11.05.2007 - 18:30 - Logistik & Transport

Mit Tempo 280 ungebremst in Terminal 2 oder im Hauptbahnhof zerschellen?

Pressemitteilung von: ATEG
Neues Gutachten bescheinigt Transrapid schwere Sicherheitsmängel

München, 3. Mai 2007 – „Gravierende Sicherheitsmängel von teilweise grundsätzlicher Art“ attestiert ein aktuelles Sicherheits-Gutachten dem Münchner Magnetbahn-Projekt. Dr. Martin Vieregg, Gutachter und Geschäftsführer der Firma Vieregg Rössler GmbH, geht davon aus, dass bei dem derzeit vorliegenden „unlösbaren Sicherheitsproblem“ die zuständigen Stellen vermutlich keine Genehmigung für den Betrieb der Münchner Magnetbahn-Strecke erteilen werden. Angefertigt wurde die „Stellungnahme zur Sicherheit der Fahrgäste und Anlieger der geplanten MSB-Strecke München Hbf – Flughafen München“ im Auftrag derAnti-Transrapid Einwendergemeinschaft (ATEG). Die im Januar 2007 gegründete Initiative vertritt mittlerweile mehr als 600 Bürger, die sich gegen den Bau einer Magnetschwebebahn in München wehren.

Der Transrapid hat (ohne Strom) keine Bremsen

Besonders gefährlich, so die Studie, sei dabei das Bremssystem des Magnetschwe-bebahn-Projekts. Nach bisherigen Planungen soll der Transrapid über zwei vonein-ander unabhängige Bremssysteme (eine Generatorbremse und eine Magnetische Bremse) verfügen, die beide auf elektrischen Strom angewiesen sind. Wird der Stromkreis unterbrochen – beispielsweise durch einen Blitzschlag, durch Hard- und Softwarefehler der Steuerungselektronik oder durch technische Defekte der Batterien – rast der Transrapid weitgehend ungebremst weiter. „Eine mit Höchstgeschwindig-keit fahrende Magnetbahn, bei der sowohl die Generatorbremse als auch die Magne-tische Bremse versagt, würde mit nahezu voller Geschwindigkeit in einen der beiden Endbahnhöfe, den Hauptbahnhof oder das Terminal 2 am Flughafen, einfahren und dort zerschellen“, attestiert Dr. Martin Vieregg. Ein anderes Bremssystem, das nach dem Fail-safe-Prinzip funktioniere, sei deshalb dringend notwendig.

Aus dem Schwebezustand in die Bauchlandung

Bekommen durch Blitzschlag, Hard- oder Softwarefehler bzw. Defekte im Bordnetz des Fahrzeugs die Tragmagnete des Transrapid keine elektrische Energie mehr, geht die Magnetbahn viel zu schnell und mit verheerenden Folgen aus dem Schwebezustand in die Bauchlandung über. Da es keine Räder gibt, die Tragfunktion übernehmen könnten, setzt der Transrapid mit seinen Kufen direkt auf der Fahrbahn auf. Bei dieser immensen mechanischen Reibung entsteht, so die Studie, „eine so große Hitze, dass die im Unterbodenbereich befindlichen Batterien zu brennen beginnen und hierbei giftige Gase freisetzen“.

Brand im Tunnel oder auf der hohen Trasse: Rettung fast unmöglich

Kommt es in einem Transrapid aber zum Brand, stellt dieser, so das Gutachten, eine Lebensgefahr für alle Passagiere dar. Müssen die Fahrgäste z.B. auf einem der Ab-schnitte in Hochlage das Fahrzeug schnell verlassen, sind sie gezwungen aus einer Höhe von mindestens fünf Metern zu springen, um sich zu retten. Denn, so die Studie, die „vorgesehenen Leitern als Ausstiegshilfen sind vollkommen ungeeignet für eine sichere Selbstrettung im Gefahrenfall“.

