16.10.2007 - 16:29 - IT, New Media & Software

direct/ IIR Deutschland GmbH: Das Web 2.0 zieht neue Seiten auf

Pressemitteilung von: IIR Deutschland GmbH
Tagungsbericht IIR-Web 2.0-Kongress, 09. /10. Oktober 2007 in Berlin

- Schluss mit Realitätsflucht - die neuen Seiten im Web 2.0 entdecken den Reiz der lokalen Umgebung und des wirklichen Lebens
- Unternehmenskommunikation im Web 2.0: Deutsche Unternehmen fremdeln noch mit Blogs & Co.
- Trends: Second-Life-Nachfolger Twinity und Mobiles Internet

Am 9. und 10. Oktober tagte in Berlin der dritte Web 2.0-Kongress, veranstaltet von IIR Deutschland. Über 120 Marketing- und IT-Verantwortliche interessierte vor allem die Frage, wie sie das Web 2.0 für sich und ihr Unternehmen nutzen können.

Unternehmen lernen immer mehr, Web 2.0 anzuwenden. "Die Hausaufgaben, vor allem die technischen, sind gemacht, jetzt geht es an die Umsetzung", so der Kongressvorsitzende Prof. Dr. Marc Drüner, Internetexperte und Berater, in seiner Eröffnungsrede. Was die Unternehmen jetzt brauchten, seien branchenspezifische Ideen und Konzepte, wie sie Web 2.0-Tools für ihre konkreten Zielgruppen einsetzen könnten. Denn so weit ist die Entwicklung schon fortgeschritten: Web 2.0 findet Eingang in alle Themenbereiche, ob Gesundheits-, Umwelt oder Frauen- und Familienthemen, jede Interessengruppe will ihre Community, ihr virtuelles Netzwerk. "Communities sind keine extravaganten Tummelplätze für Einzelne, Communities gehören bereits zum normalen Alltag." Schon 30 Prozent der Internetnutzer gestalten solche Seiten mit - sei es durch Forenbeiträge, Postings in Blogs oder durch Hochladen von Dateien auf Youtube oder Flickr. Und die Zahl steigt täglich - nicht nur bei sehr jungen Leuten: "Die Hälfte der Nutzer der Community-Plattform Facebook ist über 35 Jahre alt", so Drüner.

So alltäglich Social Communities bereits sind, so spannend bleiben sie weiterhin für Unternehmen: sei es zur Kundenbindung über Markenportale oder aber für eigene neue Geschäftsmodelle.

Spicken erlaubt / Deutschland - eine Wasserburg
Drüners Rat an die Unternehmen: "Schauen Sie bei anderen ab, erheben Sie das Copy and Paste zur Kunst - das ist das Beste, was Sie an Trendscouting machen können." Die Quellen zum Spicken lägen zum größten Teil in den USA. Hier seien 80 Prozent der Themen bereits durch Web 2.0-Webseiten abgedeckt. Nicht nur das: US-amerikanische Seiten seien voll mit Widgets, also kleinen, meist spielerischen Programmen, die jeder Anwender kostenfrei über eine offene Schnittstelle nutzen könne. Unternehmen sollten sich umschauen und sich kleine Applikationen nehmen, wo sie sie finden können. "Die besten Anwendungen sind die, die Sie auch für 9,90 Euro in einem Elektronikmarkt kaufen können", so Drüner. Aber sie sollten auch das Teilen lernen: "Deutsche Firmen mit ihrer Angst vorm Wettbewerber gleichen Wasserburgen - abgeschirmt und getrennt durch einen Graben wollten sie nur ungern Ideen oder Programme mit anderen teilen", so seine Beobachtung. "Selbst, wenn das bedeutet, dass auch ihnen im Gegenzug keiner seine Anwendungen überlässt."

