21.09.2007 - 12:06 - Gesundheit & Medizin
Prostatakrebs: Behandeln oder abwarten? Mehr Lebensqualität durch Brachytherapie
Pressemitteilung von: Westdeutsches Prostatazentrum in der Klinik am Ring, Köln
Prostatakrebs ist ein langsam wachsender Krebs. Nehmen Sie sich daher genügend Zeit, alle Therapiemöglichkeiten mit den Experten zu besprechen.
Die Methode des kontrollierten Abwartens wird von Medizinern als „watchful waiting“ bezeichnet. „Watchful waiting bedeutet, nach der Diagnosestellung keine Therapie einzuleiten, sondern die weitere Entwicklung der Krebserkrankung zunächst mittels Tastuntersuchung, Ultraschall und PSA-Tests aktiv zu beobachten“, erklärt Dr. Stephan Neubauer, Urologe vom Westdeutschen Prostatazentrum in der Klinik am Ring in Köln. Dadurch besteht die Möglichkeit, Veränderungen im Wachstum des Tumors frühzeitig zu erkennen und entsprechend einzugreifen. „Ein solches abwartendes Vorgehen kann bei Patienten angemessen sein, die auf Grund ihres hohen Alters oder schwerer Begleiterkrankungen nur noch eine geringe Lebenserwartung haben“, unterstreicht Neubauer.
Obwohl Prostatakrebs generell ein langsam wachsender Krebs ist, rät der Urologe bei allen anderen Patienten vom „watchful waiting“ als alleinige Therapie entschieden ab. „Ein abwartendes Verhalten führt in der Regel zu einer Verschlechterung der Krankheitsprognose“, betont Neubauer. Selbst kleine langsam wachsende Tumore können sich zu größeren Geschwulsten entwickeln, werden sie nicht behandelt. So konnte jüngst eine schwedische Studie1 zeigen, dass die Sterblichkeit nach 6 bis 8 Jahren gegenüber behandelten Patienten deutlich höher ist. Die größte Gefahr besteht darin, dass der Tumor die Prostatakapsel durchbricht und Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen ausbildet. Liegen Metastasen vor, sinkt die Lebenserwartung direkt rapide. Eine Heilung ist dann nur noch in den seltensten Fällen möglich. „Mehr als die Hälfte der Patienten, die zunächst die Strategie des „Watchful Waitings“ verfolgt haben, werden nach wenigen Jahren doch noch einer Behandlung zugeführt“, so Neubauer.
Brachytherapie: Wirksam und schonend
Die Art der Behandlung scheint indessen, wie aktuelle Studien2 belegen, auf die Heilung nur wenig Einfluss zu nehmen: Operation, äußere Bestrahlung und Brachytherapie (innere Bestrahlung) führen zu gleichen Heilungsraten - vorausgesetzt der Tumor wird frühzeitig erkannt und behandelt. Lange Zeit galt jedoch die radikale Entfernung der Vorsteherdrüse als einzige erfolgreiche Behandlungsmethode bei Prostatakrebs – und das trotz erheblicher Nebenwirkungen. Jeder zehnte Patient kann nach der Operation den Urin nicht mehr halten, fast zwei Drittel leiden an Impotenz „Dieses Schreckenszenario haben viele Patienten im Kopf, bevor sie zu uns kommen“, betont Dr. Gregor Spira, Strahlentherapeut im Westdeutschen Prostatazentrum „Dabei gibt es mit der Brachytherapie (innere Bestrahlung) heute weitaus schonendere Behandlungsmöglichkeiten.“
So gilt für das Frühstadium des Prostatakrebses die Seed-Implantation als gleichwertig wirksames Verfahren zur Radikal-OP, ist aber für den Patienten mit weniger Nebenwirkungen verbunden. Inkontinenz wird praktisch nicht, Impotenz mit 20-30 Prozent nach drei Jahren wesentlich seltener beobachtet als nach einer Operation. Unter ständiger Ultraschallkontrolle werden bis zu 80 kleinste Strahlenquellen (Seeds) in die Prostata eingesetzt. „Die Seeds verbleiben im Körper des Patienten und entfalten über Monate ihre Strahlenwirkung auf das Prostatakarzinom“, sagt Spira. „Das Tumorgewebe wird durch die hochdosierte, gezielte Strahlung von innen zerstört.“
Immer mehr anerkannte Experten fordern daher bei der Wahl der Therapie neben der Heilungsrate als wichtigstes Kriterium auch die Nebenwirkungen der Behandlung stärker als bisher zu berücksichtigen. „Es darf nicht sein, dass ein Mann aus Angst vor den Folgen der Therapie auf eine Behandlung der Prostatakrebserkrankung verzichtet“, resümiert Neubauer.
* Name von der Redaktion geändert
1Bill-Axelson A. et. al. : Radical prostatectomy versus watchful waiting in early prostate cancer. N Engl J Med. 2005 May 12;352(19):1977-84.
2Kupelian PA et. al.: Radical prostatectomy, external beam radiotherapy or =72 Gy, permanent seed implantation, or combined seeds/external beam radiotherapy for stage T1-T2 prostate cancer. Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2004 Jan 1;58(1):25-33.
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Westdeutsches Prostatazentrum
in der Klinik am Ring
Hohenstaufenring 28
50674 Köln
Tel. (+49)221 92424455
Fax (+49)221 92424660
E-Mail:
www.westdeutschesprostatazentrum.de
Das Westdeutsche Prostatazentrum in Köln bietet das gesamte Spektrum an Diagnose, Therapie und Nachsorge bei Prostataerkrankungen an. Einen besonderen Schwerpunkt stellt die Behandlung von Prostatakrebs mit innovativen Techniken der modernen Strahlentherapie (Brachytherapie) dar. Der Zusammenschluss erfahrener Spezialisten unter einem Dach ermöglicht dabei die Versorgung der Patienten auf höchstem Niveau. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.westdeutschesprostatazentrum.de .
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