30.10.2007 - 09:35 - Gesundheit & Medizin
Präventionsmedizin - eine Frage von Humanismus; Interview mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt
Pressemitteilung von: medox Verlagsgesellschaften / PR Agentur: medox Verlagsgesellschaften
Präventionsmedizin ist die Medizin des 21. Jahrhunderts – in diesem Punkt besteht Einigkeit unter den Experten aus Politik, Wirtschaft, Versicherungswesen und Medizin. Wie aber soll die Präventionsmedizin als selbstständige Disziplin neben beziehungsweise vor der so genannten Reparaturmedizin etabliert werden? Und das nicht nur für eine kleine Bevölkerungsschicht. An welchen Stellen ist Umdenken erforderlich? Wo fehlt es an Informationen, Aufklärung und regulierenden, qualitätssichernden Mechanismen? Um diese Frage zu klären, findet am 25. November 2007 der „1. Europäische Präventionstag“ in Bonn im ehemaligen Bundestag statt.
Der Ort ist nicht von ungefähr gewählt: Bonn als – geographisch gesprochen – Zentrum Europas. Und der ehemalige Bundestag gilt als Zeichen für die Verankerung des Themas auf Ebenen der Bundespolitik. Eine Vertreterin der Bundespolitik wird Bundesministerin Ulla Schmidt sein, mit der die Redaktion aus diesem Anlass ein Interview zum Thema Präventionsmedizin führte. Schmidt legt dabei den Schwerpunkt ihrer Betrachtung auf die Präventionsmedizin bei Kindern und Familien, was selbstverständlich nur einen kleinen Ausschnitt aus der Bandbreite der Präventionsmedizin darstellt. Weitere Informationen zum Präventionstag bis hin zur Möglichkeit der Kartenbestellung unter www.praeventionstag.com.
Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag vereinbart, dass die Prävention zu einer eigenständigen Säule der gesundheitlichen Versorgung ausgebaut wird. Welche Bedeutung messen Sie unter diesem Gesichtspunkt dem „1. Europäischen Präven-
tionstag“ bei?
Ulla Schmidt: Wir müssen sehr viel mehr als heute in die gesundheitliche Vorsorge, in die Vorbeugung von Krankheiten investieren. Wie gesund wir sind, oder wie krank – das hat nur bis zu einem gewissen Grad mit Medizin und Krankenversorgung zu tun. Maßgeblicher sind unsere Lebensverhältnisse, Ernährung, Bewegung und weitere Faktoren. In meinem Haus wird daher an einem Gesundheitsförderungsgesetz gearbeitet. Damit werden wir die notwendigen Strukturen schaffen, um die Menschen zu erreichen, die bisher noch nicht genug für ihre Gesundheit tun. Mit dem Gesetz wollen wir alle Akteure im Gesundheitswesen auf gemeinsame Gesundheitsziele verpflichten und klare Schwerpunkte bei der Vorbeugung großer Volkskrankheiten setzen. Insofern begrüße ich alle Aktivitäten, die die Bedeutung der Prävention hervorheben.
Welche gesundheitspolitischen Impulse erhoffen und erwarten Sie von dem „Ersten Europäischen Präventionstag“?
Ulla Schmidt: Innerhalb der Europäischen Union haben wir dieselben gesundheitlichen Probleme: Chronische Erkrankungen, Übergewicht und Bewegungsarmut nehmen in allen europäischen Ländern zu. Alarmierend ist, dass Übergewicht vermehrt ein Problem bei Kindern und Jugendlichen darstellt. So sind in Deutschland 15 Prozent der Kinder im Alter zwischen 3 und 17 Jahren davon betroffen. Bereits 6 Prozent leiden an Adipositas. Bis 2020 wollen wir diese Entwicklung stoppen. Wir müssen die Menschen motivieren, eine gesunde Ernährung und mehr Bewegung in ihren Alltag zu integrieren. Mit der Badenweiler Erklärung, die während der Deutschen Ratspräsidentschaft verabschiedet wurde, haben wir einen wichtigen Grundstein für Initiativen zur Förderung der Gesundheit unserer Bevölkerung gelegt. Dabei setzen wir vor allem auf die Zusammenarbeit mit Aktivitäten aus der Zivilgesellschaft. Es wäre wünschenswert, wenn der 1. Europäische Präventionstag das Bewußtsein stärken würde, dass wir in Europa vor der selben Herausforderung stehen.
Welche Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger erhoffen und erwarten Sie von der Veranstaltung?