Während Deutschland stark an Communities ist, hat der Vorreiter USA schon eine Vielzahl an unterschiedlichen Web-Anwendungen hervorgebracht. Drüner berichtete von Programmen, die dem Kreditkartenbesitzer sein Kaufverhalten vor Augen führen, dem Schreiber elektronischer Mails den Verlauf seiner E-Mail-Nutzung. "Nicht die großen, eindrucksvollen Geschäftsanwendungen sind der Trend, sondern die kleinen, aber umso nützlicheren Applikationen. Leider ist Deutschland aber noch lange nicht so weit zu sagen: ,Ich habe hier etwas entwickelt, macht ihr ruhig was damit´."

Unternehmen und Web 2.0: Noch immer Angst vor Blogs und Co.
Auch Andreas Neus, Strategieberater bei IBM Global Business Services und Medienexperte für den Think-Tank IBM Institute for Business Value, beobachtet, dass Unternehmen ihre Anwendungen nur ungern anderen Firmen zur Verfügung stellen. "Wenn Firmen die Vorteile einer offenen Kollaboration für sich nutzen wollen, müssen sie massiv umdenken und sich öffnen." Die Forderung beträfe nicht nur den Austausch von Tools. Auch der Mut, Menschen auf einem Markenportal offen über das Unternehmen und seine Produkte diskutieren zu lassen, gehöre dazu. "Es ist nun mal Fakt, dass Unternehmen nicht nur Freunde haben", so der Medienexperte. IBM ruft beispielsweise einmal jährlich 75.000 Kunden zu einem Online-Austausch zusammen. Für diesen "IBM Value Jam", wie Neus es nennt, musste er anfangs gegen die Skepsis und den Widerstand der Unternehmensführung kämpfen. Doch es habe sich gelohnt: "Bei dem Austausch teilen uns die Kunden mit, was sie bewegt - das sind wertvolle Informationen für uns." Nach einer aktuellen IBM-Studie gibt es viele Kunden, die unter gewissen Bedingungen bereit wären, Verbesserungsvorschläge bei Unternehmen einzureichen - die Mehrheit gegen Geld, aber schon 41 Prozent allein, wenn sie wüssten, ihnen würde ernsthaft zugehört. Unternehmensseiten, die fast ausschließlich vom Inhalt der Kunden lebten, kämen einem solchen ernst gemeinten Aufruf gleich. "Und von der Illusion, die vollständige Kontrolle über den Kunden und seine Meinung zu haben, müssen wir uns ohnehin lösen", so Neus.

Online trifft auf offline
Internetnutzer, zumal solche, die das Netz regelmäßig besuchten, wird oft nachgesagt, sie seien Einzelgänger und wollten aus der realen Welt fliehen. Kongressvorsitzender Marc Drüner räumte mit dem Vorurteil auf, indem er eine Studie der TU Berlin zitierte: Von den Offlinern, den Befragten also, die eher selten im Internet unterwegs sind, gaben 27,4 Prozent an, einen Freundeskreis von mindestens 16 Personen zu haben. Bei den Menschen, die regelmäßig im Internet Beiträge schreiben und sich oft in Communities austauschen, haben mehr als 56 Prozent einen Freundeskreis in dieser Größe. Drüner: "Kontakte im Internet und Kontakte in der realen Welt schließen einander nicht aus- im Gegenteil: Die Online-Aktivitäten steigern die Offline-Kommunikation. Wer im Netz Freundschaften schließt, will diese Leute auch mal bei einem Glas Bier treffen."

Der Reiz des Regionalen
Ein weiteres Indiz für den Offline-Trend sei auch die zunehmende Attraktivität lokal ausgerichteter Internetangebote. Der Reiz des Regionalen sei menschlich, so Drüner. "Überlegen Sie mal, wonach Sie bei Ihrem ersten Besuch bei Google Earth gesucht haben - sicher nicht nach dem Times Square, sondern nach Ihrem eigenen Häuschen."

