(openPR) Cerebralparesen („Spastik“) werden allgemein ausschließlich als Erkrankungen bzw. Störungen des Kindesalters wahrgenommen und die Medizin konzentrierte sich bisher sowohl klinisch, als auch wissenschaftlich in erster Linie auf Betroffene dieser Altersgruppe.
"Zunehmend erkennen wir aber, dass bei einem großen Teil der erwachsenen Personen mit Cerebralparesen die im Verlauf der Entwicklung erreichten motorischen Funktionen wieder verloren gehen," betont Dr. med. Peter Martin. Als Leiter der Séguin Klinik im Epilepsiezentrum Kehl Kork und stellvertretender Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Ärzte für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung e.V. (BAG) räumt er ein, dass über die Ursachen solcher Verschlechterungen noch wenig bekannt sei.
"Ausgearbeitete Konzepte für die Diagnostik und Behandlung in diesen Fällen sind deshalb auch noch nicht etabliert. Ebenso fehlen Behandlungskonzepte, die die unterschiedlichen, für diese Erkrankungsgruppe wichtigen medizinischen Aspekte integrieren und die auf das sehr häufig gleichzeitige Vorhandensein von Cerebralparesen und z.B. Epilepsien, Intelligenzminderung , Seh – und Hörstörungen sowie Magen-Darm-Störungen einzugehen in der Lage sind."
Am 21. und 22.09.2007 findet in Potsdam erstmals eine internationale wissenschaftliche Tagung zum Thema „Cerebralparesen im Erwachsenenalter“ statt. Sie wurde von der Bundesarbeitsgemeinschaft Ärzte für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung e.V. (BAG) und der European Association of Intellectual Disability Medicine (MAMH) organisiert. Dies wird die erste Veranstaltung sein, die zu diesem Thema abgehalten wurde; d.h. die erste, die ihr Augenmerk auf erwachsene Personen, welche von diesen Entwicklungsstörungen betroffen sind, richtet.
Sie soll dazu beitragen diese folgenschwere Lücke in der medizinischen Versorgung zu schließen. Eine in weiten Teilen unbefriedigende Versorgung lasse sich vor allem in Deutschland feststellen aber auch in anderen europäischen Ländern.
"So ist leider immer noch das Interesse von Ärzten wie auch von politisch Verantwortlichen und Kostenträgern bei Menschen mit Entwicklungsstörungen im Allgemeinen und mit Cerebralparesen im Speziellen nahezu ausschließlich auf die Altersgruppe unter 18 Jahren gerichtet und Menschen mit Entwicklungsstörungen, die das Erwachsenenalter erreicht haben gelangen ins medizinische Abseits", bedauert Martin.
Um an dieser mehr als unbefriedigenden Situation, die von den Betroffenen und ihren Angehörigen auch immer wieder verzweifelt artikuliert wird, etwas zu ändern, stellen die Ärzte vier Hauptforderungen.
1. durch Ausbildung im Studium und in der Facharztweiterbildung kompetente Ärztinnen und Ärzte, die sich auf die Behandlung von Erwachsenen mit Cerebralparesen konzentrieren.
2. Versorgungsstrukturen bzw. Diagnose- und Behandlungszentren, durch die es möglich wird, die intensiven Therapieanstrengungen, welche Patienten in ihren ersten Lebensjahren zuteil werden im Erwachsenenalter fortzuschreiben.
3. damit verbunden: Sicherstellung der Kostenübernahme für auch im Erwachsenenalter unstrittig notwendige Heil- und Hilfsmittelversorgung - z.B. zeitlich unbefristet engmaschige physiotherapeutische Behandlung für Erwachsene Personen mit Cerebralparesen.
4. Interesse bei Ärztinnen und Ärzten und in Forschungseinrichtungen, dringend notwendige wissenschaftliche Projekte in diesem Gebiet zu initiieren und auszuführen.
Tagungsort:
Uni Potsdam, Haus 11, Am Neuen Palais 10, 14469 Potsdam.
Pressekontakt allgemein:
Silke Schneider-Flaig
Konkreter Ansprechpartner zum Thema und zur Veranstaltung:
Dr. med. Peter Martin
Leitender Arzt Seguin-Klinik
Epilepsiezentrum Kork
Landstraße 1
77694 Kehl-Kork
Fon:++49(0)7851 / 84-2252
Fax:++49(0)7851 / 84-2602
E-Mail:
Internet: http://www.diakonie-kork.de
Veranstaltungs-Programm: http://www.dgn.org/fileadmin/bildercongress2007/ZerebralparesenimErwachsenenalter.pdf










