22.03.2007 - 11:19 - Gesundheit & Medizin

Pflegende Angehörige kritisieren unzureichende Unterstützung durch Politik und Gesellschaft

Pressemitteilung von: Forum Gesundheitspolitik
Bild im Großformat
Im deutschen Pflegesystem herrschen nach Meinung pflegender Angehöriger eklatante Missstände. Insbesondere die mangelhafte Unterstützung durch Politik und Gesellschaft wird von pflegenden Angehörigen beklagt. Zu diesem Ergebnis kommt die TNS Emnid-Studie zur "Pflegesituation in Deutschland" im Auftrag der Marseille-Kliniken AG. Dazu sind 1.056 Betroffene und Angehörige von Pflegefällen sowie die Generation 50+ (weitere 1.008 Ältere ab 50) bundesweit befragt worden.

Nach den Ergebnissen der Emnid-Studie hat bereits jeder fünfte Deutsche in seinem familiären Umfeld einen Pflegefall. Die Angehörigen, die einen alten Menschen betreuen, fühlen sich von Politik und Gesellschaft im Stich gelassen: Nur 30 Prozent der Befragten, die selbst die Pflege eines Familienmitglieds bzw. Verwandten übernehmen, fühlen sich bei ihrer Pflegeaufgabe von Politik und Gesellschaft stark oder angemessen unterstützt. Hingegen sind 65 Prozent von der Unterstützung von Staat und Gesellschaft enttäuscht.

Fast Dreiviertel der Pflegefälle lebt in den eigenen vier Wänden. Doch nur für ein Drittel reichen die Leistungen der Pflegeversicherung aus, um die Wohnung seniorengerecht anzupassen oder umzubauen - obwohl den Bürgern pro Maßnahme 2.557 Euro von der Pflegeversicherung zustehen. Ein Drittel der Befragten gibt als Grund für eine Versorgung zu Hause Geldmangel an. Die Unterbringung in einer Senioreneinrichtung sei ihnen zu teuer.

Insgesamt ist die Generation 50+ mit der deutschen Altenpflege deutlich unzufrieden: 55 Prozent kritisieren die aktuelle Situation. Am kritischsten sehen die Befragten insbesondere die Qualität und Professionalität von Pflege. Dabei sind qualifiziertes Pflegepersonal, eine ganzheitliche Betreuungsleistung und eine hohe Pflegequalität die wichtigsten Kriterien für die Auswahl einer geeigneten Senioreneinrichtung. Gerade bei der Bewertung dieser drei Faktoren herrscht deutliche Unzufriedenheit. Lediglich 53 Prozent sind mit der Betreuung, 52 Prozent mit dem Ausbildungsstand des Personals und nur 46 Prozent der Befragten sind mit der Pflegequalität allgemein zufrieden. Vor allem die 50-Jährigen reagieren verunsichert auf eine mögliche Pflegebedürftigkeit. Sie sind eindeutig unzufriedener als die 70-Jährigen.

Die Mehrheit der Generation 50+ lebt in Wohnungen, die für den Fall der Pflegebedürftigkeit ungeeignet sind. Jeder Dritte hat sich darüber bislang keine Gedanken gemacht. Über 50 Prozent der Befragten sind im Pflegefall auf die finanzielle Unterstützung der Familie angewiesen. Ein Drittel müsste sogar Sozialhilfe in Anspruch nehmen. Nur jeder Fünfte hat eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen. Trotzdem glaubt über die Hälfte der Befragten, gut für das Alter vorgesorgt zu haben. Selbst ein Drittel der über 70-Jährigen hat sich noch nicht mit dem Thema Pflege auseinandergesetzt.

Weitere Informationen:
www.forum-gesundheitspolitik.de/dossier/index106.htm

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Dr. Gerd Marstedt
Parkallee 39
28209 Bremen
Tel. 0421-218-4385
Email:

FORUM GESUNDHEITSPOLITIK ist eine private Initiative, die von gesundheitspolitisch engagierten Wissenschaftlern getragen wird. Zielsetzung ist eine fundiertere Information der Öffentlichkeit und insbesondere von Wissenschaftlern und Journalisten, Studenten/innen und politischen Entscheidungsträgern über gesundheitspolitische Rahmenbedingungen, gesetzliche Veränderungen in diesem Bereich sowie Ansprüche der Bevölkerung an das Gesundheitssystem. Die Website verfolgt keinerlei kommerzielle Interessen.

News-ID: 126495 • Views: 1600

Mitteilung teilen und kommentieren


Permanenter Link zu dieser Pressemeldung:


Wir freuen uns, wenn Sie z.B. auf Ihrer Presse- oder Referenzen-Seite auf openPR.de linken.
Für die Inhalte dieser Meldung ist nicht openPR.de sondern nur der jeweilige Autor verantwortlich.

Haftungsausschluss - openPR distanziert sich von dem Inhalt der Pressemitteilungen. Lesen sie hier mehr