31.05.2007 - 08:23 - Gesundheit & Medizin

Nachgefragt: Organ-Spende-Show – ein Garant für Quoten?

Pressemitteilung von: IQB - Medizin-, Pflege- und Psychiatrierecht - Lutz Barth
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Das kritische Internetportal zum Medizin-, Pflege- und Gerontopsychiatrierecht - Lutz Barth
Der niederländische Privatsender BNN beabsichtigt, eine Organ-Spende-Show auszustrahlen: Drei dialysepflichtige Patienten werden sich öffentlich um die Niere einer spendebereiten Frau bewerben, die selbst an einer irreparablen Krankheit leidet und es liegt auf der Hand, dass diese Sendung zu einem Quotengewinner des Jahres 2007 werden kann.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die Professionellen zu Worte melden und scharfe Kritik an der geplanten Sendung üben. „Diese Sendung ist das makabere Spiel um menschliche Not einer moralisch völlig verkommenen Medienagentur. Inszeniertes Leid und Voyeurismus werden in einer Organshow dargeboten, die durch Menschenverachtung die Quote steigern soll. Wir brauchen dringend einen europäischen Wertekonsens, der diese unwürdige Zurschaustellung menschlichen Elends unterbindet.“, so das aktuelle Statement des Präsidenten der BÄK, nachzulesen auf der Homepage der BÄK >>> www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=3.75.77.5439

Nachzufragen ist allerdings, ob wir tatsächlichen einen europäischen Wertekonsens benötigen, um derartige Sendungen verbieten zu können. Worauf soll dieser Wertekonsens beruhen? Und wenn es einen Wertekonsens geben sollte, welchen Grad an Verbindlichkeit kommt diesem zu und ist er ggf. noch auf andere zentrale Fragen der ethisch bedeutsamen Wertediskussion, etwa der Sterbehilfe-Debatte, auszudehnen?

Und noch eines stimmt nachdenklich: der ehrwürdige Geist des Hippokrates scheint nicht mehr in allen Köpfen der Ärztinnen und Ärzte zu schweben, um diese zu inspirieren, denn die Organ-Spende-Show bedarf um des Erfolges willen auch profunder ärztlicher Expertise. Die drei Kandidaten hegen die menschlich nachvollziehbare Hoffnung, das Organ „gewinnen“ zu können und demzufolge liegt es nahe, dass sie auch diesen Gewinn „verwerten“ können. Nun kann es sein, dass der ehrwürdige Geist des Hippokrates über manche europäischen Regionen nicht mehr zu schweben scheint, so dass ein europäischer Wertekonsens sich aufdrängen könnte. Neben einer nationalen Leitkultur würde sich dann die Etablierung einer europäischen Leitkultur anbieten, die allerdings nach dem Scheitern der Europäischen Grundrechtsverfassung nicht ohne weiteres zu erwarten ansteht.

Vielleicht könnte die Ärzteschaft das Problem intraprofessionell lösen und schlicht die Transplantation des gewonnenen Spenderorgans verweigern, statt auf einen Wertekonsens zu setzen, der auf europäischer Ebene allenfalls nur in einer Ächtung solcher Shows bestehen könnte. Die nationalen Rechtsordnungen werden in letzter Konsequenz allerdings zeigen, ob über das ethische Bekenntnis hinaus auch tatsächlich verbindliche Normen eine Ausstrahlung derartiger Sendungen verhindern kann.

Lutz Barth

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