(openPR) Bad Malente, 27. September 2007 - Schleswig-Holsteins Sozialministerin Dr. Gitta Trauernicht eröffnete am Donnerstag das Landes-Aphasie-Zentrum in der August-Bier-Klinik in Bad Malente-Gremsmühlen. Die Fachklinik für Neurologie, Neurotraumatologie und Rehabilitation bietet damit als neue Anlaufstelle in Schleswig-Holstein kompetente Unterstützung für Patienten mit Sprachstörungen und deren Angehörige.
Als Aphasien bezeichnen Mediziner Sprachstörungen, die häufig nach einem Schlaganfall oder einer Schädel-Hirn-Verletzung auftreten. Die Betroffenen zeigen eine verminderte Fähigkeit, sich verständlich auszudrücken. Neben dem Sprechen sind auch das Verstehen, Schreiben und Lesen unterschiedlich stark beeinträchtigt. Expertenschätzungen zufolge leiden in Deutschland allein aufgrund eines Schlaganfalls rund 70.000 Menschen an einer Aphasie. Und jedes Jahr kommen ca. 24.000 neue Fälle dazu.
Das neue Landes-Aphasie-Zentrum wurde am 27. September gemeinsam von Schleswig-Holsteins Sozialministerin Dr. Gitta Trauernicht, Dr. Klaus Stecker, dem Chefarzt der August-Bier-Klinik, und Herrn Heinz Terstegen, Vorsitzender des Bundesverbandes für die Rehabilitation der Aphasiker e.V., eröffnet. Sozialministerin Dr. Gitta Trauernicht erklärte anlässlich der Eröffnung des Aphasie-Zentrums: „Ich freue mich, dass von nun an die von dieser Krankheit betroffenen Menschen in Schleswig-Holstein einen kompetenten Ansprechpartner haben. Mit diesem Landes-Zentrum sollen den Betroffenen neue Chancen eröffnet werden. Sie sollen informiert und beraten werden und können sich auch in Selbsthilfegruppen austauschen.“ Den Betroffenen zu helfen und sie bei ihrem Weg in ein möglichst normales Leben zu unterstützen, sei das oberste Ziel des neuen Landes-Aphasie-Zentrums, so Stecker. Innerhalb des Zentrums kümmern sich erfahrene Ärzte und Therapeuten sowohl um die optimale Versorgung als auch um die Rehabilitation der Patienten. Als professionelle Einrichtung unterstützt es den Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. aktiv vor Ort. Die Mitarbeiter bieten regelmäßige Aphasie-Sprechstunden in der Klinik an und betreuen die regionalen Selbsthilfegruppen. Seminare und Fortbildungsveranstaltungen für Fachleute und Interessierte ergänzen das Angebot des Landes-Aphasie-Zentrums. „Das Thema Aphasie ist in der Öffentlichkeit immer noch zu wenig bekannt und Aphasiker haben keine ausreichende Lobby, da sie sich sprachlich nicht mitteilen können“, betonte Stecker. Auch die Angehörigen müssten erst lernen, mit der neuen Situation umzugehen.
Leben mit Aphasie – für junge Betroffene besonders schwer
Aphasiker sind weder geistig behindert noch psychisch krank. Der Verlust der Sprache hat nichts mit einem Verlust des Denkvermögens oder der Intelligenz zu tun. Aber die Sprachstörung macht viele Tätigkeiten des alltäglichen Lebens wie Einkaufen oder Telefonieren zu einer oft unüberwindbaren Hürde. Da die Betroffenen in ihrer Fähigkeit sich verständlich auszudrücken eingeschränkt sind, kommt es häufig zu Missverständnissen. So entsteht leicht soziale Isolation. Die Symptome unterliegen einer großen Bandbreite - von geringen Wortfindungsstörungen bis hin zur „Sprachlosigkeit“. Die Sprachtherapie zielt vor allem darauf ab, die Kommunikationsfähigkeit wieder herzustellen. „Es ist ganz wichtig, die Sprechangst zu überwinden“, sagte Renate Damm, Leitende Sprachtherapeutin der Klinik.
Etwa 10 Prozent der Schlaganfallopfer sind jünger als 45 Jahre. Vor allem diese jungen Schlaganfallpatienten oder Menschen, die in Folge eines schweren Unfalls unter einer Aphasie leiden, stehen von einem auf den anderen Tag völlig veränderten Lebensbedingungen gegenüber. „Junge Patienten haben es besonders schwer. Sie können oft nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten und die private Lebensplanung gerät aus den Fugen“, so Damm. Denn auch Partner, Eltern und Kinder sind mit betroffen. „Die Patienten sind häufig auf fremde Hilfe angewiesen und haben das Gefühl, dass sie in der Gesellschaft weniger wert sind“, erläuterte Damm. Dadurch komme es häufig zu sozialen Konflikten.
Um Menschen mit einer Sprachstörung zu helfen und um eine landesweite Vernetzung zu fördern, unterstützt das neue Landes-Aphasie-Zentrum die Selbsthilfegruppen in Schleswig-Holstein. Neben der Behandlung, der Information und Beratung bietet das Zentrum auch Seminare und Workshops an, um den Patienten und ihren Angehörigen pragmatische Strategien für eine erfolgreiche Alltagskommunikation zu vermitteln. Bei den alle vier bis sechs Wochen stattfindenden Treffen der Selbsthilfegruppen in der Klinik können sich Patienten und Angehörige intensiv austauschen und gemeinsame Freizeitaktivitäten wahrnehmen.
Zahlen + Fakten
In Deutschland ereignen sich pro Jahr ca. 150.000 Schlaganfälle. Mehr als jeder Dritte leidet danach an Sprachstörungen, so dass die Zahl der Betroffenen auf insgesamt ca. 70.000 geschätzt wird. Die Häufigkeit jährlich neu auftretender und anhaltender Sprachstörungen durch einen Schlaganfall beträgt rund 24.000. Dazu kommen noch zahlreiche Patienten, die aufgrund von Hirntumoren oder Schädel-Hirn-Verletzungen eine Aphasie entwickeln.
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