openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Emanzipation der Pflege - das Nightingale-Syndrom des 21. Jahrhunderts?

29.08.200710:48 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Emanzipation der Pflege - das Nightingale-Syndrom des 21. Jahrhunderts?
Das kritische Internetportal zum Medizin-, Pflege- und Gerontopsychiatrierecht - Lutz Barth
Das kritische Internetportal zum Medizin-, Pflege- und Gerontopsychiatrierecht - Lutz Barth

(openPR) Der Weg der Professionalisierung in der Pflege ist nicht nur mühselig, sondern vor allem auch lang und zuweilen sehr dornig. Die Pflege ringt um Freiheit und Emanzipation von der scheinbar antiquierten ärztlichen Bevormundung und die Berufsverbände fordern gebetsmühlenartig die sog. Vorbehaltsaufgaben für die Pflege. Ob diese Tendenz letztlich in die Light-Medizin führen wird, bleibt abzuwarten, melden sich derzeit auch Kritiker zu Wort, die kritisch die Bestrebungen und Forderungen einschlägiger Berufsverbände begleiten. Neue Impulse für die aktuelle Debatte ergeben sich ohne Frage aus dem unlängst präsentierten Gutachten (2007) des Sachverständigenrats, dass gelegentlich als ein „Meilenstein“ gewertet wird und den Berufsverbänden quasi Argumentationshilfen an die Hand zu geben scheint.



Auch wenn die Professionalisierung noch nicht abgeschlossen ist, so erreichen doch die Emanzipationsbestrebungen der Pflegeberufe (zumindest aber die der Berufsverbände) eine neue Qualität: Die Pflege sieht sich in und auf gleicher „Augenhöhe“ mit der Ärzteschaft und es gilt nunmehr, sich endgültig dem ärztlichen Diktat der heilkundlichen Bevormundung zu entziehen. Wir verabschieden uns in Teilen vom Nightingaleschen Gelübde: „In Treue will ich danach streben, dem Arzte in seiner Arbeit zu helfen, und mich ganz einsetzen für das Wohl derer, die meiner Pflege anvertraut sind“ und kämpfen fortan auf dem krisengeschüttelten Gesundheitsmarkt um ein eigenständiges Terrain. Wenn das auf Reisen geschickte Pflegebett auf die Zugspitze gehievt worden ist, scheint gleichsam der Aufstieg in der allgemeinen Professionalisierungsskala gelungen, die alten Fehden auf den Stationen zwischen den Ärzten und den Pflegenden vergessen und ein neues Zeitalter in der Pflege angebrochen zu sein. Die nunmehr emanzipierte „Schwester Florence“ hat sich mit Erfolg den patriarchalischen Strukturen entzogen und wird sich vielleicht künftig den intraprofessionellen Machtgelüsten einzelner Pflegender in besonders hervorgehobenen Managementpositionen zu erwehren haben. Das Pflegebett auf der Zugspitze symbolisiert gleichsam den Beobachtern aus der Ferne, dass die Pflege dort angekommen ist, wo diese gleichsam hin wollte.

Der mühselige Weg der Emanzipation hat endlich sein Ziel gefunden und es bleibt zu hoffen, dass kein Unbill auf der Zugspitze durch entsprechende Wetterkapriolen droht, so dass der rechte Blick für das Erreichte getrübt wird: Die Pflege wird in die haftungsrechtliche Eigenverantwortlichkeit mit allen Konsequenzen entlassen und die ehemalige hierarchische Arzt-Pfleger-Beziehung wird durch die hierarchische Pfleger-Pfleger-Beziehung abgelöst. Die eigentlich schon immer vorhandenen intraprofessionellen Konflikte zwischen den Pflegenden werden so - mehr denn je - an die Öffentlichkeit gelangen und für neuen, aber im Kern doch „alten“ Zündstoff sorgen: Nicht der Chefarzt im wehenden Kittel und in seinem Gefolge das Herr von Ärzten und Assistenzärzten, freilich den Oberärzten nachgeordnet, wird zum sozialen (und fachlichen) Gegenspieler, sondern die Pflegedienst- oder Stationsleitung. Die Wachablösung im hierarchischen Strukturmodell ist erfolgt und die Pflegerinnen und Pfleger werden sich im Rahmen der ihnen übertragenen Vorbehaltsaufgaben zu bewähren haben. Ob es ihnen gelingt, ist nunmehr nicht nur eine fachliche Frage, sondern die insbesondere von der Pflege internalisierten Werte der bürgerlichen Ideologie, etwa Sittlichkeit, Demut, Gehorsam, Hingabe, Selbstlosigkeit, werden im intraprofessionellen Raum notwendig aus der Sicht des Pflegemanagements fruchtbar gemacht, um so die neue hierarchische Parallelstruktur absichern zu können.

