06.06.2007 - 20:09 - Gesundheit & Medizin
Mehrheit der Patienten wünscht sich ein Ärzte-TÜV und schriftliche Patienteninformationen vom Arzt
Pressemitteilung von: Forum Gesundheitspolitik
Eine Bremer Bevölkerungsumfrage mit rund 3.600 Teilnehmern hat jetzt gezeigt: Patienten sind heute in Gesundheitsfragen erheblich besser informiert als ihre Väter und Mütter. Aber sie sind auch kritischer und anspruchsvoller. Die ärztliche Diagnose reicht den meisten nicht aus: Zwei von drei Patienten (67%) bemühen sich vor oder nach einem Arztbesuch um zusätzliche Informationen, sei es zu den Krankheitsursachen, sei es zu Behandlungsmöglichkeiten. Über die Hälfte (56%) aller Patienten stellen anlässlich eines Arztbesuchs zumindest manchmal schon vorher eine eigene Diagnose auf, weitere 18% machen dies regelmäßig.
Diese neue Patientenrolle bewirkt aber auch eine hohe Unzufriedenheit mit dem aktuellen Informationsangebot. Vermisst werden glaubwürdige Wegweiser und Lotsen zu vorhandenen Einrichtungen im Gesundheitswesen, denn hier erkennen Patienten: Es gibt erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen Ärzten, jedoch sind die Informationsmöglichkeiten über Behandlungserfolge, Umgang mit Patienten oder neuere medizinische Fachkenntnisse völlig unbefriedigend.
Eine zentrale Erkenntnis der Befragung, so bilanzieren die Wissenschaftler, lautet: "Das Schlagwort vom 'informierten Patienten', der heute über Gesundheitsbeschwerden und Erkrankungen weit reichende Kenntnisse besitzt, ist nur ein Teil der Wahrheit. Patienten heute engagieren sich zwar sehr viel öfter als früher um Informationen, bleiben oft aber auch ratlos zurück."
Dieses Ergebnis steht nur scheinbar im Widerspruch zu der Beobachtung, dass die Flut der Gesundheitsinformationen in Apotheken- und Krankenkassenzeitschriften, in TV-Gesundheitsmagazinen und im Internet kaum noch überschaubar ist. "Was dort geboten wird", erklärten die Forscher, "ist jedoch für Patienten unbefriedigend. Es handelt sich, selbst bei qualitativ hervorragenden Websites, um abstrakte und unpersönliche Informationen, um populärwissenschaftlich aufbereitetes medizinisches Fachwissen. Patienten wollen jedoch keinen medizinischen Nachhilfeunterricht, sondern Antworten zu persönlichen Problemen: Sollte ich jetzt zu dieser Krebs-Früherkennungsuntersuchung gehen? Kommt Akupunktur oder eine andere alternative Behandlungsmethode auch für mich in Frage - in Anbetracht meines Lebensalters und meiner Krankheitsvorgeschichte?"
Die Studienautoren leiten aus ihren Befragungsergebnissen die Empfehlung ab, das Augenmerk zukünftig stärker auf vorhandene Einrichtungen im Gesundheitswesen zu richten, Wegweiser und Informationssysteme zu verbessern und nicht die Flut schriftlicher Informationen und Internet-Seiten mit Erläuterungen zu Krankheiten und Behandlungsmethoden noch weiter anwachsen zu lassen. Daher kann es nicht verwundern, dass alle in der Befragung vorgegebenen Möglichkeiten der Information über Ärzte bei der Mehrheit der Befragungsteilnehmer großes Interesse finden. Ein Ärzte-Verzeichnis mit Tätigkeitsschwerpunkten und Spezialisierungen ("Dr. med. Mustermann, Spezialgebiete: Rückenbeschwerden, Raucherentwöhnung, Kopfschmerzen") würde von über 90 Prozent begrüßt, ein sogenannter "Ärzte-TÜV", der nach einer Qualitätsprüfung für begrenzte Zeit vergeben wird, von knapp 70 Prozent, Informationen von Ärzten selbst über ihre Tätigkeitsschwerpunkte (in Praxisprospekten, Zeitungen, den Gelben Seiten) von über 60 Prozent.
Ein weiterer Vorschlag der Wissenschaftler geht dahin, dass Patienten die Möglichkeit erhalten, von ihrem Arzt eine "schriftlichen Patienteninformation" zu bekommen. Gemeint ist damit eine für Laien verständliche schriftliche Aufbereitung der Krankheitsdiagnose und Krankheitsursachen, gemessener Laborwerte und Befunde, der Vor- und Nachteile verschiedener Therapie-Alternativen, Einnahmevorschriften und Nebenwirkungen von Medikamenten, eigene Verhaltensrichtlinien etwa im Bereich Sport und Ernährung usw. Sinnvoll erscheint dies, weil die Zeit in der Sprechstunde oftmals ist zu knapp ist für alle Fragen. Auch die Bürger bekunden hier ein deutliches Interesse: Weit mehr als die Hälfte fände dies immer hilfreich, weitere 40 Prozent zumindest bei bestimmten Anlässen.
