„Invest in Future“: Die Kinder in den Mittelpunkt stellen!

Pressemitteilung von: Konzept-e für Bildung und Soziales GmbH / PR Agentur: eoscript Public Relations
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Die Redner waren sich einig: Unser Bildungssystem zementiert Ungleichheit. Michael Hartmann (vorne), Professor für Soziologie an der TU Darmstadt, sagte: ?Das dreigliedrige System sortiert viel zu viele Kinder einfach aus.? Foto: Kind e.V. / Mark Hindley
Deutschland braucht ein neues Bildungssystem, das alle Kinder mitnimmt. Darin stimmten die rund 50 Rednerinnen und Redner beim Kongress „Invest in Future“ überein. Am 15. und 16. Oktober fand das Symposium zu Betreuung und Bildung zum vierten Mal in Stuttgart statt. Mehr Naturwissenschaft und Technik in Kindergarten und Grundschule sowie eine entsprechende praxisnahe Aus- und Fortbildung der pädagogischen Fachkräfte, das forderten viele Unternehmen. Erziehungswissenschaftler propagierten eine individuelle Pädagogik, die an den Stärken der Kinder ansetzt und die Lehrenden als Lernpartner versteht. Dies bedinge ein Umdenken in der Bildungspolitik: Das dreigliedrige, undurchlässige Schulsystem gehöre dringend auf den Prüfstand, hieß es. Gemeinsames Lernen in heterogenen Gruppen soll stattdessen gute Bildung in der Breite ermöglichen, aus der Spitzenleistungen erwachsen können. Die öffentliche Förderung dürfe nicht Einrichtungen bezuschussen, sondern die Kinder und deren Bildungsverläufe.

Stuttgart (eos) – „Wir brauchen eine hochwertige frühe Bildung, die allen zu Gute kommt!“, „Wir sollten unser dreigliedriges Schulsystem überdenken, das Kinder einfach aussortiert!“, „Wir möchten Theorie und Praxis, Schulen und Betriebe stärker vernetzen, um Lernenden größere Erfahrungsräume zu öffnen!“ - Mit diesen Forderungen stimmten die meisten Redner während des diesjährigen interdisziplinären Kongresses für Betreuung und Bildung „Invest in Future“ am 15. und 16. Oktober überein. Knapp 400 Teilnehmer waren zu dieser Veranstaltung sowie zum parallel stattfindenden Symposium „Offen für morgen“, das die Erkenntnisse der Zukunftsforschung für die Offene Kinder- und Jugendarbeit zugänglich machen will, nach Stuttgart gekommen.
Über 50 Invest-in-Future-Vorträge beleuchteten Betreuung & Bildung aus wirtschaftlicher, sozialer und pädagogischer Sicht. Neben eher wissenschaftlichen Überblicksreferaten standen interessante praktische Einblicke – zum Beispiel in Projekte von Unternehmen, die mit Kindertagesstätten und Schulen kooperieren. Auf einer begleitenden Messe präsentierten 20 Aussteller Dienstleitungen, Informationen und Materialien zum Thema.

Unternehmen interessieren sich für Betreuung und Bildung
„Das Interesse der Unternehmen an Betreuung und Bildung hat sich gewandelt: In den vergangenen Jahren ging es in erster Linie um eine flexible und verlässliche Ganztagesbetreuung und um Ganztagesschulen, damit die Mitarbeiter Familie und Beruf besser vereinbaren können und die Unternehmen so einen Wettbewerbsvorteil erhalten. Inzwischen ist das Interesse an Bildung ebenso groß: Die Anforderungen im Arbeitsleben steigen und deshalb müssen mehr Kinder besser ausgebildet werden. Unser Schulsystem entwickelt die Anlagen eines Großteils unserer Kinder nur sehr unzureichend. Das werden wir uns künftig nicht mehr leisten können. Zum Beispiel muss früher als bisher das Interesse an Naturwissenschaft und Technik spielerisch geweckt werden“, sagte Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS), die den Kongress gemeinsam mit dem Kind e.V.-Dachverband, einem Zusammenschluss von Trägern betriebsnaher Kinderbetreuung, sowie der Konzept-e für Bildung und Soziales GmbH veranstaltet.