In diesem Sinne erscheint es denn auch konsequent, den Ruf nach Pflegekammern erschallen zu lassen, wird doch die Pflege bemüht sein, ihren Berufsstand selbst zu kontrollieren und ggf. zu sanktionieren. Nach wie vor zeitigt die tradierte bürgerliche Ideologie auch mit Blick auf die einschlägigen Berufsverbände und ihrer Berufspolitik ihre Wirkung: Frau und Mann sorgen sich um die Patienten, um die Qualität der Pflege und damit um eine patientensichere Versorgung im Allgemeinen und Besonderen. Eherne Ziele, die nicht ohne Folgen für das Pflegeteam bleiben werden. Das Gelübde der ohne Frage verdienstvollen Florence Nightingale muss in der Tat umgeschrieben werden: „In Treue will ich danach streben, der Pflegedienst- und Stationsleitung in ihrer Arbeit zu helfen, und mich ganz einsetzen für das Wohl derer, die meiner Pflege anvertraut sind“. Ergänzend könnte folgender Passus aufgenommen werden: „Ich entsage und befreie mich im Übrigen vom Fachvorbehalt des Arztes und seinem Diktat und ich gelobe, in Demut den Stellungnahmen und Weisungen der für mich zuständigen Pflegekammer zu folgen und mich jeglicher Kritik auch gegenüber meinen mit einem Fachvorbehalt ausgestatteten Vorgesetzten zu enthalten.“

Spätestens an dieser Stelle regt sich bei ihnen als Leserinnen und Leser der Unmut und ich gestehe bereitwillig, nicht ganz zu Unrecht. Gewollte Provokation? Ein arztfreundlicher und unangenehmer Zeitgenosse? Oder vielleicht ein Skeptiker, der mit der beabsichtigten Etablierung von Vorbehaltsaufgaben für die Pflege gerade auch aus der Sicht der Pflegenden zumindest zum weiteren Nachdenken anregen will. Denn der Preis dürfte sehr hoch sein: Die Übernahme eines beachtlichen Haftungsrisikos und die Etablierung eines neuen hierarchischen Modells, dass sich im Übrigen in der Folge zu verselbständigen droht. Der soziale und fachliche Gegenspieler mit all seiner den Beruf prägenden und ggf. normativen Gestaltungskraft kommt aus dem intraprofessionellen Bereich und wer einmal die „Macht“ gekostet hat, wird versuchen, an dieser festzuhalten. Ob diese Visionen praxisfern sind, mögen in erster Linie sie selbst entscheiden, denn sie werden ihre Erfahrungen mit den Konflikten im Team bei der Beantwortung zentraler Fragen einbringen können und vielleicht regt sich auch bei ihnen ein wenig Unmut über den verlustig gegangenen Teamgedanken, wenn es darum geht, in Krisensituationen „Rede und Antwort“ zu stehen.