Weitere Details zur Studie und Download:
www.forum-gesundheitspolitik.de/dossier/index112.htm
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Dr. Gerd Marstedt
Parkallee 39
28209 Bremen
Tel. 0421-218-4385
Email:
FORUM GESUNDHEITSPOLITIK ist eine private Initiative, die von gesundheitspolitisch engagierten Wissenschaftlern getragen wird. Zielsetzung ist eine fundiertere Information der Öffentlichkeit und insbesondere von Wissenschaftlern und Journalisten, Studenten/innen und politischen Entscheidungsträgern über gesundheitspolitische Rahmenbedingungen, gesetzliche Veränderungen in diesem Bereich sowie Ansprüche der Bevölkerung an das Gesundheitssystem. Die Website verfolgt keinerlei kommerzielle Interessen.
Diese neue Patientenrolle bewirkt aber auch eine hohe Unzufriedenheit mit dem aktuellen Informationsangebot. Vermisst werden glaubwürdige Wegweiser und Lotsen zu vorhandenen Einrichtungen im Gesundheitswesen, denn hier erkennen Patienten: Es gibt erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen Ärzten, jedoch sind die Informationsmöglichkeiten über Behandlungserfolge, Umgang mit Patienten oder neuere medizinische Fachkenntnisse völlig unbefriedigend.
Dieses Ergebnis steht nur scheinbar im Widerspruch zu der Beobachtung, dass die Flut der Gesundheitsinformationen in Apotheken- und Krankenkassenzeitschriften, in TV-Gesundheitsmagazinen und im Internet kaum noch überschaubar ist. "Was dort geboten wird", erklärten die Forscher, "ist jedoch für Patienten unbefriedigend. Es handelt sich, selbst bei qualitativ hervorragenden Websites, um abstrakte und unpersönliche Informationen, um populärwissenschaftlich aufbereitetes medizinisches Fachwissen. Patienten wollen jedoch keinen medizinischen Nachhilfeunterricht, sondern Antworten zu persönlichen Problemen: Sollte ich jetzt zu dieser Krebs-Früherkennungsuntersuchung gehen? Kommt Akupunktur oder eine andere alternative Behandlungsmethode auch für mich in Frage - in Anbetracht meines Lebensalters und meiner Krankheitsvorgeschichte?"
Die Studienautoren leiten aus ihren Befragungsergebnissen die Empfehlung ab, das Augenmerk zukünftig stärker auf vorhandene Einrichtungen im Gesundheitswesen zu richten, Wegweiser und Informationssysteme zu verbessern und nicht die Flut schriftlicher Informationen und Internet-Seiten mit Erläuterungen zu Krankheiten und Behandlungsmethoden noch weiter anwachsen zu lassen. Daher kann es nicht verwundern, dass alle in der Befragung vorgegebenen Möglichkeiten der Information über Ärzte bei der Mehrheit der Befragungsteilnehmer großes Interesse finden. Ein Ärzte-Verzeichnis mit Tätigkeitsschwerpunkten und Spezialisierungen ("Dr. med. Mustermann, Spezialgebiete: Rückenbeschwerden, Raucherentwöhnung, Kopfschmerzen") würde von über 90 Prozent begrüßt, ein sogenannter "Ärzte-TÜV", der nach einer Qualitätsprüfung für begrenzte Zeit vergeben wird, von knapp 70 Prozent, Informationen von Ärzten selbst über ihre Tätigkeitsschwerpunkte (in Praxisprospekten, Zeitungen, den Gelben Seiten) von über 60 Prozent.
Ein weiterer Vorschlag der Wissenschaftler geht dahin, dass Patienten die Möglichkeit erhalten, von ihrem Arzt eine "schriftlichen Patienteninformation" zu bekommen. Gemeint ist damit eine für Laien verständliche schriftliche Aufbereitung der Krankheitsdiagnose und Krankheitsursachen, gemessener Laborwerte und Befunde, der Vor- und Nachteile verschiedener Therapie-Alternativen, Einnahmevorschriften und Nebenwirkungen von Medikamenten, eigene Verhaltensrichtlinien etwa im Bereich Sport und Ernährung usw. Sinnvoll erscheint dies, weil die Zeit in der Sprechstunde oftmals ist zu knapp ist für alle Fragen. Auch die Bürger bekunden hier ein deutliches Interesse: Weit mehr als die Hälfte fände dies immer hilfreich, weitere 40 Prozent zumindest bei bestimmten Anlässen.
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