(openPR) Symposium von PHTS Telemedizin im Rahmen der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK)
Mannheim, 14. April 2007 - Telemedizinische Betreuungsprogramme bieten heute die einzigartige Möglichkeit, eine leitlinienkonforme Behandlung kardialer Patienten sicher zu stellen. Wie verändern sie damit die Versorgungsmedizin? Zu diesem Thema fand jetzt während der 73. Jahrestagung der DGK in Mannheim ein hochkarätig besetztes Symposium statt.
„Telemedizin bzw. Telekardiologie ist längst dem Versuchs- und Teststadium entwachsen“, leitete Prof. em. Dr. med. Dr. h.c. Berndt Lüderitz, ehemaliger Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am Universitätsklinikum Bonn, die Veranstaltung ein. „Die Möglichkeiten, die Telemedizin bietet, sind heute schon selbstverständlich und die Vorteile liegen auf der Hand - erhöhte Kosteneffektivität auf der einen und verbesserte Lebensqualität der Patienten auf der anderen Seite.“ Kardiale Patienten nähmen bei Beschwerden häufig erst vergleichsweise spät medizinische Hilfe in Anspruch, da sie zögern, den Notarzt zu verständigen und eher auf ein Abklingen der Symptome warten. So verstreiche wertvolle Zeit, die lebenswichtig sein kann. Telemedizinische Betreuungsprogramme senken nachweislich die Barriere kardialer Patienten, Hilfe anzufordern. „Es geht darum, das relative Risiko für eine häufig zu späte Inanspruchnahme medizinischer Hilfe und damit eine Verschlechterung der Prognose zu vermindern“, fügte Prof. Lüderitz dem hinzu. Es sprächen daher zahlreiche Argumente dafür, Telemedizin in die leitliniengerechte Diagnostik und Behandlung kardialer Patienten mit einzubeziehen.
Prof. Dr. med. Johannes Brachmann, Chefarzt der II. Medizinischen Klink am Klinikum Coburg, griff diesen Punkt auch in seinem Vortrag zum Thema „Telemonitoring zur leitliniengerechten Diagnostik und Therapie der chronischen Herzinsuffizienz“ auf. Zunächst verwies er dabei auf die Erfolge der medikamentösen Behandlung von Herzinsuffizienz-Patienten, deren Mortalität über den Einsatz von ACE-Hemmern, Betablockern oder ATI-Rezeptor-Antagonisten um bis zu 34 Prozent gesenkt werden kann. Chirurgische und Herzschrittmacher-basierte Therapieverfahren ergänzen die Pharmakotherapie und bieten Patienten der NYHA-Klassen III und IV entscheidende Vorteile. Im Vergleich zu Patienten dieser Klassen, die rein medikamentös behandelt werden, ist ihre Mortalitätsrate 37 Prozent niedriger. „Eine wesentliche Problematik hierbei stellt jedoch die frühzeitige Erkennung einer klinischen Verschlechterung dar, die vom Patienten selbst oftmals erst zu spät wahrgenommen wird. Diese kann zu rezidivierenden Dekompensationen und damit zu einer raschen Aggravation der Herzinsuffizienz führen“, erklärte Prof. Brachmann. Notwendige regelmäßige Kontrollen der Vitalwerte würden dem entgegenwirken, seien aber mit den ambulanten wie stationären Kapazitäten nicht zu bewältigen. „Wir werden in den nächsten Jahren von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz ‚überschwemmt’. Telemedizin bietet jedoch die Chance, zukünftig mit dieser Entwicklung umgehen zu können“, sagte Prof. Brachmann.
PD Dr. med. Christian Zugck, Oberarzt in der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pulmonologie am Universitätsklinikum Heidelberg sprach zum Thema: „Telekardiologie: Anwendungsmöglichkeiten und Perspektiven“. Der Kardiologe beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Telemedizin und leitet aktuell das Programm HeiTel® der Universitätsklinik Heidelberg zusammen mit der AOK Baden-Württemberg und PHTS Telemedizin und begleitet es wissenschaftlich. Dieses Programm basiert nicht zuletzt auch auf Studiendaten im kontrollierten, prospektiven Design, die die gesundheitsökonomische Effizienz eines Telemonitorings bei chronischer Herzinsuffizienz unter Mitwirkung eines kardiologischen Kompetenz¬zentrums nachdrücklich belegen. „Die Vorteile reichen“, so PD Dr. Zugck, „von einer verbesserten Lebensqualität der Patienten, über effiziente Möglichkeiten zur Therapiesteuerung und -kontrolle für den behandelnden Arzt, bis hin zur Möglichkeit für die Kostenträger, Patienten für spezielle individualisierte integrierte Versorgungsprogramme zu gewinnen.“
Eine Steigerung der Effizienz in der Versorgungsmedizin ist auch nach Auffassung von Prof. Dr. med. hab. Johannes Schweizer, Chefarzt, Klinik für Innere Medizin I am Klinikum Chemnitz gGmbH, notwendig und sei über den Einsatz von Telemedizin im Rahmen integrierter Versorgungsprogramme möglich. Er wies darauf hin, dass insbesondere bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Erkrankungen zwischen 30 bis 60 Prozent (abhängig von der Erkrankungsart) Probleme mit der Medikamentencompliance haben. Auch dem sei mit Telemedizin entgegenzuwirken, sofern sie Bestandteil einer integrierten Versorgung sei.
Prof. Dr. med. Hugo A. Katus, Geschäftsführender Direktor an der Medizinischen Universitätsklinik, Heidelberg, fasste abschließend die Vorträge des Symposiums zusammen und resümierte: “Die chronische Herzinsuffizienz ist eine Herausforderung an die medizinische Versorgungsqualität. Gerade bei der Betreuung von Patienten mit dieser häufigen und chronischen Erkrankung könnte die Telekardiologie ein wichtiges Element zur Verbesserung der Versorgungsqualität sein.“
Telemedizinische Betreuungsprogramme finden heute oftmals im Rahmen integrierter Versorgungsprogramme statt, in denen Haus- und Fachärzte, Kliniken, Krankenkassen und der telemedizinische Dienstleister zusammenarbeiten. Patienten haben damit die Möglichkeit, regelmäßig und in Notfallsituationen rund um die Uhr ihre Vitalwerte wie Gewicht, Blutdruck und ggf. auch ein EKG (12-Kanal) an ein Telemedizinisches Zentrum zu übermitteln. Die Daten werden in einer elektronischen Patientenakte erfasst. Sie stehen den behandelnden Ärzten online oder per Fax zur Verfügung. Im Telemedizinischen Zentrum werten Ärzte und medizinisches Fachpersonal die eintreffenden Vitalwerte umgehend aus. Im Ernstfall wird sofort ein Notfallmanagement eingeleitet und die behandelnden Ärzte werden informiert.












