openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Psychotherapie in DDR und BRD: "Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede"

11.09.200717:11 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Qualitativ hochwertige Psychotherapie kann sich niemals nur auf den einzelnen Patienten und sein individuelles Lebensumfeld beschränken. Der Therapeut muss vielmehr stets auch das gesellschaftliche System, in dem der Patient lebt, berücksichtigen, denn selbst so gegensätzliche Systeme wie das der ehemaligen DDR und des heutigen vereinigten Deutschland verursachen und verstärken psychische Störungen und Erkrankungen. "Es gibt mehr Gemeinsamkeiten, als dies beim flüchtigen Hinsehen zu erwarten gewesen wäre."



Diese These verat der Psychotherapeut und Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Dr. Hannsknut Röder, in seinem Vortrag über "Unterschiedliche Freiheitsgrade von Psychotherapeutinnen und -therapeuten in der ehemaligen DDR und den alten Bundesländern" zum Auftakt des Vierten gemeinsamen Symposiums der Rheingau-Taunus Klinik, des Therapiedorfs Villa Lilly und des Weiterbildungskreises Main-Taunus für Psychotherapie und Psychosomatik am 12. September 2007 in Bad Schwalbach. Das Symposium hat sich seit 2004 zur größten Fachtagung ihrer Art in Hessen entwickelt.
Hannsknut Röder, Chefarzt der Abteilung für Psychosomatik und Psychotherapie der Rheingau-Taunus Klinik Bad Schwalbach und selbst Bürger der ehemaligen DDR, wies darauf hin, dass erst gegen Ende der 1960-er/Anfang der 1970-er Jahre in beiden Gesellschaftssystemen neue, auch politische, Sichtweisen deutliche positive Veränderungen sowohl im Fach Psychotherapie als auch in der allgemeinen Akzeptanz psychischer Störungen ermöglichten. Ein Ausdruck dafür war, dass in der Bundesrepublik 1967 die Psychotherapie als Kassenleistung etabliert wurde. In den 1970-er Jahren setzte sich in der DDR ungestraft der Begriff "Beziehungsstörungen von Krankheitswert" durch, anstatt psychische Störungen weitgehend zu leugnen. In beiden Teilen Deutschland erfolgten etwa zeitgleich diese und weitere entscheidende Schritte, welche "die Psychotherapie unumkehrbar im gesellschaftlichen Kontext und damit im Gesundheitswesen verankerten", bilanzierte Dr. Röder.

In beiden Systemen zeigten sich jedoch auch Defizite: Beispielsweise waren dieses Entwicklungen zu keiner Zeit präventiv orientiert und sie erfolgten lediglich als Reaktion auf veränderte Patientenbedürfnisse. Auslöser dafür waren in der DDR der zunehmende Druck des Parteiapparates, reale und befürchtete Übergriffe in die Privat- und Intimsphäre, umfassender Mangel, und eine wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung. In Extremfällen führten eine so genannte negative politische Einstellung zu Behandlungen in der geschlossenen Psychiatrie. Diese Entwicklungen steigerten den Bedarf nach Psychotherapie und belasteten darüber hinaus die Arbeit der Psychotherapeuten: Bekannt war, dass sich in fast jeder Therapiegruppe ein besonders "aufmerksamer Patient" befand, der Informationen an Behörden weiterleitete, und dass auch Kollegen "zu dem Verein Horch und Guck gehörten", so Röder. Der kollegiale Austausch war deshalb "stets von Vorsicht, häufigem Misstrauen und so genannter kontrollierter Offenheit geprägt". Gegen Ende der 1980-er Jahre stellten sich den Psychotherapeuten immer häufiger Patienten vor, darunter Kollegen, die unter dem litten, was heute als Posttraumatische Belastungsstörung bezeichnet wird.

In der damaligen BRD und im heutigen vereinigten Deutschland waren und sind vor allem der zunehmend härter werdende Wettbewerb und Konkurrenzkampf in der Gesellschaft mit ursächlich für den wachsenden Bedarf nach Psychotherapie. Kennzeichnend dafür sind Überforderung auf der einen Seite (Überstunden, Schichtdienste, Karrierestreben), und auf der anderen Seite das Gefühl, aufgrund von Arbeitslosigkeit überflüssig zu sein oder unter Existenzängsten zu leiden. Der Kapitalismus betrachte den Menschen hauptsächlich als Konsumenten, "dem es gut gehen muss, damit er konsumiert", verlange Anpassung an die wirtschaftlichen Bedingungen und ein Maximum an Flexibilität und Mobilität, wobei die Gefahr, den Anforderungen nicht zu genügen, stets präsent sei, referierte Dr. Röder. Psychische Störungen und Erkrankungen ergäben sich somit zu einem wesentlichen Teil aus der Struktur der westlichen Gesellschaft: "Wir kommen nicht daran vorbei zu konstatieren, dass die äußeren Bedingungen das eigene Verhalten deutlicher prägen, als uns lieb ist", lautete das Fazit von Dr. Hannsknut Röder.

