05.09.2007 - 17:21 - Gesundheit & Medizin

Nachgehakt: Dekubitus und osteuropäische Billigkräfte - eine Kausalitätsfrage?

Pressemitteilung von: IQB - Medizin-, Pflege- und Psychiatrierecht - Lutz Barth
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Das kritische Internetportal zum Medizin-, Pflege- und Gerontopsychiatrierecht - Lutz Barth
„Seit einigen Jahren werden immer mehr Fälle von Gewalt, Vernachlässigungen und Misshandlungen gegen pflegebedürftige Menschen in Einrichtungen und in der häuslichen Pflege bekannt. Infolge mangelnder Pflege entstehen bei vielen Pflegebedürftigen Druckgeschwüre (Dekubitus).
Aufgrund rechtsmedizinischer Untersuchungen von Dekubitus an Verstorbenen im Rahmen einer zweiten Leichenschau (Krematoriumsleichenschau) in Berlin, Hamburg und Hannover erscheint gesichert, dass rund 10% der verstorbenen Mitbürger Dekubitus wegen falscher Pflege, unzureichender Wundversorgung und Mangelernährung aufweisen. Die Untersuchungen zeigen klar auf, dass es sich nicht um bedauerliche Einzelfälle handelt, sondern eher um "die Spitze eines Eisberges".

Dieses Zitat findet sich im Jahre 2001 (!) auf den Seiten des SoVD – mithin also sechs Jahre vor der Veröffentlichung des Zweiten Berichts des MDS im Jahre 2007.

Hieran zu erinnern erscheint deshalb zweckmäßig, weil inmitten der aktuellen Diskussion über den Zweiten Bericht des MDS so mancher Verband sich dazu berufen fühlt, eine dpa-Meldung zu kommentieren, wonach eine pflegebedürftige Frau trotz angeblicher „Rundum-Pflege“ verhungert ist.

Quelle: Pressemitteilung bpa (31.08.07) >>> www.bpa.de/upload/public/doc/5307_pflegebeduerftige_verhu...

Es steht nicht zur Debatte, dass dies für sich genommen ein unglaublicher Vorgang ist, der nachhaltig mit allen Mittel zu sanktionieren ist. Gleichwohl dürfte ein wenig Zurückhaltung anzumahnen sein, wenn in der Mitteilung darauf verwiesen wird, dass eine Polin in Untersuchungshaft genommen wurde und im übrigen dies nicht der erste Fall sei, der auf eine nicht fachgerechte Pflege durch osteuropäische Billigkräfte zurückzuführen ist.

Um es deutlich zu formulieren: Defizitäre Pflege ist nicht nur ein Problem osteuropäischer Arbeits- resp. Pflegekräfte und es stände der Pflegeprofession gut zu Gesichte, sich inmitten einer aktuellen Diskussion über ein offensichtliches bundesdeutsches Problem in der Pflege etwas Zurückhaltung aufzuerlegen. Auch wenn es dem Verband selbstverständlich vorbehalten bleibt, derartige Missstände zu kommentieren, entsteht doch gleichwohl ein Gefühl des Unbehagens. Für den von einem pflegerischen Fehlschlag betroffenen Alterspatienten ist die Staatsangehörigkeit des „Täters“ nicht sonderlich von Belang, da er tunlichst einen Anspruch darauf hat, lege artis behandelt zu werden. Dass es hier seit geraumer Zeit – im Übrigen bereits weit vor dem Beitritt Polens in die EU – einen konkreten Handlungsbedarf gibt, dokumentieren u.a. die o.a. Leichenschau-Berichte verschiedener rechtsmedizinischer Institute.

Lutz Barth

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