Lutz Barth

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 154822
 173

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Emanzipation der Pflege - das Nightingale-Syndrom des 21. Jahrhunderts?“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von IQB - Medizin-, Pflege- und Psychiatrierecht - Lutz Barth

Bild: Wir sollen nicht sterben wollenBild: Wir sollen nicht sterben wollen
Wir sollen nicht sterben wollen
Der „Diskurs“ (?) über das frei verantwortliche Sterben eines schwersterkrankten und sterbenden Menschen ist nach wie vor nicht nur soziologisch unterbelichtet, sondern zeichnet sich insbesondere durch Glaubensbotschaften der selbsternannten „Oberethiker“ und deren „Geschwätzigkeit“ aus. „Lebensschützer“ meinen zu wissen, was die Schwersterkrankten und Sterbenden wünschen und welcher Hilfe diese am Ende ihres sich neigenden Lebens bedürfen. Mit Verlaub: Es reicht nicht zu, stets die Meinungsumfragen zu kritisieren, in denen die Mehrheit der…
Bild: Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubarBild: Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubar
Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubar
Es scheint an der Zeit, in einer hoch emotionalisierten Debatte „Ross und Reiter“ zu benennen, die sich fortwährend um den „Lebensschutz“ scheinbar verdienstbar gemacht haben und unbeirrt auf ihrer selbst auferlegten Mission fortschreiten. Einige politisch Verantwortlichen sind gewillt, die „Sterbehilfe“ gesetzlich zu regeln und wie es scheint, besteht das Ziel in einer strikten Verbotsregelung. Auffällig ist, dass es sich um eine handverlesene Schar von Ethiker, Ärztefunktionären, freilich auch Theologen und Mediziner handelt, bei denen ber…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Aufruf an Arbeitgeber: Machen Sie mit bei der ‚Nightingale Challenge‘!Bild: Aufruf an Arbeitgeber: Machen Sie mit bei der ‚Nightingale Challenge‘!
Aufruf an Arbeitgeber: Machen Sie mit bei der ‚Nightingale Challenge‘!
Die Weltgesundheitsorganisation hat 2020 als „Jahr der Pflegenden und Hebammen“ ausgerufen, äußerer Anlass ist der 200. Geburtstag von Florence Nightingale. Und deshalb trägt die Kampagne, die am 28. Juni 2019 beim ICN-Kongress in Singapur gestartet wurde und von Januar bis Dezember 2020 weltweit laufen soll, ihren Namen: THE NIGHTINGALE CHALLENGE. Ihr …
Bild: Wilfrid Polke führt durch seine Ausstellungen im Florence-Nightingale-Krankenhaus der Kaiserswerther DiakonieBild: Wilfrid Polke führt durch seine Ausstellungen im Florence-Nightingale-Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie
Wilfrid Polke führt durch seine Ausstellungen im Florence-Nightingale-Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie
… sondern vielmehr Patienten und Besucher zu kultureller Teilhabe zu ermuntern, ihre Sinne und ihren Geist anzusprechen und über medizinische Hilfe und Pflege hinaus den Patienten vitalisierende Anregungen zu vermitteln. Im Florence-Nightingale-Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie sind in einer Dauerausstellung verschiedene Bilder sowie eine Installation …
Bild: Tag der Pflege 12. Mai: Erfahrung mit Seuchen war Meilenstein der modernen Pflege
Tag der Pflege 12. Mai: Erfahrung mit Seuchen war Meilenstein der modernen Pflege
MECKENBEUREN-LIEBENAU – Pflegeberufe sind systemrelevant: Mit Ausbruch der Corona-Pandemie ist diese Tatsache deutlicher denn je geworden. Doch schon die demografische Entwicklung mit immer mehr Menschen in höherem Lebensalter machten die Pflegeberufe langsam aber stetig zu einer immer wichtigeren Berufsgruppe. Florence Nightingale, eine britische Krankenschwester, …
Bild: Von Herzen: Süßer Dank an alle PflegekräfteBild: Von Herzen: Süßer Dank an alle Pflegekräfte
Von Herzen: Süßer Dank an alle Pflegekräfte