Web 2.0 für Kundenkommunikation: Praxisbeispiele Henkel, Hamburg-Mannheimer, GlaxoSmithKline
"Einer ist schlau, gemeinsam sind wir schlauer" - was wie das Prinzip der Social Communities klingt, ist der Untertitel eines Portals, das Henkel zur Verkaufsförderung eines Waschmittels gegründet hat. Der Konsumgüterhersteller gehört zu den ersten deutschen Unternehmen, die markengebundene Seiten, so genannte Brand Communities, betreiben. In der Industrie seien solche Portale, bei denen das Unternehmen lediglich die Plattform stelle, die Nutzer aber selbst für Inhalte sorgten, noch selten. "Aber das wird sich noch durchsetzen", versicherte Andreas Günther, Internet- und E-Business-Direktor bei Henkel, in seinem Kongressbeitrag.

Während sich die kollektive Nutzergemeinde aktuellen Umfragen zufolge nicht wirklich darin einig ist, ob sie Brand-Communities wünsche, kann Günther von wachsenden Nutzerzahlen auf seinen Seiten berichten. Mit einigen Portalen knacke Henkel die 100.000-er Marke - "die kritische Grenze, ab der ein Forum erst wirklich nützlich ist für den User und das Unternehmen", so Günther. Allerdings sei der Aufwand nicht unerheblich: Im Idealfall sollte der Austausch zwischen Nutzer und Unternehmen in Echtzeit, zumindest aber eine tägliche Aktualisierung erfolgen. Auch wenn sich bei Henkel ein Expertenchat via Skype nicht durchgesetzt habe - "zu stark zeitgebunden" -, so erwarteten die Verbraucher doch eine schnelle Reaktion auf ihre Fragen und Beiträge. Und Mehrwert: Henkel-Portale beinhalten neben Verbraucher- und Produktinformationen auch zielgruppenspezifische Services: Praktikavermittlung auf Haarstyling-Seiten etwa oder Stilberatung inklusive Vorher-Nachher-Fotos auf einer Frauen-Community-Seite. Günthers Empfehlung an Unternehmen, die eine solche Plattform planen: "Entwickeln Sie eine kristallklare Kompetenz, setzen Sie einen Schwerpunkt, werden Sie Best of the Class." Und: "Bleiben Sie einfach - je komplizierter eine Anwendung, desto weniger wird sie akzeptiert." Und der Nutzen fürs Unternehmen? Neben einer stärkeren Kundenbindung und "Awareness", so Günther, könnten Unternehmen über solche Seiten auch viel über ihre Zielgruppe erfahren. "Sie müssen die Nutzer nur dazu animieren, Infos über sich auf Ihrer Seite liegen zu lassen."

"Besser, sie reden mit uns über uns als ohne uns": Blogs bei Hamburg-Mannheimer
Auch Dirk Schallhorn, Leiter Internetmarketing bei der Versicherung Hamburg-Mannheimer, hält eine Unternehmenscommunity für wichtig, um die eigene Zielgruppe näher kennen zu lernen. Die Angst vor in Blogs geäußerter Kritik müssten Entscheider lernen zu überwinden. "Über uns reden die Leute sowieso. Dann ist es doch besser, sie tun es mit uns als ohne uns", bringt es Schallhorn auf den Punkt. Auf seinem konzerneigenen Portal können Kunden ihre Erfahrungen mit Versicherungen beschreiben, sich aber auch über ein virtuelles Programm, durch das ein Schauspieler in der Rolle der Unternehmensfigur "Herr Kaiser" führt, ein passendes Produkt zusammenstellen lassen. Bald schon wird es Herrn Kaiser auch auf dem Handy geben, "die Tests mit Prototypen laufen", so Schallhorn.

