katholiken Misstrauen und Unterstellungen entgegengebracht. So sei die Polizei auch der Meinung, dass der Vorfall am 25. Januar von feindlichen Kräften provoziert worden sei. Am 30. Januar besuchte ein Polizeivertreter den Bischof von Thai Binh, Nguyen Van Sang, und fragte ihn provokativ nach dem wahren Autor des Unterstützungsbriefes, den er an den Erzbischof von Hanoi geschrieben hatte, obwohl durchaus bekannt war, dass gerade er, der frühere Sekretär der vietnamesischen Bischofskonferenz und heutige Bischof von Thai Binh mehrmals versucht hatte, den Konflikt zu schlichten. Auch der jetzige Kompromiss geht auf seine Schlichtungsversuche zurück. Kein Zeichen von Entspannung ist auch das Ermittlungsverfahren gegen den Erzbischof von Hanoi. Die Polizei von Hanoi kündigte am 26. Januar an, Ermittlungen wegen Zerstörung von Besitzeigentum, Störung der öffentlichen Ordnung und Widerstands gegen Beamte im Dienst, die während des Vorfalls am 25. Januar geschehen waren, einzuleiten.

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Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
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Die IGFM ist eine Menschenrechtsorganisation, die 1972 in Frankfurt am Main gegründet wurde. Sie unterstützt Menschen, die sich gewaltlos für die Verwirklichung der Menschenrechte in ihren Ländern einsetzen oder die verfolgt werden, weil sie ihre Rechte einfordern. Nach Auffassung der IGFM sind nach dem Recht auf Leben und Sicherheit der Person, die bürgerlichen Rechte wie Meinungs-, Versammlungs- Religions- und Pressefreiheit die wichtigsten Menschenrechte. Ohne sie kann es weder Frieden noch sozialen Fortschritt geben. Die Grundlage ihrer Arbeit bildet die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948.

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