Brennt der Transrapid gar in einem Tunnel, wird die Evakuierung der Fahrgäste an-hand des derzeitigen Rettungskonzepts „extrem erschwert bzw. unmöglich gemacht“. Denn die eigentlich als Notausstieg geplanten, runden 40 Meter tiefen Schächte wirken dann, so die Einschätzung der Münchner Feuerwehr, wie „Kamine“, durch die bei einem Brand heiße und giftige Gase nach oben strömen. Dies bedroht nicht nur das Leben der Fahrgäste, sondern auch das der Feuerwehrleute und Sanitäter.

Vogelschlag: Kollision vorprogrammiert

Da der Transrapid durch die Streckenführung im Münchner Norden sehr nahe an vielen Seen, Teichen und anderen Gewässern vorbeiführt, die Start und Landepunkt für die Flüge von Wasservögeln sind, ist die Gefahr von Vogelschlag größer als am Flughafen München. Für den Aufprall beispielsweise eines 20 kg schweren, fliegenden Schwans auf eine Magnetbahn mit Tempo 350 km/h ist aber die Wagenkastenzelle gar nicht ausgelegt. Auch Kollisionen mit Gegenständen, die auf der Fahrbahn liegen, beispielsweise umgestürzte Bäume oder Äste, stellen in mehrfacher Hinsicht ein großes Problem dar. Zum eines wegen des extremen Leichtbaus des Transrapids, zum anderen können auf der Trasse liegende Teile zwischen 150 und 500 m weit weg geschleudert werden. Gerade für die Anwohner und die Autofahrer entlang der Strecke eine große Gefahr.

„Das vorgelegte Gutachten zeigt so schwerwiegende Mängel in der Planung des Transrapid-Projekts auf, dass dieses in der Form niemals genehmigt werden darf. Wir fordern eine komplette Überarbeitung des Sicherheitskonzepts,“ so Monika Barzen, Vorsitzende des Aktionskreises contra Transrapid (A.c.T.) und gesetzliche Vertreterin der ATEG. Die Autoren der Studie halten „bei allen sicherheitsrelevanten Aspekten starke Verbesserungen, Umplanungen und Neukonstruktionen“ für notwendig.


Über die Vieregg–Rössler GmbH

Seit ihrer Gründung im Jahre 1991 ist die VIEREGG-RÖSSLER GmbH Innovative Verkehrsberatung, mit Sitz in München, als Consulting-Büro schwerpunktmäßig für öffentliche Auftraggeber, Verbände, politische Parteien und Verkehrsunternehmen tätig. Im Mittelpunkt stehen hierbei Fragen der Wirtschaftlichkeit von Infrastruktur und Betrieb des Schienenverkehrs, der Kapazität von Bahnstrecken, die Optimierung von Betrieb und Fahrplänen sowie die Minimierung des Energiebedarfs und der Umwelt-belastungen durch den Schienenverkehr. Die VIEREGG-RÖSSLER GmbH hat aktuell mehrere Studien im Bereich Verkehrswesen durchgeführt (www.vr-transport.de).

Kontakt:
ATEG-Vorsitzende
Monika Barzen
Tel.: 0176/24500095
Mail:

ATEG-Pressesprecher
Christian Faltin
Tel. 0170/2049784

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Über die ATEG

Die Anti-Transrapid Einwendergemeinschaft (ATEG) wurde im Januar 2007 gegründet. Sie versetzt die vielen Transrapid-Gegner finanziell und organisatorisch in die Lage, mit Anwälten und Sachverständigen ihren Argumenten im Erörterungstermin mehr Gewicht zu verleihen und gleichzeitig die Kostenbelastung des Einzelnen erträglich zu gestalten. Gesetzliche Vertreter der ATEG sind Monika Barzen (Aktionskreis contra Transrapid- A.c.T) und Wolfgang Linden (Mieter- und Eigentümergemeinschaft Olympia-Pressestadt - MOP). Bürger, die sich der ATEG anschließen wollen, können dies nach Unterschrift eines Antrags und durch Überweisung eines Fixbeitrags von 50 Euro tun. Mittlerweile sind über 600 Bürger (Stand Mai 2007) in der ATEG organisiert (www.contratransrapid.de).

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