Der Pharmahersteller GlaxoSmithKline hat mit seiner "Luft-zum-Leben"-Website gleich eine eigene Beratungsplattform geschaffen. Das Besondere: Das Unternehmen nutzt sie nicht zur Verkaufsförderung - was schon allein aufgrund der in Deutschland geltenden speziellen Gesetze im Pharmamarketing unzulässig wäre -, sondern will vorrangig seiner Zielgruppe ein Medium zum Austausch rund um das Thema Asthma an die Hand geben. Wie Dr. Jochen Drechsel, Senior Manager e-Business, in seinem Kongressbeitrag zeigte, finden Nutzer auf der Seite diverse Artikel zum Thema - eingekauft von Drittanbietern -, ein Forum und aktuelle Hinweise wie Angaben zum derzeitigen Pollenflug. Unterstützt wird das Angebot durch Mobile Services: So können sich die Interessenten beispielsweise dafür registrieren lassen, per SMS an die Einnahme ihrer Medikamente erinnert zu werden. Gängige Messwerte zur Akzeptanz einer Website wie Page Impressions oder Klickraten hält Drechsel für unzulänglich: "Mich interessiert vielmehr, wie viele auf meine Website zurückkehren, sie also als nützlich und wertvoll empfinden." Unternehmen, die ein solches Projekt starten wollen, rät er, das Vorhaben von langer Hand strategisch zu planen. "So verlockend es auch ist, Web 2.0 zur Kommunikation zu nutzen, sollte es nicht als schnelle Adhoc-PR-Maßnahme aufgesetzt sein." Sein Unternehmen hätte über fünf Jahre gebraucht, um die Website so weiter zu entwickeln, dass sie für die Nutzer einen wahren Mehrwert hat. Heute sind rund 80.000 Asthmatiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz registriert.

Geschäftsmodelle im Web 2.0: Smava, TownKings, Last.fm
Als Alexander Artopé vor wenigen Monaten mit seinen Kollegen die Online-Kreditplattform smava gründete, tat er das nicht ohne Skepsis: Ein Marktplatz, auf dem Privatleute sich untereinander Geld leihen können, eine Art eBay für Kredite - das sei ein Konzept, an das sich das sicherheitsorientierte Deutschland erst gewöhnen müsse, berichtet er heute. Doch der Finanzexperte wurde überrascht: Sofort nach dem Launch kamen die ersten Anleger und Kreditnehmer. Bis heute, da smava 13.500 registrierte Mitglieder zählt, wurden über die Plattform Kredite und Finanzierungen in einem Gesamtwert von über einer halben Million Euro vermittelt. Die Vorteile sind für Anleger und Kreditnehmer zum einen finanzieller Art: smava nimmt einen Prozent vom Kreditwert, und auch dies erst, sobald der Vertrag zustande gekommen ist. Die Marge also, die sonst die Banken für die Kreditvergabe einstreichen, können die Anleger und Kreditnehmer untereinander aufteilen. Absicherungsinstrumente wie Bonitätsprüfung sorgen zudem für ein hohes Vertrauen in die Plattform. Doch smava bedeutet mehr: "smava hat eine spielerische Komponente, die Nutzer beratschlagen sich in Foren über Kreditprojekte, tauschen sich aus", sagte Artopé auf dem Web 2.0-Kongress. "smava ist also eine klassische Web 2.0-Community."

Was ein gutes Businessmodell im Web 2.0 ausmacht, erläuterte Frank Engel, dessen Internetfirma Supreme NewMedia die Social Community-Seite TownKings ins Leben gerufen hatte. Wichtig sei ein klar erkennbarer Nutzen, im besten Fall ein ganz neuer Ansatz, mit dem sich das Portal von anderen abgrenze. Wenn es dann noch einfach zu bedienen sei und von jedem Nutzer gleich verstanden würde, müsse nur noch das Ertragsmodell stimmen. Aus allen Möglichkeiten - Engel nannte fünf: Werbung, Verkauf von Gütern, Abonnement, Lizenzvergaben und das Exit-Modell - sollten sich Unternehmen das Beste herausziehen und, wo möglich, miteinander verknüpfen. "Wenn Sie noch ganz am Anfang sind, spielen Sie in einem Brainstorming Ihre ganze Wertschöpfungskette einmal durch. Überlegen Sie, wo Sie Dinge kombinieren und dadurch etwas ganz Neues schaffen können. Und seien Sie schnell." Es sei wichtig, rasch die kritische Masse aufzubauen, die eine Community brauche, um zu existieren. Es sei besser, mit einer Seite an den Markt zu gehen, die erst zu 60 Prozent fertig sei, als zu viel Zeit darauf zu verwenden, sie zu perfektionieren und dabei von anderen überholt zu werden. "Bauen Sie Ihren Konkurrenzvorteil zügig aus!", so der Experte. Er selbst sieht die Internet-Zukunft in lokalen Seiten. Seiten, die anzeigen, wo ein Nutzer wohnt, welche Restaurants in seinem Umkreis er empfiehlt, und wer seine nächsten Freunde in der Nachbarschaft sind. Frank Engel hat die Nische mit seiner Seite TownKings besetzt - ein Portal, das im Mash-up-Verfahren Tools wie Ebay, Skype, Paypal und Yahoo verknüpft, dabei aber immer einen lokalen Bezug zu einer Stadt herstellt.

