(openPR) Interview mit Dr. Matthias Baumgärtel, Dr. Rainer Höhl und Hans Beck über den im März 2008 erstmals startenden Fernlehrgang „Intensivmedizin von A bis Z“.
Was finden Sie persönlich eigentlich so faszinierend am Gebiet der Intensivmedizin?
Dr. Baumgärtel: Die Möglichkeit schwer kranken Patienten rasch zu helfen, indem man innerhalb kürzester Zeit die richtige Diagnose stellt und die Patienten entsprechend therapiert. Ich habe aktiv nach so etwas gesucht und schon im Studium viel auf einer Intensivstation gearbeitet. Relativ schnell hat es „klack“ gemacht, und ich wusste: das ist meins. Zudem ist es einfach ein wunderbarer „Teamsport“.
Dr. Höhl: Im Fußball gibt es den Spruch: „Der Star ist die Mannschaft“, das ist auf Intensivstationen ähnlich. Alle haben die gleichen Kittel an, alle ziehen am gleichen Strang. Klar, wie auch im Fußball gibt’s auch hier `nen Trainer, der das Sagen hat, aber diese interdisziplinäre Zusammenarbeit, dass alles Hand in Hand läuft, das hat schon viel für sich.
Was ist für Sie der wesentliche Unterschied zu anderen Medizingebieten?
Dr. Höhl: Ganz klar, die Geschwindigkeit, unter der man arbeitet und arbeiten muss. Sie sehen bei Ihrer Arbeit auf einer Intensivstation unheimlich schnell Ergebnisse. Auf eine Aktion beim Patienten erfolgt unmittelbar eine Reaktion. Alles passiert sehr rasant.
Sind Assistenzärzte gut gewappnet, wenn sie heute auf eine Intensivstation kommen?
Dr. Höhl: Ich arbeite jetzt seit 17 Jahren auf einer Intensivstation. Zu meinem eigenen Start hab ich mich komplett ins kalte Wasser geworfen gefühlt. 1990 gab es kaum einen Oberarzt, der sich in irgendeiner Form zuständig gefühlt hat, um mich und die Kolleginnen und Kollegen wirklich einzuarbeiten. Das war schlichtweg „Learning by doing“.
Dr. Baumgärtel: Ich denke, die Situation heute hat sich schon verbessert, aber nicht wirklich grundlegend. Die Einarbeitungszeit für die neuen Kolleginnen und Kollegen ist kurz, sodass im Trubel des Stationsalltages meist viel zu wenig Zeit für die Vermittlung des theoretischen und praktischen Unterbaus bleibt. Und genau diesen möchten wir nun mit unserem Kurs vermitteln.
Wer kam auf die Idee, einen Lehrgang zum Thema Intensivmedizin zu konzipieren?
Dr. Höhl: Vorläufer des Kurses war ein Beatmungsworkshop, für den schon ein festes und erprobtes Kurskonzept existierte. Das war und ist ein Grundbaustein auch des jetzigen Kurses. Das zu erweitern war Deine Idee, Matthias….
Dr. Baumgärtel: Auf den Stationen sind wir immer wieder mit den gleichen Fragen und Problemen der Anfänger konfrontiert worden. Leider ist einfach viel zu wenig Zeit, sich dem angemessen zu widmen. Die wollten wir uns einmal nehmen, um außerhalb des Stationsalltags auf solche Probleme einzugehen. Wichtig war uns dabei die Interdisziplinarität, d.h. wir haben Spezialisten aus den Intensivmedizin betreibenden Fächern Anästhesie, Innere Medizin und Neurologie versammelt, um die ganze Breite des Stoffes abzudecken. Sehr hilfreich ist hier natürlich, dass am Klinikum Nürnberg so viele Intensivbetten für alle intensivmedizinischen Probleme zur Verfügung stehen.
Nun steht ein Relaunch des bisherigen Kurskonzepts an. Wie sieht der aus und was ändert sich?
Dr. Baumgärtel: Das Grundkonzept mit dem wesentlichen Merkmal der Interdisziplinarität bleibt erhalten und auch die handelnden Personen bleiben gleich. Wir haben Anregungen der bisherigen Teilnehmer aufgegriffen und unsere eigenen Beobachtungen mit ins neue Kurskonzept einfließen lassen. Wesentliche Änderung ist: es wird ein Fernlehrgang vorgeschaltet, in dem das theoretische Wissen vermittelt wird. Das Kognitive wird also ausgelagert, damit wir uns während der Präsenzphasen wirklich auf den Praxisteil konzentrieren können. Das hat einfach den Vorteil, dass alle Teilnehmenden mehr oder weniger auf dem gleichen Wissensstand sind und wir somit noch mal auf einem ganz anderen Level arbeiten können.