Unter der Leitung von Dr. Röder werden in der Rheingau-Taunus Klinik in Bad Schwalbach hessenweit die meisten Fachärzte für Psychotherapie ausgebildet. Die Rheingau-Taunus Klinik, eine Rehabilitationseinrichtung für Innere Medizin/Kardiologie, Psychosomatik und Gynäkologie, gehört zur Pitzer-Klinikgruppe. Sie ist bundesweit die einzige Klinik, die Behandlungen in diesen drei Fachgebieten im interdisziplinären Verfahren anbietet.

Dr. Hannsknut Röder
Rheingau-Taunus Klinik
Gentstraße 7-9
65307 Bad Schwalbach
Tel.: 06124 / 509 - 770
E-Mail: E-Mail

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 157505
 4119

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Psychotherapie in DDR und BRD: "Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede"“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Rheingau-Taunus Klinik, Pitzer GmbH & Co. KG, Genthstraße 7-9, 65307 Bad Schwalbach

Online-Fachzeitschrift IZPP: Themenheft "Religion und Religiosität" erschienen
Online-Fachzeitschrift IZPP: Themenheft "Religion und Religiosität" erschienen
Seit dem 15. Juni ist die aktuelle Ausgabe der "Internationalen Zeitschrift für Philosophie und Psychosomatik" online frei zugänglich (izpp.de). Unter dem Schwerpunktthema "Religion und Religiosität" werden Wechselwirkungen religöser Überzeugungen mit psychischen Phänomenen sowie deren Auswirkungen auf psychotherapeutische Haltungen diskutiert. Nach einer Präzisierung der Begriffe durch den Philosophen Joachim Heil werden in den unterschiedlichen Beiträgen von Felix Riedel und Michael Gerhard auch kulturübergreifende Aspekte dargestellt. Nebe…
Interdisziplinäre Tagung an der Universität Mainz
Interdisziplinäre Tagung an der Universität Mainz
Unter dem Titel "Gut und Böse" veranstaltet die Rheingau-Taunus-Klinik für Psychosomatik gemeinsam mit dem Philosophischen Seminar der Universität Mainz am 26. März eine interdisziplinäre Tagung im Philosophicum der Universität. Im Rahmen verschiedener Fachvorträge und Workshops sollen die Maßstäbe subjektiver Bewertungen als Ergebnis eines psychischen Prozesses ausgelotet werden. Neben einleitenden historischen Bezügen werden die Facetten individueller biographischer und kultureller Prägungen gewürdigt, um sich letztlich der Frage zu widmen,…

Das könnte Sie auch interessieren:

