26.11.2007 - 22:06 - Gesundheit & Medizin

Soziale Auswirkungen stehen bei älteren Menschen im Vordergrund

Pressemitteilung von: Deutsche Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen (DVSG)
Regionale Vernetzungsstrukturen im Gesundheits- und Sozialwesen müssen gut funktionieren

Bei der Versorgung älterer Menschen müssen medizinische, therapeutische, pflegerische und soziale Leistungen nahtlos ineinander greifen. Gute Vernetzungsstrukturen zwischen allen Diensten und Einrichtungen des Gesundheitssystems und der Altenhilfe sind dafür unabdingbar. Die Leistungen aus beiden Versorgungsbereichen müssen in einem Netzwerk optimal miteinander funktionieren. Nur durch Verzahnung von Gesundheits- und Sozialwesen können die erbrachten Leistungen den Bedürfnissen älterer Menschen mit chronischen Krankheiten, Behinderungen und Pflegebedarf gerecht werden. Dies wird besonders deutlich bei Menschen mit einer Demenz. Diese Krankheit geht mit massiven sozialen Auswirkungen einher, denen mit rein medizinisch-therapeutischem Vorgehen nicht sinnvoll begegnet werden kann. Die rund 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bilanztagung „Kompetenz durch Kooperation und Vernetzung – 7 Jahre Wiesbadener Netzwerk für geriatrische Rehabilitation“ waren sich darin einig, dass das Wiesbadener Netzwerk (GeReNet.Wi) diese notwendigen Strukturen für die älteren Bürgerinnen und Bürger in der hessischen Landeshauptstadt in vorbildlicher Weise geschaffen hat.

Seit Mai diesen Jahres sind die Projektphasen des Wiesbadener Netzwerks abgeschlossen und die Kooperationsarbeit ist fester Bestandteil der kommunalen Altenarbeit. GeReNet.Wi begann 2000 als Projekt im Rahmen des Bundesmodellprogramms „Altenhilfestrukturen der Zukunft“. Der Wiesbadener Sozialdezernent, Arno Goßmann, äußerte, dass zu Beginn des Projektes fraglich gewesen sei, ob die Zielsetzung Vernetzung und Kooperationsförderung zwischen Gesundheitswesen und kommunaler Altenhilfe wirklich gelingen könne. Aus Sicht des Sozialdezernats habe sich das Wagnis aber gelohnt. „Es konnten neue Verbindungen und Kooperationen zwischen Altenhilfe und Gesundheitswesen entwickelt werden. Durch Beratungsstellen und Pflegedienste identifizierte Rehabilitationsbedarfe konnten systematisch an Hausärzte gemeldet werden, die dann entsprechende Behandlungen einleiten. Verwaltung und Politik haben erkannt, dass sich die Investitionen in das Projekt gelohnt haben. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung haben daher beschlossen GeReNet.Wi als Regelangebot weiterzuführen“, so Arno Goßmann.

Petra Schönemann-Gieck vom Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg stellte in ihrem Beitrag über die wissenschaftliche Begleitung des GeReNet.Wi heraus, dass sowohl die älteren Menschen selbst, als auch die Akteure in Altenhilfe und Gesundheitswesen von den vernetzten Arbeits-weisen profitieren. Im Laufe der letzten sieben Jahre konnten zahlreiche Verfahren zur Verbesserung der Kooperation an den Schnittstellen zwischen Sektoren und Disziplinen eingeführt werden. Als Handlungsbedarf für die Zukunft sieht sie die Notwendigkeit, das Engagement zur Nutzung von Reha-bilitationspotenzialen älterer, hilfsbedürftiger Menschen fortzusetzen - insbesondere bei Entlassung aus dem Krankenhaus und im Pflegeheim. Gleichzeitig gilt es, die aufgebauten Kooperationsstrukturen in Zukunft auch für die Versorgung von Menschen mit demenziellen Erkrankungen zu nutzen.

„Wiesbaden ist in der geriatrischen Versorgung gut aufgestellt“ stellte der Chefarzt des Otto-Fricke-Krankenhauses, Dr. Klaus Weil, fest. Im Hinblick auf das neueste Wiesbadener Projekt „Forum Demenz“ beanstandete er die ungeklärte Finanzierungsgrundlage und forderte eine „topfübergreifende“ Finanzierung, möglicherweise in Form eines Integrierten Versorgungsvertrages. Weiterhin sieht Dr. Weil ein generelles Problem: „Einerseits wird die geriatrische Rehabilitation durch die neue Gesundheitsreform gefördert, doch zugleich müssen die Hausärzte eine Zusatzqualifikation erwerben, um weiterhin geriatrische rehabilitative Maßnahmen verordnen zu dürfen. Die Zusatzausbildung hat bisher aber nur ein geringerer Prozentsatz der Hausärzte absolviert. Die Folge davon ist, dass deutlich weniger Menschen Rehabilitation erhalten.“

Dr. Joachim Schmidt, Sprecher des Hausärzteausschusses der Kassenärztlichen Vereinigung Wiesbaden, ist mit der Arbeitsweise im Geriatrischen Netzwerk zufrieden und hält das Projekt insgesamt für eine gute Entwicklung. Aus seiner Sicht sei allerdings die Kommunikation zwischen den Kliniken und den hausärztlichen Praxen noch nicht zufrieden stellend.

Die 2. Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen (DVSG), Heike Ulrich, betonte, dass vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung mit einer immer größer werdenden Zahl älterer Menschen mit einem hohen Hilfe- und Unterstützungsbedarf sowie der strukturellen Veränderungen im Gesundheitswesen der Weiterversorgung nach einer Krankenhausbehandlung oder nach einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme immer größerer Bedeutung zu komme. „Alle Patienten, die einen poststationären Pflege- und Hilfebedarf haben, brauchen daher ein individuell angepasstes Entlassungsmanagement, um Brüche in der Weiterversorgung zu vermeiden und die Qualität der Behandlung zu sichern“, so Heike Ulrich weiter. Ein gut funktionierendes Entlassungsmanagement muss in den Behandlungsstrukturen der Krankenhäuser fest verankert sein. Entscheidend ist dabei, alle Patienten, die einer gezielten Entlassungsvorbereitung bedürfen, systematisch und so frühzeitig wie möglich zu erfassen, um rechtzeitig die häufig zeitintensive Planung beginnen zu können.

Über die hausinternen Strukturen hinaus ist die verbindliche Zusammenarbeit mit den externen Kooperationspartnern ein wesentliches Element des Entlassungsmanagements. Optimal ist es daher, wenn gerade ältere Patienten an Beratungsstellen auf kommunaler Ebene verwiesen werden können, die dann nahtlos die qualifizierte Beratung und Begleitung der betroffenen Menschen weiterführen. „Dass so etwas gut funktioniert, zeigen die etablierten Wiesbadener Strukturen. Hier werden die so genannten Schnittstellen wirklich zu Nahtstellen, hier gelingt eine sektorenübergreifende Kooperation zum Wohle der Betroffenen“, ist die positive Bilanz von Heike Ullrich.

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Ingo Müller-Baron
Deutsche Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen
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Die Deutsche Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen e.V. (DVSG) ist ein Fachverband, der die Sozialarbeit im Gesundheitswesen fördert und dazu beiträgt, Soziale Arbeit in den verschiedenen Arbeitsfeldern des Gesundheitswesens zu stärken und weiterzuentwickeln.

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