Herr Beck, Sie sind der Kursbetreuer im cekib. Wie läuft der Fernlehrgang „Intensivmedizin von A bis Z“, der erstmal im März 2008 startet, denn konkret ab?
Zu Kursbeginn erhalten die Teilnehmenden die Zugangsdaten für die Online-Expertenplattform www.intensvidocs.de. Auf dieser Plattform finden sie vielfältigste Informationen und Werkzeuge zur Versorgung intensivmedizinischer Patienten. So werden z.B. patientenadaptierte Therapieempfehlungen gegeben. Solche sind gerade bei der Antibiotika- und der Ernährungstherapie sehr wichtig. Der Zugang ist für ein Jahr freigeschaltet, so dass die Teilnehmenden auch nach Kursende ein Werkzeug für den Berufsalltag haben, auf das sie zurückgreifen können.
Mit in die Plattform integriert ist ein E-Learning-Kurs, der für 13 Wochen freigeschaltet wird. Für jede Woche gibt es ein Kapitel, das die Teilnehmer am heimischen PC durcharbeiten können. Das ist interaktiv gestaltet und jedes Kapitel schließt mit einem Fragepool ab, mit dem man seinen eigenen Wissensstand gut überprüfen kann. Während der gesamten Zeit werden die Teilnehmer wissenschaftlich über ein Forum begleitet. D.h. wenn Fragen auftauchen, wird niemand allein gelassen, sondern wir stellen eine Beantwortung innerhalb kurzer Zeit sicher. Abgeschlossen wird das Ganze dann mit einem Online-Testat, bevor es dann für drei Tage nach Nürnberg zu uns ans cekib geht und das erlernte Wissen in Praxisworkshops konkret umgesetzt und ergänzt und erweitert wird.
Was ist der Vorteil dieser Weiterentwicklung?
Dr. Baumgärtel: Ich denke, was wir uns am meisten von den Änderungen versprechen ist, dass die Leute nicht wie bislang in kurzer Zeit mit theoretischem Wissen überfrachtet werden. Man merkt einfach, dass so ein Kurs mit viel (nötiger) Theorie sehr erschöpfend für die Teilnehmenden ist. Durch die Auslagerung des Theorieteils ist die Wissensverteilung auch homogener, so dass wir im Praxisteil auf ein solides Grundwissen aufbauen können.
Als didaktischen Vorteil sehe ich, dass wir durch das E-Learning-Modul den Lernverlauf gezielter steuern können, als dies in einem Lehrbuch möglich wäre…
Dr. Höhl: …und wir können insbesondere sehr aktuell sein. Ein gedrucktes Lehrbuch, das ist eigentlich schon zum Zeitpunkt, an dem es erscheint, fast schon wieder veraltet. Durch das Medium Internet ist es möglich, sehr schnell Aktualisierungen vorzunehmen und so ein Nachschlagewerk und Vertiefungsinstrument zu haben, das immer auf dem Neuesten Stand ist.
Beck: Mit unserem Projekt haben wir uns auch vorgenommen, die momentanen Grenzen zu überschreiten und den Teilnehmenden weitgehend wohnortunabhängig zu ermöglichen, den Kurs zu absolvieren, ganz unter dem Motto: Intensivmedizin goes Europe!
An wen richtet sich der Kurs?
Hans Beck: Unsere Hauptzielgruppe sind Leute, die mit ihrem Einsatz auf einer Intensivstation Neuland betreten werden bzw. vor kurzem betreten haben. Wir denken, dass wir mit unserem Fernlehrgang ein Angebot geschaffen haben, das wirklich eine große Hilfe für ihre Arbeit sein kann.
Kursstart: 10. März 2008 (weiterer Kursstart: 8.September 2008)
Ansprechpartner: Hans Beck, Tel.: (0911) 398 – 2709, E-Mail:
Kosten: 777,- Euro
Internetadresse: www.cekib.de/intensivmedizin
