Ulla Schmidt: Wir müssen uns klar machen, dass wir für die Erhaltung unserer Gesundheit selbst verantwortlich sind. Leider gibt es Krankheiten, denen man nicht vorbeugen kann. Aber wer das Glück hat gesund zu sein, sollte heute mitnehmen, dass es sich lohnt, etwas für sich und seine Gesundheit zu tun.
Was sagen Sie den Kritikern, die Präventionsmedizin als „Hollywood-Medizin“ abtun?
Ulla Schmidt: Wie überall, gibt es auch im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention unseriöse Angebote, die das Blaue vom Himmel versprechen. Deshalb kommt es entscheidend darauf an, dass die Menschen valide Informationen erhalten. Ich habe jedoch den Eindruck, dass innerhalb der Fachwelt der Nutzen der Prävention und der Gesundheitsförderung nicht mehr bestritten wird.
Reparieren ist teurer als Vorsorgen – stimmen Sie dieser Aussage zu?
Ulla Schmidt: Gewiss ist es richtig, bereits in jungen Jahren ein gesundheitsförderndes Verhalten einzuüben. Deshalb legen wir Wert darauf, dass Kinder möglichst früh erfahren, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung machen Spaß und führen dazu, dass sie sich richtig gut fühlen. Gut drauf sein, heißt eine solche Kampagne, in der verschiedene Organisationen zusammenarbeiten und für die ich die Schirmherrschaft übernommen habe. Dieser Zuwachs an Lebensqualität ist mir wichtiger als die Rechnung, dass Reparieren teurer als Vorsorgen ist.
Würden Sie zustimmen, dass Präventionsmedizin auch eine Frage von Humanismus, selbstverständlich unter der Prämisse des 21. Jahrhunderts ist?
Ulla Schmidt: Ja. Es wird immer gesagt, dass Bildung entscheidend ist dafür, wie ein Kind sich in der Gesellschaft entwickelt. Was ist aber, wenn ein Kind unkonzentriert ist und nicht lernen kann, weil es ihm gesundheitlich nicht gut geht. Weil es Kopfschmerzen hat oder kein vernünftiges Frühstück bekommen hat. In der Gesundheit stecken die Bedingungen, die Faktoren, die ein gutes oder weniger gutes Leben bedeuten. Wir haben mit dem Kinder- und Jugendsurvey - kurz KiGGs – seit kurzem eine wirklich aussagekräftige Übersicht über die Gesundheit der Kinder in Deutschland. Analog zur Pisa-Studie zeigt sich hier: Sozial benachteiligte Kinder und Kinder mit Migrationshintergrund sind von Übergewicht und Adipositas besonders betroffen und zugleich sportlich deutlich weniger aktiv. Diese Kinder starten mit deutlich schlechteren Bedingungen ins Leben, sie sind öfter krank und weniger leistungsfähig.
Prävention heißt für mich: hier investieren, auf Kinder und ihre Familien zu gehen, sie stark machen für das Leben. Wir wissen aus vielen guten Projekten aus dem ganzen Land, wie viel man mit einfachen und gar nicht teueren Maßnahmen erreichen kann. Wirksame Gesundheitsförderung setzt da an, wo Menschen leben, spielen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Genau dieser Ansatz, findet sich in unserer Präventionspolitik wider.
Was bedeutet die Präventionsmedizin in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland?
Ulla Schmidt: Wir haben ein weltweit anerkanntes gutes und leistungsfähiges Gesundheitswesen. Mit 4,2 Millionen Beschäftigen ist die Gesundheitswirtschaft der Jobmotor Nr. 1 in unserem Land. Das sind mehr Beschäftigte als in der Automobilindustrie. Präventionsmedizin ist ein großer Wachstumsbereich, Fortschritte in der Medizin – in der präventiven, wie in der kurativen und rehabilitativen Medizin – stärken den Standort Deutschland. Und wie gesagt: gerade in der Prävention gibt es noch viel zu tun.
