23.04.2007 - 15:56 - Politik, Recht & Gesellschaft
Eisenbahn und Bergbau in Tibet - Interview des TCHRD mit einem Augenzeugen
Pressemitteilung von: IGFM München
Wie das Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (tchrd.org) in seinem Newsletter vom Februar mitteilt, verkündete Meng Xianlai, der Direktor von China Geological Survey (CGS) (Chinesisches Amt für geologische Forschung), verkündete am 24. Januar 2007 die Entdeckung von Bodenschatzvorkommen gewaltigen Ausmaßes auf dem Qinghai-Tibet-Plateau, darunter von auch Rohöl, Kupfer und vielen anderen Rohstoffen mit strategischer Bedeutung. Ausgehend von dem neuesten Bericht des Geologischen Forschungsamts ist anzunehmen, daß chinesische Geologen seit 1999 sechshundert neue Vorkommen von Kupfer-, Eisen-, Blei- und Zinkerzen auf dem Qinghai-Tibet-Plateau entdeckt haben.
Diese jüngste Verlautbarung von China Geological Survey über die Auffindung riesiger Bodenschatzreserven in Tibet klingt wie eine Bestätigung der seit langem von der tibetischen Exilregierung geäußerten Befürchtung über die Ausbeutung der reichen Naturschätze Tibets durch China. In der Vergangenheit hatten sich gewisse Fachleute nämlich skeptisch über Behauptungen geäußert, daß Tibet sehr reich an Mineralien und Rohöl sei.
Die Lager an Rohöl, Kupfer und Eisenerz haben einen Wert von 128 Mrd. $. Die neuen Funde sind eine Wohltat für die chinesische Wirtschaft, denn sie ist zu einem großen Maße von Rohstoffimporten abhängig. 2006 importierte China 326 Mio. Tonnen Eisenerz. Diese ungeheure Nachfrage nach Eisenerz führte zu einem Preisanstieg von 164% von 2004 bis 2006.
Die neue Eisenbahnlinie von Golmud nach Lhasa, die im Juli 2006 eröffnet wurde, gewinnt angesichts der jüngsten Entdeckung gewaltiger Rohstoffvorkommen in Tibet noch mehr an Bedeutung. Bisher war Tibet wegen seines bergigen Terrains und der mangelnden Transportmöglichkeiten ein schwer zugängliches Gebiet. Seit der Inbetriebnahme der Eisenbahn ist der Abbau der Bodenschätze durch China nicht mehr zu stoppen - rechtmäßig gehören sie aber dem tibetischen Volk!
Der wichtigste Punkt sind hier die Rechte der einheimischen tibetischen Bevölkerung, welcher das Land gehörte. Den Tibetern wird nicht nur der Gewinn aus den reichen Mineralreserven vorenthalten, sie werden auch noch von ihrem Grund und Boden und aus ihren Behausungen vertrieben, ohne dafür entschädigt zu werden. Seit der gewaltsamen Besetzung Tibets durch China 1959 werden die grundlegenden Menschenrechte des tibetischen Volkes in seinem eigenen Land verletzt. Ganz zu schweigen von den gesetzlichen Rechten, welche die tibetischen Bewohner auf ihre Naturressourcen haben, wurden sie im Dunkeln gelassen über die Bergbauaktivitäten an ihrem Wohnort und in ihrer Umgebung. Darüber hinaus zerstört der Bergbau die Umwelt auf vielfältige Weise und hat gesundheitliche Risiken für die ansässige Bevölkerung zur Folge. Das folgende Interview mit einem aus dem Kreis Markham stammenden Tibeter wirft ein Licht darauf, wie China die Ressourcen Tibets ausbeutet.
Interview mit einem jungen Mann aus Markham, wo im April 2005 siebzehn Menschen bei einem Bergwerksunglück ums Leben kamen:
Der 24jährige Gyatso aus dem Dorf Bhotsa, Gemeinde Shedrong, Kreis Markham, TAR, der das tibetische Flüchtlingsauffanglager in Kathmandu im Dezember 2006 erreichte, berichtet über die Bergbauaktivitäten in seinem Heimatdorf in der Gemeinde Shedrong:
"Im Januar 2006 kamen um die 15 chinesische Geologen, um auf dem Berg Thaedhong, vor dem das Dorf Bhotsa liegt, nach Bodenschätzen zu graben. Nachdem sie den Berg gründlich untersucht hatten, gingen sie wieder weg. Kurz danach kamen die Geologen in zwei großen Fahrzeugen und brachten viele Maschinen und Geräte mit, die sie für die Suche nach Bodenschätzen benötigen. Sie nahmen einige Boden- und Steinproben von dem Berg für weitere Untersuchungen mit.