„Faszination von Naturwissenschaft & Technik früh vermitteln!“
Dr. Thomas Lindner, Vorstand des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Baden-Württemberg, berichtete, dass sein Unternehmen, die Groz-Beckert KG in Albstadt, unter anderem Chinesisch-Unterricht in der neunten und zehnten Klasse einer Realschule sowie in der elften bis zwölften Klasse eines Gymnasiums finanziere. Und damit steht sein Betrieb nicht allein: Eine Umfrage des Verbands unter seinen Mitgliedsunternehmen zeigte, dass es viele gute Beispiele für das Bildungsengagement von Unternehmen gibt. In einer Juniorakademie etwa betreuen Lehrer und Vertreter aus Betrieben gemeinsam Gruppen von Kindern bzw. Jugendlichen, die ein einwöchiges Projekt bearbeiten und abschließend präsentieren. Eine solche Zusammenarbeit ist heute aber eher noch die Ausnahme. „Das ist noch ungewohnt“, so Lindner. „Wir müssen Berührungsängste zwischen Kindergärten, Schulen und Wirtschaft abbauen.“ Außerdem sprach er sich für mehr Praxis in der schulischen Bildung aus. „Wir brauchen Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte, die das Wirtschaftsleben kennen, die bei den Kindern schon früh Begeisterung für sowie Interesse an Technik fördern und die Verständnis für naturwissenschaftliche Fragestellungen mitbringen. Dafür setzen wir uns mit Fortbildungsprojekten und Praktika-Angeboten ein.“

Pädagogen, die das Lernen fördern
Doch, so war man sich einig, das Bildungssystem bedürfe einer grundsätzlichen Reform. Aufgabe der Bildungspolitik sei es, einen Rahmen zu schaffen, der es allen Kindern ermögliche, ihr Potential zu entfalten: „Wir müssen die Gedanken und Denkweisen der Kinder kennen lernen, damit wir uns mit ihnen über ihre Bildungsprozesse verständigen können“, sagte Professor Gerd E. Schäfer von der Universität Köln. Dabei müsse das Bildungssystem aufhören, Kinder als Menschen zu definieren, die etwas noch nicht können. Statt dessen fordern die Pädagogen einen Ansatz, der von den Stärken und Fähigkeiten der Kinder ausgeht und eine „Pädagogik des Zuhörens“ zum Ausgangspunkt pädagogischen Handelns macht. Bildungsjournalist Reinhard Kahl zeigte mit Videosequenzen aus seinem neuen Dokumentarfilm sehr anschaulich, dass Kinder Erstaunliches leisten, wenn sie weitgehend selbstbestimmt handeln können und ein Umfeld vorfinden, dass sie zum Ausprobieren und Experimentieren reizt. Die von Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern mehrfach geforderte humanistische Persönlichkeitsentwicklung sowie solch scheinbar altmodische Tugenden wie Disziplin und Durchhaltevermögen möchten die Erziehenden mit diesem neuen Ansatz ebenso fördern und gewährleisten.

Zukunftsforschung macht Handlungsbedarf für Bildungspolitik aus
Unterstützung erhielten die Pädagogen von Ingo Rollwagen, Senior Analyst bei Deutsche Bank Research in Frankfurt. Er analysiert langfristige Trends, sogenannte Makro-Trends, um relativ zuverlässige Aussagen über die Arbeitswelt von morgen machen zu können. Sie werde flexibler, schneller, risikoreicher, beziehe Kunden stärker ein und sei gleichzeitig global sowie lokal vernetzt, so das Ergebnis seiner Auswertungen. Diese Arbeitswelt fordere Offenheit und geistige Wendigkeit, die Bereitschaft lebenslang immer Neues zu lernen, im Team zu arbeiten und – um dies zu können – Selbstbewusstsein und die Überzeugung, sein Umfeld selbst gestalten zu können. Rollwagen sagte, wie die Pädagogen auch: „Forschen ist die neue Kernkompetenz.“ Doch diese forschende Grundhaltung unterstütze das heutige Bildungs­system nicht. „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel“, forderte Rollwagen. „Statt Bildungsinstitutionen in den Fokus zu nehmen, muss künftig der Lernende und seine Fähigkeit und Bereitschaft zu lernen im Mittelpunkt stehen – ungeachtet seines sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Hintergrunds.“

Zusammenhang von Herkunft und Bildungschancen aufbrechen
Damit sprach er ein Thema an, das sich wie ein roter Faden durch die Plenumsvorträge und die Podiumsdiskussion des ersten Kongresstages zog: Die starke Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft. „Das deutsche Schulsystem reproduziert die Klassenzugehörigkeit“, kritisierte Barbara Vinken, Romanistik-Professorin an der Universität München und Autorin des Buches „Die deutsche Mutter. Der lange Schatten eines Mythos.“ Von Chancengleichheit könne keine Rede sein. Schuld daran sei ein System, das Eltern – vor allem die Mütter – als Hilfslehrerinnen und -lehrer rekrutiere. „Schule ist ein Anhängsel des Elternhauses“, sagte Vinken. „Wir müssen der Schule wieder geben, was der Schule ist.“ Dazu bedürfe es jedoch auch des Vertrauens der Eltern in die Institution. „In Deutschland ist aber die Haltung lebendig: 'Kinder werden vom Staat nicht so gut erzogen, wie von der Familie, sprich: der Mutter!“