Pressekontakt:
medox Verlagsgesellschaften - Nicole Ziese
Dahlmannstr. 20 - 53113 Bonn
Tel. 0228/976497-0 oder 02234/9645-62
Mobil: 0160 4828129 - Mail:
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Der „1. Europäische Präventionstag“ wird veranstaltet von der GPeV Gesellschaft für Prävention e.V. – gesund älter werden, den Fachverbänden GSAAM, Deutsche Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin, und ESAAM, Europäische Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin sowie der Verlagsgruppe medox. Die Veranstaltung richtet sich an Entscheider und am Thema Prävention interessierte Bürger. Zu den Referenten zählen unter anderem Prof. Dr. Gerd Assmann (Assmann-Stiftung), Dr. Volker Leienbach (Vorstand PKV) und Dr. Norbert Röttgen (1. Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion) sowie Ullla Schmidt (Bundesgesundheitsministerin, SPD). Günter Verheugen, EU-Vizepräsident, hat die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen.
www.praeventionstag.com
Der Ort ist nicht von ungefähr gewählt: Bonn als – geographisch gesprochen – Zentrum Europas. Und der ehemalige Bundestag gilt als Zeichen für die Verankerung des Themas auf Ebenen der Bundespolitik. Eine Vertreterin der Bundespolitik wird Bundesministerin Ulla Schmidt sein, mit der die Redaktion aus diesem Anlass ein Interview zum Thema Präventionsmedizin führte. Schmidt legt dabei den Schwerpunkt ihrer Betrachtung auf die Präventionsmedizin bei Kindern und Familien, was selbstverständlich nur einen kleinen Ausschnitt aus der Bandbreite der Präventionsmedizin darstellt. Weitere Informationen zum Präventionstag bis hin zur Möglichkeit der Kartenbestellung unter www.praeventionstag.com.
Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag vereinbart, dass die Prävention zu einer eigenständigen Säule der gesundheitlichen Versorgung ausgebaut wird. Welche Bedeutung messen Sie unter diesem Gesichtspunkt dem „1. Europäischen Präven-
tionstag“ bei?
Ulla Schmidt: Wir müssen sehr viel mehr als heute in die gesundheitliche Vorsorge, in die Vorbeugung von Krankheiten investieren. Wie gesund wir sind, oder wie krank – das hat nur bis zu einem gewissen Grad mit Medizin und Krankenversorgung zu tun. Maßgeblicher sind unsere Lebensverhältnisse, Ernährung, Bewegung und weitere Faktoren. In meinem Haus wird daher an einem Gesundheitsförderungsgesetz gearbeitet. Damit werden wir die notwendigen Strukturen schaffen, um die Menschen zu erreichen, die bisher noch nicht genug für ihre Gesundheit tun. Mit dem Gesetz wollen wir alle Akteure im Gesundheitswesen auf gemeinsame Gesundheitsziele verpflichten und klare Schwerpunkte bei der Vorbeugung großer Volkskrankheiten setzen. Insofern begrüße ich alle Aktivitäten, die die Bedeutung der Prävention hervorheben.
Welche gesundheitspolitischen Impulse erhoffen und erwarten Sie von dem „Ersten Europäischen Präventionstag“?
Ulla Schmidt: Innerhalb der Europäischen Union haben wir dieselben gesundheitlichen Probleme: Chronische Erkrankungen, Übergewicht und Bewegungsarmut nehmen in allen europäischen Ländern zu. Alarmierend ist, dass Übergewicht vermehrt ein Problem bei Kindern und Jugendlichen darstellt. So sind in Deutschland 15 Prozent der Kinder im Alter zwischen 3 und 17 Jahren davon betroffen. Bereits 6 Prozent leiden an Adipositas. Bis 2020 wollen wir diese Entwicklung stoppen. Wir müssen die Menschen motivieren, eine gesunde Ernährung und mehr Bewegung in ihren Alltag zu integrieren. Mit der Badenweiler Erklärung, die während der Deutschen Ratspräsidentschaft verabschiedet wurde, haben wir einen wichtigen Grundstein für Initiativen zur Förderung der Gesundheit unserer Bevölkerung gelegt. Dabei setzen wir vor allem auf die Zusammenarbeit mit Aktivitäten aus der Zivilgesellschaft. Es wäre wünschenswert, wenn der 1. Europäische Präventionstag das Bewußtsein stärken würde, dass wir in Europa vor der selben Herausforderung stehen.
Welche Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger erhoffen und erwarten Sie von der Veranstaltung?
Ulla Schmidt: Wir müssen uns klar machen, dass wir für die Erhaltung unserer Gesundheit selbst verantwortlich sind. Leider gibt es Krankheiten, denen man nicht vorbeugen kann. Aber wer das Glück hat gesund zu sein, sollte heute mitnehmen, dass es sich lohnt, etwas für sich und seine Gesundheit zu tun.