Völlig zerstört wurde der Berg Thaedhong dann im August 2006, als sie Dynamit einsetzten, um ihn zu sprengen. Etwa 80 Fuß tief wurden von allen vier Himmelsrichtungen aus Stollen vorgetrieben, und dann begannen sie die Erze abzubauen. Alle Arbeiter in dem Bergwerk sind Chinesen. Keinem einzigen Tibeter gaben sie einen Job in dem Bergwerk, obwohl es sich doch auf dem Gelände ihres Dorfes befindet. Die Tibeter ließ man nicht einmal in die Nähe des Abbaugebiets vor".
Man nimmt an, daß täglich etwa 10 LKWs Erz von dem Berg abtransportiert haben. Die Dorfbewohner mutmaßten, daß diese Ladungen für die Industrie in Yunnan bestimmt sein könnten, denn sie wußten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was der endgültige Bestimmungsort des Erzes ist.
In der Nähe des Bergs Thaedhong wohnen etwa 28 Familien, von denen 16 ständig um ihn herum leben. Im September 2006 setzten die Lokalbehörden sie davon in Kenntnis, daß sie ihren Wohnort räumen und nach Dram in der Nähe der Grenze zu Nepal umziehen müßten. In der Bekanntmachung, die in einer der allgemeinen Sitzungen der Gemeindeverwaltung verlesen wurde, hieß es ferner, daß die Dorfbewohner so schnell wie möglich, noch vor dem Fristablauf im Januar 2007, verschwinden müßten. Viele Felder der Ortsansässigen wurden nach dem Beginn des Erzabbaus durch von dem Berg herabstürzende Felsen ruiniert. Auch in Zukunft wird sich diese Zerstörung fortsetzen.
Anfänglich, als der Berg von den Geologen der chinesischen Regierung untersucht wurde, appellierten die Dorfältesten an verschiedene Verwaltungsinstanzen, darunter auch auf Kreisebene, und flehten darum, daß die Bergbauaktivitäten in ihrer Gegend eingestellt würden.
Außerdem hatten die Dorfbewohner viele Male durch die Vermittlung von Lodoe, einem wichtigen Funktionär der TAR, der aus Tsadrong, Gemeinde Shedrong, Kreis Markham, gebürtig ist, bei den chinesischen Behörden vorgesprochen und darum gebeten, in ihrem Dorf keine Erze abzubauen. Doch all ihre Bitten wurden in den Wind geschlagen und der Bergbau ohne die Einwilligung der örtlichen Bevölkerung vehement begonnen. Der Berg Thaedhong ist jetzt durch den Abbau vollkommen ruiniert und die Umwelt in dieser Gegend ist zerstört."
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Internationale Gesellschaft fur Menschenrechte (IGFM)
Arbeitsgruppe München
Jürgen Thierack, Rudolfstr. 1, 82152 Planegg
Tel. 0163 85 98 440 od. (+49 89) 811 35 74, Fax 871 39 357
, www.igfm-muenchen.de
Der Auftrag der IGFM zielt auf die friedliche Verwirklichung der Menschenrechte, deklariert von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948, dem Tag der Menschenrechte. Seit einigen Jahren leistet die im Jahre 1972 gegründete und seitdem anerkannt gemeinnützige Gesellschaft auch mildtätige Arbeit. Die IGFM hat Beobachterstatus beim Europarat sowie ECOSOC-(Roster) Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen. Die Arbeitsgruppe München hat Tibet als Schwerpunkt gewählt. Eine umfangreiche Sammlung von Texten zur Menschenrechtslage in Tibet steht auf unserer Website unter der Rubrik "Tibet", wir versenden auch kostenlos aktuelle Meldungen zu Tibet per e-mail. Anmeldung unter
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Diese jüngste Verlautbarung von China Geological Survey über die Auffindung riesiger Bodenschatzreserven in Tibet klingt wie eine Bestätigung der seit langem von der tibetischen Exilregierung geäußerten Befürchtung über die Ausbeutung der reichen Naturschätze Tibets durch China. In der Vergangenheit hatten sich gewisse Fachleute nämlich skeptisch über Behauptungen geäußert, daß Tibet sehr reich an Mineralien und Rohöl sei.
Die Lager an Rohöl, Kupfer und Eisenerz haben einen Wert von 128 Mrd. $. Die neuen Funde sind eine Wohltat für die chinesische Wirtschaft, denn sie ist zu einem großen Maße von Rohstoffimporten abhängig. 2006 importierte China 326 Mio. Tonnen Eisenerz. Diese ungeheure Nachfrage nach Eisenerz führte zu einem Preisanstieg von 164% von 2004 bis 2006.
Die neue Eisenbahnlinie von Golmud nach Lhasa, die im Juli 2006 eröffnet wurde, gewinnt angesichts der jüngsten Entdeckung gewaltiger Rohstoffvorkommen in Tibet noch mehr an Bedeutung. Bisher war Tibet wegen seines bergigen Terrains und der mangelnden Transportmöglichkeiten ein schwer zugängliches Gebiet. Seit der Inbetriebnahme der Eisenbahn ist der Abbau der Bodenschätze durch China nicht mehr zu stoppen - rechtmäßig gehören sie aber dem tibetischen Volk!