Spitzenleistungen kommen aus heterogenen Gruppen
Michael Hartmann, Soziologie-Professor an der Technischen Universität Darmstadt, stellte die provozierende These auf, dass das deutschen Bildungsbürgertum bewusst an dem diskriminierenden dreigliedrigen System festhalte: „Es mindert die Konkurrenz für die eigenen Kinder, wenn 60 Prozent des Jahrgangs auf Real- und Hauptschulen verwiesen werden.“ Außerdem werde einer Elitebildung das Wort geredet, die angeblich nur in möglichst homogenen Gruppen gelingen könne. „Die Praxis zeigt aber, dass Kinder sehr viel von- und durcheinander lernen und dass dieser Effekt in Gruppen am größten ist, deren Mitglieder sehr unterschiedlich sind. Um Spitzenleistungen zu fördern und deren Anzahl zu erhöhen, gilt es, eine ganze Generation bei ihrer Neugier, ihrem 'Wissen-wollen' abzuholen“, betonte Hartmann. „Spitzenleistung erwächst aus Bildung in der Breite.“

Der Raum als dritter Erzieher
In der Podiumsdiskussion klang bereits an, was Themen-Foren zu Architektur und Raumgestaltung später vertieften. Bildung braucht Räume, die Kinder anregen und motivieren. Räume spielen als „dritter Erzieher“ – das können Pädagoginnen und Pädagogen aus der Praxis bestätigen – eine wichtige Rolle. Die Fachleute plädierten auch in diesem Zusammenhang dafür, die Kinder als Nutzer ernst zu nehmen und in den Mittelpunkt zu stellen, denn die Erwachsenenvorstellung, klein, bunt und putzig sei auch kindgerecht, entspreche häufig nicht den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder, die Räume brauchten, die sie selbst prägen und gestalten könnten.

Fazit: neue Pädagogik sichert Zukunft
Kongress-Initiatorin und Veranstalterin Waltraud Weegmann, Geschäftsführerin der Konzept-e für Bildung und Soziales GmbH, fasste den Kongress so zusammen: „Wenn wir Kinder ernst nehmen und in den Mittelpunkt stellen, erreichen wir in allen Bereichen, über die wir in diesen zwei Tagen diskutiert haben, eine Lösung, die für die Zukunft trägt.“ Zahlreiche Beispiele hätten anschaulich gemacht, dass eine Pädagogik, die Kinder partnerschaftlich begleite, deren individuelle Lerninteressen aufnehme und ihr spezifisches Lerntempo akzeptiere, mit Kindern arbeite, die motiviert seien und ihren Lernweg selbst in die Hand nähmen. „Wenn wir diesen Ansatz verfolgen, dann müssen wir aber auch mit seiner Ergebnisoffenheit leben“, gab Weegmann zu bedenken. „Das heißt für die Wirtschaft: Wir müssen uns von einem weit verbreiteten Regelungsdenken verabschieden, das Jugendliche in Ausbildungen und Studien drängt, die angeblich den künftigen Arbeitskräftebedarf abdecken, von dem wir jedoch konkret nur wissen, dass er sich ständig ändert.“ Selbst für die Finanzierung von Bildung sei – so legten es die Vorträge nahe – eine Hinwendung zum Kind sinnvoll. Die bisherige weitgehende Objektförderung (Finanzierung der Einrichtung) müsse zu einer Subjektförderung werden, die den Bildungsweg des einzelnen Kindes nach dessen Bedürfnissen unterstütze.

Presse-Kontakt:
eoscript Public Relations
Eike Ostendorf-Servissoglou
Kaiserstuhlweg 3
70469 Stuttgart
Tel. 0711-55309-46
Mobil 0172-7032745
E-Mail:

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Konzept-e für Bildung und Soziales GmbH

Die Konzept-e für Bildung und Soziales GmbH ist 2004 aus der 1988 gegründeten Konzept Unternehmensberatung hervorgegangen und ist nach wie vor Consultant für betriebliche Fragestellungen.
In den letzten Jahren spezialisierte sich Konzept-e auf die Beratung von Unternehmen zu Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern. Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt auf Konzepten für betriebliche und betriebsnahe Kindertagesstätten.
Die Konzept-e für Bildung und Soziales GmbH leitet heute zwölf Kinderhäuser im gesamten süddeutschen Raum. Vier der Einrichtungen sind reine Betriebskitas. Alle anderen Tagesstätten sind öffentlich, werden aber von Unternehmen getragen, die sich zu Vereinen zusammengeschlossen haben.
Konzept-e übernahm die Vereinsgeschäftsführung des Kind e.V., des Kind und Beruf e.V., des Kita Bio Regio e.V. sowie die Geschäftsführung des Kind e.V. Dachverbandes (www.kind-dachverband.de).
Gemeinsam mit dem Kind e.V. Dachverband und der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH führt Konzept-e den jährlich in Stuttgart stattfindenden Kongress für Betreuung und Bildung "Invest in Future" (www.invest-in-future.de) durch. Das Symposium wendet sich an Unternehmen, Träger sowie die öffentliche Hand und diskutiert Betreuungs- und Bildungsthemen aus pädagogischer, sozialer und wirtschaftlicher Sicht.

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