18.09.2007 - 14:23 - Politik, Recht & Gesellschaft

China unterzieht Lithang einer massiven patriotischen Erziehungskampagne

Pressemitteilung von: IGFM München
Das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD), Dharamsala, erfuhr aus zuverlässiger Quelle, daß die chinesische Regierung einen patriotisch-politischen Feldzug großen Umfangs in Lithang gestartet hat. Einer bestätigten Information zufolge bestellte sie als Auftakt zu ihrem Feldzug zur patriotisch-politischen Erziehung in der ersten Septemberwoche 2007 die Gemeinde- und Klostervorsteher in und um Lithang ein.

Ebenso luden die zuständigen Ämter und Beamten die Tibeter vom Kloster Lithang vor, um ihnen die korrekte politische Gesinnung zu vermitteln. Sie wurden belehrt, wie die Aristokraten und die Staatsdiener im alten Tibet, d.h. vor 1959, das gemeine Volk unterdrückten, knechteten und quälten. Außerdem erzählte man ihnen, wie sich das gewöhnliche Volk dank der Befreiung Tibets durch die Chinesen endlich erheben konnte und jene Staatsdiener, die es zuvor unterdrückt und geknebelt hatten, in speziellen "Denunzierungssitzungen" (tib. thamzing) demütigte.

Im patriotischen Erziehungsunterricht machen die chinesischen Kader den Tibetern weis, wie die chinesische Regierung den Lebensstandard des tibetischen Volkes verbessert hat, und daß sie nun einer Ära des Wohlstands entgegenblicken. Sie klären die Tibeter fernerhin auf, daß Trulku Tenzin Delek und Rongye Adrak sich dem Mutterland gegenüber, ungeachtet des ganzen Fortschritts und der Entwicklung, die China ihnen gebracht hat, als sehr undankbar erwiesen hätten. Die Kader erläuterten, welche ernsten Fehler Trulku Tenzin Delek, Rongye Adrak und eine Reihe anderer böswilliger Tibeter begangen hätten. Dazu wurden auch Bilder und Pamphlete mit der Schmähung von Trulku Tenzin Delek* und Rongye Adrak** verteilt.

Die chinesischen Behörden haben das Aufstellen von Bildern des Dalai Lama nicht nur in den Klöstern, sondern auch in den Wohnquartieren der Mönche verboten. Sie verfügten, daß Mönche unter 18 Jahren ihre Klöster verlassen und nach Hause zurückkehren müßten. Zudem wurde eine Schule, die dem Kloster Lithang unterstand und von ihm verwaltet wurde, geschlossen und die Schüler zu ihren Familien zurückgeschickt.

In einer anderen Aktion durchsuchten 30 bewaffnete Polizei-Milizen (PAP) bei Nacht und ohne Vorwarnung die Wohnung eines Mönches und schlugen und mißhandelten ihn. Sie stürmten auch die Wohnquartiere einiger anderer Mönche, die in keiner Weise politisch aktiv sind.

In einem Akt empörender und grober Verletzung der Religionsfreiheit wurde Angestellten des öffentlichen Dienstes und Beamten im Ruhestand das traditionelle Umrunden des Klosters sowie das Praktizieren von Ritualen auf ihren Hausaltären verboten. Die chinesische Regierung ist entschlossen, die patriotische Erziehungskampagne in Lithang drei Monate lang mit besonderer Intensität durchzuführen.

Bilder des Dalai Lama sind nun außer in Klöstern auch in Privathäusern verboten. Angesichts der politischen Unruhen und der angespannten Situation in Lithang in den letzten Monaten hat die Regierung zu neuen, geradezu bizarren Restriktionen gegriffen. Eine patriotische Umerziehungskampagne dieser Art und dieses Umfangs hat es in Lithang seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.

Das TCHRD ist ernsthaft besorgt über das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen und den Einbruch der Behörden in den Alltag und die Traditionen der Tibeter von Lithang. Es ruft die chinesische Regierung auf, die Menschenrechte des tibetischen Volkes in Lithang zu respektieren.

*Tulku Tenzin Delek wurde am 2. Dezember 2002 wegen angeblicher Beteiligung an einem Bombenattentat in Chengdu zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde am 25. Januar 2005 in lebenslange Haft umgewandelt. Der Trulku selbst hat immer seine Unschuld beteuert. Sein Schüler und Mitarbeiter Lobsang Dhondup wurde am 26. Januar 2003 hingerichtet.

** Rongye Adrak wurde am 1. August 2007 verhaftet, nachdem er bei einem offiziellen Festakt zu dem jährlichen Pferderennen das Wort ergriffen und vor versammelter Menge die Rückkehr des Dalai Lama nach Tibet gefordert hatte.

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

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