Der wichtigste Punkt sind hier die Rechte der einheimischen tibetischen Bevölkerung, welcher das Land gehörte. Den Tibetern wird nicht nur der Gewinn aus den reichen Mineralreserven vorenthalten, sie werden auch noch von ihrem Grund und Boden und aus ihren Behausungen vertrieben, ohne dafür entschädigt zu werden. Seit der gewaltsamen Besetzung Tibets durch China 1959 werden die grundlegenden Menschenrechte des tibetischen Volkes in seinem eigenen Land verletzt. Ganz zu schweigen von den gesetzlichen Rechten, welche die tibetischen Bewohner auf ihre Naturressourcen haben, wurden sie im Dunkeln gelassen über die Bergbauaktivitäten an ihrem Wohnort und in ihrer Umgebung. Darüber hinaus zerstört der Bergbau die Umwelt auf vielfältige Weise und hat gesundheitliche Risiken für die ansässige Bevölkerung zur Folge. Das folgende Interview mit einem aus dem Kreis Markham stammenden Tibeter wirft ein Licht darauf, wie China die Ressourcen Tibets ausbeutet.
Interview mit einem jungen Mann aus Markham, wo im April 2005 siebzehn Menschen bei einem Bergwerksunglück ums Leben kamen:
Der 24jährige Gyatso aus dem Dorf Bhotsa, Gemeinde Shedrong, Kreis Markham, TAR, der das tibetische Flüchtlingsauffanglager in Kathmandu im Dezember 2006 erreichte, berichtet über die Bergbauaktivitäten in seinem Heimatdorf in der Gemeinde Shedrong:
"Im Januar 2006 kamen um die 15 chinesische Geologen, um auf dem Berg Thaedhong, vor dem das Dorf Bhotsa liegt, nach Bodenschätzen zu graben. Nachdem sie den Berg gründlich untersucht hatten, gingen sie wieder weg. Kurz danach kamen die Geologen in zwei großen Fahrzeugen und brachten viele Maschinen und Geräte mit, die sie für die Suche nach Bodenschätzen benötigen. Sie nahmen einige Boden- und Steinproben von dem Berg für weitere Untersuchungen mit.
Völlig zerstört wurde der Berg Thaedhong dann im August 2006, als sie Dynamit einsetzten, um ihn zu sprengen. Etwa 80 Fuß tief wurden von allen vier Himmelsrichtungen aus Stollen vorgetrieben, und dann begannen sie die Erze abzubauen. Alle Arbeiter in dem Bergwerk sind Chinesen. Keinem einzigen Tibeter gaben sie einen Job in dem Bergwerk, obwohl es sich doch auf dem Gelände ihres Dorfes befindet. Die Tibeter ließ man nicht einmal in die Nähe des Abbaugebiets vor".
Man nimmt an, daß täglich etwa 10 LKWs Erz von dem Berg abtransportiert haben. Die Dorfbewohner mutmaßten, daß diese Ladungen für die Industrie in Yunnan bestimmt sein könnten, denn sie wußten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was der endgültige Bestimmungsort des Erzes ist.
In der Nähe des Bergs Thaedhong wohnen etwa 28 Familien, von denen 16 ständig um ihn herum leben. Im September 2006 setzten die Lokalbehörden sie davon in Kenntnis, daß sie ihren Wohnort räumen und nach Dram in der Nähe der Grenze zu Nepal umziehen müßten. In der Bekanntmachung, die in einer der allgemeinen Sitzungen der Gemeindeverwaltung verlesen wurde, hieß es ferner, daß die Dorfbewohner so schnell wie möglich, noch vor dem Fristablauf im Januar 2007, verschwinden müßten. Viele Felder der Ortsansässigen wurden nach dem Beginn des Erzabbaus durch von dem Berg herabstürzende Felsen ruiniert. Auch in Zukunft wird sich diese Zerstörung fortsetzen.
Anfänglich, als der Berg von den Geologen der chinesischen Regierung untersucht wurde, appellierten die Dorfältesten an verschiedene Verwaltungsinstanzen, darunter auch auf Kreisebene, und flehten darum, daß die Bergbauaktivitäten in ihrer Gegend eingestellt würden.
Außerdem hatten die Dorfbewohner viele Male durch die Vermittlung von Lodoe, einem wichtigen Funktionär der TAR, der aus Tsadrong, Gemeinde Shedrong, Kreis Markham, gebürtig ist, bei den chinesischen Behörden vorgesprochen und darum gebeten, in ihrem Dorf keine Erze abzubauen. Doch all ihre Bitten wurden in den Wind geschlagen und der Bergbau ohne die Einwilligung der örtlichen Bevölkerung vehement begonnen. Der Berg Thaedhong ist jetzt durch den Abbau vollkommen ruiniert und die Umwelt in dieser Gegend ist zerstört."
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Arbeitsgruppe München
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