„Internationaler Tag der Pflege“ in den Asklepios Fachkliniken München-Gauting 11. Mai 2016. Sie zeigen täglich Einsatz, leisten hervorragende Arbeit und sind immer für die Patientinnen und Patienten der Lungenklinik Gauting da: die Pflegekräfte. Den „Internationalen Tag der Pflege “ am 12. Mai 2016 nutzt die Klinikleitung, um den Pflegekräften „Danke“ …
LARK OR NIGHTINGALE eröffnet interdisziplinäres Schlaflabor in Kaiserslautern
LARK OR NIGHTINGALE eröffnet interdisziplinäres Schlaflabor in Kaiserslautern
Ein gesunder Schlaf bedeutet Lebensqualität. Aber: Fast ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland leidet an Schlafstörungen, deren häufige Folgen wie Unkonzentriertheit, Tagesmüdigkeit oder Sekundenschlaf Wohlbefinden und Gesundheit massiv beeinträchtigen können. Die Schlafstörungen zu untersuchen und zu behandeln, kann den Betroffenen rasch ihren erholsamen Schlaf und damit ihre Energie und Lebensfreude zurückgeben. Die LARK OR NIGHTINGALE Schlaflabore diagnostizieren Schlafstörungen und behandeln deren Ursachen gezielt. Die La…
Bild: Ein „Eid“ für die beruflich Pflegenden?Bild: Ein „Eid“ für die beruflich Pflegenden?
Ein „Eid“ für die beruflich Pflegenden?
… vieles unklar“, so Zegelin und dem wird man/frau wohl vorbehaltlos zustimmen können. Auch wenn die Professionalisierung noch nicht abgeschlossen ist, so erreichen doch die Emanzipationsbestrebungen der Pflegeberufe (zumindest aber die der Berufsverbände) eine neue Qualität: Die Pflege sieht sich in und auf gleicher „Augenhöhe“ mit der Ärzteschaft und …
Am 12. Mai ist Internationaler Tag der Pflege! Ein Gesundheitsfachberuf mit vielen Facetten
Am 12. Mai ist Internationaler Tag der Pflege! Ein Gesundheitsfachberuf mit vielen Facetten
Landau, 9. Mai 2016 Seit vielen Jahren wird am 12. Mai der Internationale Tag der Pflege begangen. Dieser von Pflegeorganisationen initiierte Aktionstag möchte die Bevölkerung für die Bedeutung der Pflege für die Gesellschaft sensibilisieren. Ein Thema, das zunehmend an Aktualität gewinnt – insbesondere auch im Hinblick auf den demografischen Wandel …
Bild: St. Remigius Krankenhaus Opladen: Pflege mit Herz und Verstand
St. Remigius Krankenhaus Opladen: Pflege mit Herz und Verstand
Zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai laden die Schwestern und Pfleger des St. Remigius Krankenhauses ein, einen Blick auf die vielen Facetten ihres Berufes zu werfen. Krankenpflege hat viele Gesichter. Nicht nur, weil die Pflegenden die größte Berufsgruppe im Krankenhaus sind, auch weil das Aufgabengebiet vielschichtig und abwechslungsreich …
Bild: Filmabend am 11. Mai: „Florence Nightingale – Ein Leben für den Nächsten“Bild: Filmabend am 11. Mai: „Florence Nightingale – Ein Leben für den Nächsten“
Filmabend am 11. Mai: „Florence Nightingale – Ein Leben für den Nächsten“
… 2020 als „Internationalen Tag der Pflegenden“ in einer Situation, die sie auf ganz besondere Art und Weise verbindet: mitten in der größten weltweiten Gesundheitskrise dieses Jahrhunderts. Am Abend des 11. Mai lädt der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) alle Interessierten zu einer filmischen Zeitreise im heimischen Wohnzimmer ein. Am 12. …
Bild: Internationaler Tag der Pflege am 12.5.2007
Internationaler Tag der Pflege am 12.5.2007
Seit 1963 erinnern Pflegende jedes Jahr am 12. Mai an den Geburtstag von Florence Nightingale mit einem Internationalen Tag der Pflege. Florence Nightingales größter Erfolg war es, daß sie es schaffte die Krankenpflege zu einem allgemein anerkannten Beruf für Frauen zu machen. 1860 errichtete sie mit den Mitteln der öffentlichen Spendensammlung der Nightingale …
Sie lesen gerade: Emanzipation der Pflege - das Nightingale-Syndrom des 21. Jahrhunderts?