Auch Leidenschaft kann ein Anreiz dafür sein, eine Online-Community zu erschaffen: Als 2002 vier junge britische Männer die Online-Musikplattform Last.fm gründeten, war die Dot.com-Branche am Boden. Und doch erkannten diese vier den Bedarf, Menschen eine hohe Anzahl an Musikstücken ganz individuell nach deren Vorlieben und ihrem Geschmack bereitzustellen - und machten ein Geschäft daraus. "Wir wollen nur, dass die Leute Musik hören - uns ist egal, ob sie bloggen, voten, raten oder Wikis schreiben - das ist alles bei uns möglich, aber nicht der Kern unseres Geschäfts", sagt Dr. Stefan Glänzer, der vor zwei Jahren bei dem Unternehmen eingestiegen ist und auf dem Kongress von seinen Erfahrungen berichtete. Er scheut dabei nicht den Vergleich mit dem Buchhändler Amazon und dessen Empfehlungsmarketing. Doch während hier lediglich über programmierte Hinweise angezeigt wird, welche weiteren Artikel die Käufer eines bestimmten Produktes erworben haben, geht Last.fm einen Schritt weiter. "Amazon weiß nicht, ob der Kunde das gekaufte Buch auch gelesen, ob er es gemocht, weggeworfen, verbrannt oder vielleicht zwei Mal gelesen hat." Bei Last.fm wird über Metadaten im Nutzerprofil das Hörerverhalten beobachtet, dokumentiert und das Angebot der gespielten Lieder darauf abgestimmt. "Wir sind noch nicht so unkompliziert wie Google", so Glänzer. Aber 25 Millionen monatlichen Nutzern scheint das nichts auszumachen, wenn sie sich dafür aus über 120 Millionen verschiedenen Titeln ihr eigenes Radioprogramm zusammenstellen können. Zum Vergleich: Eine durchschnittliche Radiostation hat laut Glänzer circa 1.000 Titel im Programm. Finanziert wird Last.fm größtenteils durch Werbung, daneben auch durch spezielle kostenpflichtige Angebote wie On-Demand-Bestellungen, die nur über Abonnements zu beziehen sind. Und hier sieht Glänzer auch den Unterschied zwischen den Entwicklungen im Netz heute und der Internetblase Anfang des Jahrtausends: "Während damals nur ein paar Zeichen hin- und hergeschickt werden konnten, geht es heute um Fotos, Videos, virtuelle Alter Egos. Heute wird im Netz auch Geld verdient." Und eine Vision über kommende Web-Zeiten hat er auch bereits: "Beam me up, Scotty - vielleicht ist es das, wo uns das Web 2.0 hinführt", sagte er.

Mit Web 2.0 Wissen und Informationen im Unternehmen organisieren
Web 2.0 wird auch für das unternehmensinterne Management von Informationen immer wichtiger. "Durch die Zeit, die Mitarbeiter aufwenden müssen, um Informationen zu beschaffen und ihre Arbeit zu organisieren, entstehen Unternehmen jährlich Mehrkosten von 28.000 US-Dollar pro Mitarbeiter", zitierte Jörg Bienert, Geschäftsführer der Beratungsfirma empulse, eine IDC-Studie. Indem Wikis, Blogs, E-Mail-Kommunikation und Weboffice miteinander verbunden werden, könnten Unternehmen ihr Informationsmanagement effizienter gestalten, so Bienert.