Mauerbau ließ die Flüchtlingszahlen erheblich sinken
Mauerbau ließ die Flüchtlingszahlen erheblich sinken
Berlin, 07. August 2008 – Vor dem Mauerbau war die Zahl der DDR-Flüchtlinge stetig gestiegen. 1954 waren 184.198 Menschen in das Notaufnahmelager Marienfelde geflohen, 1960 waren es 199.188 Menschen und allein im Jahr 1961 reisten bis zum Mauerbau 133.574 DDR-Bürger nach Berlin aus. Im Jahr 1962 konnten nur noch 21.400 Menschen über Mauer und Stacheldraht …
Bild: imago kooperiert mit Rolf ZöllnerBild: imago kooperiert mit Rolf Zöllner
imago kooperiert mit Rolf Zöllner
Rolf Zöllner wurde 1953 in Chemnitz geboren und arbeitete nach einer Ausbildung zum Elektronikfacharbeiter zunächst als Elektromonteur auf Großbaustellen in der DDR. Mit dem Medium Fotografie beschäftigte er sich ernsthaft ab 1984 mit dem Eintritt in den Berliner Fotozirkel "Kreiskulturhaus Prater" im Prenzlauer Berg unter der Leitung des Fotografen …
Bild: Computerspiele in der DDRBild: Computerspiele in der DDR
Computerspiele in der DDR
… Als Medienpädagoge und Fan von Computerspielen dachte ich, alles über die Geschichte des Gamings in Deutschland zu kennen. Doch ich irrte mich, zumindest was die DDR-Geschichte der Computerspiele betraf. Schließlich war ich bis zur Wende rein „west“-sozialisiert. Während Mitte der 80er das Jugendschutzgesetz in der BRD verschärft wurde und harmlose …
Bild: Neue Buchreihe "Wege der Psychotherapie"Bild: Neue Buchreihe "Wege der Psychotherapie"
Neue Buchreihe "Wege der Psychotherapie"
… neue Buchreihe von der Theorie bis hin zur Praxis. Dabei informiert sie nicht nur über die Wurzeln der jeweiligen psychotherapeutischen Ansätze, sondern auch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede einzelner Therapieformen. Die Reihe eignet sich für alle, die in Psychotherapie und Beratung tätig sind. Die frisch erschienenen ersten drei Bände bieten den …
Online-Beratung effektiv gegen Partnerschaftsstreit
Online-Beratung effektiv gegen Partnerschaftsstreit
… www.Gleichklang.de/beratung bei bestehendem Partnerstreit. Zahlreiche Beziehungen gestalten sich konfliktär, weil die Beteiligten bestehende Unterschiede nicht respektieren und vorhandene Gemeinsamkeiten nicht erkennen. Fortdauernder Partnerstreit ist aber eine große seelische Belastung für die Betroffenen. Die Diplom-Psychologen des Gleichklang-Portals …
Bild: Buch Neuerscheinung "So schön war meine DDR"
Buch Neuerscheinung "So schön war meine DDR"
… Begebenheiten, Gerüche und den Geschmack in dieser Zeit. Andreas Schmidt sagt: "Alles typisch DDR ? Von wegen. Ich hoffe, dass auch Menschen aus den alten Bundesländern mein Buch lesen. Wenn die auch in dieser Zeit in einem Dorf gelebt haben, werden sie viele Gemeinsamkeiten entdecken. Und genau das ist das Anliegen meines Buches – es soll verbinden."
Das modernisierte Kind: Vortragsreihe über die psychische Entwicklung von Kindern in der Moderne
Das modernisierte Kind: Vortragsreihe über die psychische Entwicklung von Kindern in der Moderne
… Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie in Hessen e.V., Frankfurt am Main 15. Mai 2012, 20 Uhr: „Kindheiten zwischen Anpassung und Widerstand – Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Generationen“, Prof. Dr. Gertrud Hardtmann, Psychoanalytikerin, Professorin für Sozialpädagogik und Sozialtherapie, Technische Universität Berlin Veranstaltungsort: …
Bild: Apanachii im Wäscherschloss
Apanachii im Wäscherschloss
… entstehen. Das Fotografieren ist ihr ein Bedürfnis. Seit über 20 Jahren hat sie zwei Sichtweisen auf das Leben und die Welt: die mit und die ohne Kameralinse. Ob es da Unterschiede gibt? Ja! Jedes Foto ist nicht nur das Abbilden eines Objekts, sondern vielmehr das Festhalten eines Momentes, den wir mit unserem normalen Blick vielleicht gar nicht oder nur …
Bild: Schokoladentiere & mehr als süße GeschenkideenBild: Schokoladentiere & mehr als süße Geschenkideen
Schokoladentiere & mehr als süße Geschenkideen
… Onlineshop u.a. auch Glücksschweine, Affen, Sparschweine oder Bären aus Schokolade. Ost- und Westpakete als Verkaufsschlager Sehr beliebt auf memorysweets.com sind auch die DDR- & Ostpakete sowie die BRD- & Westpakete. Das DDR-Süßigkeitenpaket beinhaltet 14 der beliebtesten süßen Ostprodukte, die beinahe vergessene Geschmäcker wieder aufleben …
Entwicklungspolitik in der Zeit des Kalten Krieges
Entwicklungspolitik in der Zeit des Kalten Krieges
… von Entwicklungspersonal zur Zeit des Ost-West-Konflikts auf der Spur. Damit haben sie einen wesentlichen Beitrag zur globalen Geschichte der Entwicklungspolitik geleistet. Rund 30 DDR-Ingenieure, 200 kubanische Monteure und 4.000 einheimische Arbeiter waren am Bau der Zementfabrik "Mugher" in Äthiopien tätig. Die Fabrik, die ab 1980 errichtet wurde …
Sie lesen gerade: Psychotherapie in DDR und BRD: "Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede"