16.03.2007 - 07:52 - Gesundheit & Medizin
Thema der Woche bei Maybrit Illner - Albtraum Pflegefall - Lassen wir die Alten im Stich?
Pressemitteilung von: IQB - Medizin-, Pflege- und Psychiatrierecht - Lutz Barth
„Es gibt tatsächlich noch Menschen, die diesen Beruf ergreifen wollen“, sprach Maybrit Illner und während sie Martin Bollinger im Publikum aufsuchte, formulierte sie die Frage, „sind sie verrückt“?
Nun, wir kennen „unsere“ Maybritt Illner als engagierte Moderatorin und dennoch darf an dieser Stelle Kritik angemeldet werden. Es ist durchaus lobenswert, dass sich die Medien des Themas annehmen und insofern für die Wahrnehmung der Rechte der älteren und hochbetagten Mitbürger auch in stationären Alteneinrichtungen streitbar werben. Allerdings sollte auch erwähnt werden, dass die medienwirksam beklagte defizitäre Pflege keinesfalls der Standard in bundesdeutschen Pflegeheimen ist, sondern eine fachlich gut geplante und qualifizierte Pflege. Daher darf ggf. auch Frau Illner in einem späteren und betagten Alter durchaus dankbar sein, wenn es Menschen gibt, die diesen verantwortungsvollen Beruf ergreifen und ausüben und demzufolge nicht „verrückt sind“, wie die ebenso eloquente als auch streitbare Moderatorin glaubt, mutmaßen zu können.
Die Annäherung an das Thema und die sich daran anschließende Diskussion erfordert ein wenig mehr an Sensibilität und vor allem Sachkenntnis, als herkömmlich von einem investigativen Journalismus erwartet werden kann und darf! Das den Medien in unserer Gesellschaft eine zentrale Rolle zukommt, ist unbestritten. Ebenso unbestritten dürfte allerdings sein, dass den Medien zugleich auch eine gewisse Verantwortung aufgrund ihrer potentiellen Medienmacht obliegt, den interessierten Rezipienten umfassend zu informieren und ihn nicht seine „Alpträume“ zu entlassen. Der „Leichenwagen vor der Tür“ und die häufige Begegnung mit dem „Tod“ ist nach Auffassung eines Vermieters ein Kündigungsgrund. Der Regisseur D. Wedel verkündet, dass das Altenheim den Eindruck eines Wartesaals zum Tod und zum Sterben vermittelt und Frau Illner übt sich derweil im Kopfrechnen bei der durchaus lösbaren Aufgabe, ob der von Axel Hölzer, Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand der Marseille-Kliniken AG, genannte Preis des Essensgeldes von ca. 4,50 bis 5.-- € in seinen Pflegeeinrichtungen zu den zuvor diskutierten 4.—Euro ausreichend sei. Auch wenn die mathematische Lösung „in Größenordnungen“ daneben lag, wurde gleichwohl „schnippisch“, aber immerhin mit dem Illner`schen Charme dem Rezipienten der Eindruck vermittelt, als sei das nun auch nicht gerade üppig!
Dafür, dass Frau Schmidt als amtierende Gesundheitsministerin doch in die Rolle der „von der Leyen für die Alten und Pflegebedürftigen“ schlüpfen möge, plädierte der Pflegekritiker C. Fussek und überhaupt ist für ihn das „Mobbing die Seuche in der Pflege“, wobei generell die Pflege nicht markt- und börsentauglich sei. Unsere Gesundheitsministerin ließ sich freilich – wie gewohnt – nicht aus der Reserve locken und widerstand den zuweilen bohrenden, aber nicht unbedingt zweckdienlichen Fragen der eloquenten Moderatorin.
Was bleibt, so muss gefragt werden?
Aus meiner Sicht lediglich der Hinweis für all diejenigen, die die Sendung nicht gesehen haben, dass diese heute um 17.35 Uhr bei Phoenix wiederholt wird. So können sie sich selbst ein Bild darüber machen, ob die mediale Aufbereitung des gewichtigen Themas nicht selbst ein „Alptraum“ war! Nun wollen wir nicht verschweigen, dass die Diskussionsteilnehmer bemüht waren, sich dem Thema angemessen zu nähern und allen voran scheint Fussek mit seiner Annahme recht zu haben, dass ein Paradigmenwechsel im System notwenig angezeigt ist. Ob dies allerdings durch eine Abschaffung der Pflegestufen zu bewerkstelligen ist, da in der Konsequenz eine gute Pflege weniger Geld bedeute, bleibt dahingestellt. Weitaus wichtiger scheint mit Blick auf die stationären Alteneinrichtungen die Frage zu sein, ob die Altenpflege sich nicht selbst ihrer traditionellen Berufsrolle sukzessive begeben hat, in dem sie jahrelang im Rahmen ihrer Professionalisierungsbemühungen mit ihrem Schwesterberuf der Krankenpflege konkurrierte. Die derzeitige systemfremde Finanzierung und Übernahme der Behandlungspflege der Alterspatienten in stationären Pflegeeinrichtungen durch die Pflegeversicherung mit ihrer permanenten Verlängerung trägt im Wesentlichen zur derzeitigen Situation bei, die im Übrigen durch das Prinzip ambulanter vor stationärer Pflege m.E. nicht entschärft wird.
Lutz Barth
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
IQB - Lutz Barth
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Nun, wir kennen „unsere“ Maybritt Illner als engagierte Moderatorin und dennoch darf an dieser Stelle Kritik angemeldet werden. Es ist durchaus lobenswert, dass sich die Medien des Themas annehmen und insofern für die Wahrnehmung der Rechte der älteren und hochbetagten Mitbürger auch in stationären Alteneinrichtungen streitbar werben. Allerdings sollte auch erwähnt werden, dass die medienwirksam beklagte defizitäre Pflege keinesfalls der Standard in bundesdeutschen Pflegeheimen ist, sondern eine fachlich gut geplante und qualifizierte Pflege. Daher darf ggf. auch Frau Illner in einem späteren und betagten Alter durchaus dankbar sein, wenn es Menschen gibt, die diesen verantwortungsvollen Beruf ergreifen und ausüben und demzufolge nicht „verrückt sind“, wie die ebenso eloquente als auch streitbare Moderatorin glaubt, mutmaßen zu können.
Die Annäherung an das Thema und die sich daran anschließende Diskussion erfordert ein wenig mehr an Sensibilität und vor allem Sachkenntnis, als herkömmlich von einem investigativen Journalismus erwartet werden kann und darf! Das den Medien in unserer Gesellschaft eine zentrale Rolle zukommt, ist unbestritten. Ebenso unbestritten dürfte allerdings sein, dass den Medien zugleich auch eine gewisse Verantwortung aufgrund ihrer potentiellen Medienmacht obliegt, den interessierten Rezipienten umfassend zu informieren und ihn nicht seine „Alpträume“ zu entlassen. Der „Leichenwagen vor der Tür“ und die häufige Begegnung mit dem „Tod“ ist nach Auffassung eines Vermieters ein Kündigungsgrund. Der Regisseur D. Wedel verkündet, dass das Altenheim den Eindruck eines Wartesaals zum Tod und zum Sterben vermittelt und Frau Illner übt sich derweil im Kopfrechnen bei der durchaus lösbaren Aufgabe, ob der von Axel Hölzer, Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand der Marseille-Kliniken AG, genannte Preis des Essensgeldes von ca. 4,50 bis 5.-- € in seinen Pflegeeinrichtungen zu den zuvor diskutierten 4.—Euro ausreichend sei. Auch wenn die mathematische Lösung „in Größenordnungen“ daneben lag, wurde gleichwohl „schnippisch“, aber immerhin mit dem Illner`schen Charme dem Rezipienten der Eindruck vermittelt, als sei das nun auch nicht gerade üppig!
Dafür, dass Frau Schmidt als amtierende Gesundheitsministerin doch in die Rolle der „von der Leyen für die Alten und Pflegebedürftigen“ schlüpfen möge, plädierte der Pflegekritiker C. Fussek und überhaupt ist für ihn das „Mobbing die Seuche in der Pflege“, wobei generell die Pflege nicht markt- und börsentauglich sei. Unsere Gesundheitsministerin ließ sich freilich – wie gewohnt – nicht aus der Reserve locken und widerstand den zuweilen bohrenden, aber nicht unbedingt zweckdienlichen Fragen der eloquenten Moderatorin.
Was bleibt, so muss gefragt werden?
Aus meiner Sicht lediglich der Hinweis für all diejenigen, die die Sendung nicht gesehen haben, dass diese heute um 17.35 Uhr bei Phoenix wiederholt wird. So können sie sich selbst ein Bild darüber machen, ob die mediale Aufbereitung des gewichtigen Themas nicht selbst ein „Alptraum“ war! Nun wollen wir nicht verschweigen, dass die Diskussionsteilnehmer bemüht waren, sich dem Thema angemessen zu nähern und allen voran scheint Fussek mit seiner Annahme recht zu haben, dass ein Paradigmenwechsel im System notwenig angezeigt ist. Ob dies allerdings durch eine Abschaffung der Pflegestufen zu bewerkstelligen ist, da in der Konsequenz eine gute Pflege weniger Geld bedeute, bleibt dahingestellt. Weitaus wichtiger scheint mit Blick auf die stationären Alteneinrichtungen die Frage zu sein, ob die Altenpflege sich nicht selbst ihrer traditionellen Berufsrolle sukzessive begeben hat, in dem sie jahrelang im Rahmen ihrer Professionalisierungsbemühungen mit ihrem Schwesterberuf der Krankenpflege konkurrierte. Die derzeitige systemfremde Finanzierung und Übernahme der Behandlungspflege der Alterspatienten in stationären Pflegeeinrichtungen durch die Pflegeversicherung mit ihrer permanenten Verlängerung trägt im Wesentlichen zur derzeitigen Situation bei, die im Übrigen durch das Prinzip ambulanter vor stationärer Pflege m.E. nicht entschärft wird.
Lutz Barth
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