Seit neun Monaten nutzt die Deutsche Bank Research Wikis als Wissensdatenbank: 15 Wissensarbeiter, so genannte Information Professionals, dokumentieren auf dieser Plattform Gesprächsergebnisse und Informationen aus Recherchen, teilen diese Daten miteinander, schreiben sie aber auch stets fort. "80 Prozent des unternehmensrelevanten Wissens steckt in den Köpfen der Mitarbeiter", sagte Ronny Porsch, Informationsreferent bei der Deutschen Bank. Auf dem Kongress zeigte er, warum gerade Wikis dafür geeignet sind, dieses Wissen zu handhaben und anderen Mitarbeitern bereit zu stellen: "Wikis sind einfach zu implementieren und zu bedienen. Sie organisieren sich selbst, da der Leser zugleich auch Redakteur ist." Zudem unterstützten Wikis sinnvoll das kollaborative Wissensmanagement, da die Mitarbeiter zu jeder Zeit und an jedem Ort Zugang zu dem Portal haben. Porsch nannte die notwendigen Schritte, um das Wiki zu kreieren und die Mitarbeiter dazu zu bewegen, es zu nutzen: "Erstellen Sie die Rahmenstrukturen und generieren Sie zum Start schon mal beispielhafte erste Inhalte", riet er den Zuhörern. Anschließend gelte es, die Mitarbeiter in einem Informations-Kick-off zu schulen und nochmals spezielle Wünsche abzufragen. "Wenn Sie dann noch ordentlich unternehmensinterne Werbung für das Wiki betreiben, stellt sich automatisch ein Kreislauf ein." Doch habe ein Wiki auch Grenzen: "Ich rate von einem Wiki ab, wenn zwingend Dateien wie Excel-Tabellen, PDF-Dokumente oder Powerpoint-Folien zur Verfügung gestellt werden müssen. Diese müsste man bei Bedarf immer wieder neu bearbeiten und hochladen, was sehr müßig ist."

Trend 1: Handy 2.0 - Das Ende der SMS-Ära und die Geburt der 100-Sekunden-Tagesschau
Einen radikalen Umbruch sagte Vodafone-Experte Burkhard Leimbrock der Telekommunikation voraus: Über 70 Prozent der Umsätze stünden in den nächsten Jahren zur Disposition, so Leimbrock auf dem Kongress. Mobilfunk-, Festnetz- als auch Kabelanbieter täten gut daran, ihr gesamtes Geschäft auf neue Angebote umzustellen. Den Mobilfunk verändern würden vor allem die Techniken und Möglichkeiten des Web 2.0: "Die größten Wachstumspotenziale haben Communities und Social Networks." Und einen neuen Treiber habe die Branche bitter nötig: "Die klassischen Sprachminuten-Geschäfte sind ausgereizt", so der Experte. Zuwachs sei nur durch neue Dienste und Services zu erreichen. Vor allem mobilfunkfremde Unternehmen, dazu zählt er Internetanbieter Google und Yahoo, aber auch Medienunternehmen würden einen großen Teil ihres Erfolgs künftig mit neuen Mehrwertdiensten im Mobilfunksektor erzielen und damit die ganze Branche vorantreiben. Die Kombination aus Mobilfunk-, Festnetz und Kabelangeboten schaffte ebenfalls neue Dienstleistungen, neue Daten- und Mehrwerstdienste: "In konvergenten Diensten liegt das große Wachstumspotenzial für neue Services." Vodafone gehört zu den ersten Mobilfunkanbietern, die mit Partnern Formate für das Mobiltelefon entwickeln. Neuester Clou ist die Tagesschau, die über eine Schnittstelle auf das Handy herunter geladen und dort angeschaut werden kann. Aus dem Material der traditionell 15 Minuten dauernden Nachrichtensendung schneidet der Sender einzig für diesen Zweck eine 100-Sekunden-Version zusammen und stellt sie Vodafone zur Verfügung.

Auch Multimedia ist auf dem Vormarsch: "Das Handy wandelt sich vom Alltagsbegleiter zum Multimediacenter. "Mobile Music wird dem MP3-Player den Rang ablaufen, und mobile E-Mails setzen sich langfristig gegen SMS durch", so die Prognose des Vodafone-Mannes.