Was sagen Sie den Kritikern, die Präventionsmedizin als „Hollywood-Medizin“ abtun?
Ulla Schmidt: Wie überall, gibt es auch im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention unseriöse Angebote, die das Blaue vom Himmel versprechen. Deshalb kommt es entscheidend darauf an, dass die Menschen valide Informationen erhalten. Ich habe jedoch den Eindruck, dass innerhalb der Fachwelt der Nutzen der Prävention und der Gesundheitsförderung nicht mehr bestritten wird.
Reparieren ist teurer als Vorsorgen – stimmen Sie dieser Aussage zu?
Ulla Schmidt: Gewiss ist es richtig, bereits in jungen Jahren ein gesundheitsförderndes Verhalten einzuüben. Deshalb legen wir Wert darauf, dass Kinder möglichst früh erfahren, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung machen Spaß und führen dazu, dass sie sich richtig gut fühlen. Gut drauf sein, heißt eine solche Kampagne, in der verschiedene Organisationen zusammenarbeiten und für die ich die Schirmherrschaft übernommen habe. Dieser Zuwachs an Lebensqualität ist mir wichtiger als die Rechnung, dass Reparieren teurer als Vorsorgen ist.
Würden Sie zustimmen, dass Präventionsmedizin auch eine Frage von Humanismus, selbstverständlich unter der Prämisse des 21. Jahrhunderts ist?
Ulla Schmidt: Ja. Es wird immer gesagt, dass Bildung entscheidend ist dafür, wie ein Kind sich in der Gesellschaft entwickelt. Was ist aber, wenn ein Kind unkonzentriert ist und nicht lernen kann, weil es ihm gesundheitlich nicht gut geht. Weil es Kopfschmerzen hat oder kein vernünftiges Frühstück bekommen hat. In der Gesundheit stecken die Bedingungen, die Faktoren, die ein gutes oder weniger gutes Leben bedeuten. Wir haben mit dem Kinder- und Jugendsurvey - kurz KiGGs – seit kurzem eine wirklich aussagekräftige Übersicht über die Gesundheit der Kinder in Deutschland. Analog zur Pisa-Studie zeigt sich hier: Sozial benachteiligte Kinder und Kinder mit Migrationshintergrund sind von Übergewicht und Adipositas besonders betroffen und zugleich sportlich deutlich weniger aktiv. Diese Kinder starten mit deutlich schlechteren Bedingungen ins Leben, sie sind öfter krank und weniger leistungsfähig.
Prävention heißt für mich: hier investieren, auf Kinder und ihre Familien zu gehen, sie stark machen für das Leben. Wir wissen aus vielen guten Projekten aus dem ganzen Land, wie viel man mit einfachen und gar nicht teueren Maßnahmen erreichen kann. Wirksame Gesundheitsförderung setzt da an, wo Menschen leben, spielen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Genau dieser Ansatz, findet sich in unserer Präventionspolitik wider.
Was bedeutet die Präventionsmedizin in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland?
Ulla Schmidt: Wir haben ein weltweit anerkanntes gutes und leistungsfähiges Gesundheitswesen. Mit 4,2 Millionen Beschäftigen ist die Gesundheitswirtschaft der Jobmotor Nr. 1 in unserem Land. Das sind mehr Beschäftigte als in der Automobilindustrie. Präventionsmedizin ist ein großer Wachstumsbereich, Fortschritte in der Medizin – in der präventiven, wie in der kurativen und rehabilitativen Medizin – stärken den Standort Deutschland. Und wie gesagt: gerade in der Prävention gibt es noch viel zu tun.
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Dahlmannstr. 20 - 53113 Bonn
Tel. 0228/976497-0 oder 02234/9645-62
Mobil: 0160 4828129 - Mail:
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Der „1. Europäische Präventionstag“ wird veranstaltet von der GPeV Gesellschaft für Prävention e.V. – gesund älter werden, den Fachverbänden GSAAM, Deutsche Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin, und ESAAM, Europäische Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin sowie der Verlagsgruppe medox. Die Veranstaltung richtet sich an Entscheider und am Thema Prävention interessierte Bürger. Zu den Referenten zählen unter anderem Prof. Dr. Gerd Assmann (Assmann-Stiftung), Dr. Volker Leienbach (Vorstand PKV) und Dr. Norbert Röttgen (1. Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion) sowie Ullla Schmidt (Bundesgesundheitsministerin, SPD). Günter Verheugen, EU-Vizepräsident, hat die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen.
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