Second Life war gestern - Comeback des First Life
Das Internet in 3D-Optik zu erfahren, sei das nächste große Ding, waren sich viele Experten auf dem Kongress einig. "Derzeit existieren zwei Internetwelten, die sich bald vermischen werden", so die Beobachtung von Gerrit Peter Wahle. Wahle leitet ForceSunrise, eine Tochtergesellschaft der Internetunternehmens Metaversum, die sich auf Webseiten im 3D-Modus spezialisiert hat. Da seien zum einen die Internetportale in zweidimensionaler Optik, die vor allem die reale Welt abbildeten und Möglichkeiten zur Selbstdarstellung gäben. Hier träfen sich die Nutzer zwar in Social Communities, kommunizierten aber vorrangig zeitversetzt miteinander. Daneben gebe es die dreidimensionalen Onlinewelten, darunter den Wegbereiter Second Life, die von der Echtzeit-Präsenz der Avatare lebten und den Nutzern Unterhaltung und nicht selten die Flucht aus der Wirklichkeit böten. Wahles Vision ist eine Weiterentwicklung beider Formate, eine 3D-Welt, in der sich Nutzer kein zweites Ich schaffen, sondern sich und ihr wirkliches Leben darstellen. "Die Verknüpfung von realen Erlebnissen und virtueller Existenz ist das Erfolgskonzept der Zukunft", so Wahle. "Die Zeit des Second Life ist vorbei - das First Life hat wieder Konjunktur."

Twinity: Das eigene Wohnzimmer im Internet
Das Leben der Internetnutzer verbessern, anstatt ihnen dabei zu helfen, vor der Wirklichkeit zu fliehen - so lautet auch das Mission Statement der Firma Metaversum, die Anfang 2008 eine virtuelle Welt mit dem Namen "Twinity" an den Start bringen will. Firmenchef Dr. Mirko Caspar sagte dazu auf dem Web 2.0-Kongress: "Über 400 Millionen Menschen sind weltweit in sozialen Netzwerken registriert, und nach Umfragen können sich die Hälfte derer vorstellen, sich künftig noch aktiver in solchen Communities zu beteiligen." Einen Zulauf, den Caspar für sich und sein Produkt nutzen will, aber nicht nur das: "Wir könnten jetzt einfach sagen, in den Markt gehen wir noch rein, den Trend nehmen wir mit - aber ohne Mehrwert hätte das keine Chance auf Erfolg." Der Mehrwert, den er den Benutzern seiner Seite geben will, liegt in der Mischung aus dreidimensionalen Bildern und lokalem Bezug. Die Nutzer sollen sich auf Twinity mit ihren Freunden zum Online-Shopping treffen oder zum gemeinsamen Fußballgucken - und zwar in bekannten Welten. Twinity bilde die wirkliche Welt ab: Real existierende Kneipen in Berliner Szenevierteln oder große bekannte Museen inklusive ihrer Kunstsammlungen werde es hier ebenso geben wie private Wohnräume der Internetnutzer. Dass diese dazu ihren Avatar gemäß ihrem eigenen Erscheinungsbild kreieren und per Mausklick ihre Wohnung so realitätsnah wie möglich nachbilden können, ist Teil des Konzepts. Die Nutzer will Caspar zum Teil aus den Reihen der Second-Life-Abtrünnigen gewinnen: "Wir glauben, dass unsere Kunden Second Life vielleicht mal versucht haben, aber von dieser wirklichkeitsfernen Welt enttäuscht sind."

Der nächste Web 2.0-Kongress findet am 16. und 17. April 2008 in Wiesbaden statt. Das Programm ist ab Januar 2008 abrufbar unter:
www.web2.0-kongress.de

Kontakt
Romy König
Presseabteilung IIR Deutschland GmbH
Otto-Volger-Straße 21, 65843 Sulzbach/Ts.
Tel: 06196/585-326, Fax: 06196-585-310
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