08.03.2007 - 12:01 - Gesundheit & Medizin
Der Einsatz von Medikamenten bei "hyperaktiven" Kindern hat sich weltweit verdreifacht
Pressemitteilung von: Forum Gesundheitspolitik
Der Einsatz von Medikamenten zur Therapie von Kindern mit einem sogenannten "Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitäts- Syndrom" (ADHS) hat sich seit dem Jahre 1993 weltweit etwa verdreifacht (+274%). Gleichzeitig sind die Ausgaben für diese Arzneimittel um 900% gestiegen, allein in den USA wurden dafür im Jahr 2003 umgerechnet etwa 1.5 Milliarden Euro ausgegeben. In Deutschland hat sich der Einsatz von Medikamenten für die Erkrankung von 1993 bis 2003 etwa verdoppelt.
Die jetzt von Wissenschaftlern der University of Berkeley (USA) in der Zeitschrift "Health Affairs" veröffentlichte Studie hat für alle OECD-Staaten (auf der Basis der IMS Health MIDAS Database) untersucht, wie sich in den Jahren 1993-2003 der Einsatz bestimmter Arzneiwirkstoffe, die typischerweise bei einer Diagnose von ADHS verordnet werden, verändert hat. Dazu zählen Medikamente wie insbesondere Ritalin. Die USA sind danach weltweit führend, was die medikamentöse Behandlung der psychischen Erkrankung anbetrifft. Im Vergleich zu Deutschland wird dort 5-19jährigen Kindern etwa achtmal so oft ein Medikament gegen ADHS verschrieben.
Allerdings wurde die führende Rolle der USA in den letzten Jahren gebremst. Während ADHS-Medikamente im Jahr 1993 lediglich in 31 Ländern eingesetzt wurden, sind dies zehn Jahre später bereits 55 Länder. Die Wissenschaftler fanden bei der Auswertung der Daten auch ein "Wohlstandsgefälle": Je höher das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung ausfällt, desto häufiger werden Kinder mit ADHS medikamentös behandelt. Führend sind hier Länder wie USA, Kanada, Australien und Norwegen.
ADHS ist eine im Kindesalter beginnende psychische Erkrankung, die sich durch leichte Ablenkbarkeit und Konzentrationsstörungen, geringes Durchhaltevermögen, sowie gesteigerte Aktivität und Impulsivität auszeichnet. Die Ursachen der Erkrankung sind nicht restlos geklärt, man vermutet eine Kombination aus angeborenen und umwelt- bzw. sozialisationsbedingten Faktoren.
Problematisch erscheint den Verfassern der Studie der rasante Anstieg der medikamentösen Therapie, da weder die Ursachen der Krankheit bislang hinreichend geklärt sind noch die langfristigen Folgen einer Dauerbehandlung mit Psycho-Stimulantien, die den Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn beeinflussen, untersucht sind.
Andere Wissenschaftler formulieren eine schärfere Kritik und befürchten, dass viele Kinder dauerhaft mit Arzneimitteln behandelt werden, bei denen zwar problematische Verhaltensauffälligkeiten wie Unkonzentriertheit oder Aggressivität auftreten, ohne dass jedoch tatsächlich eine Erkrankung vorliegt. Auch würden alternative psychotherapeutische Behandlungsmethoden zu wenig in Erwägung gezogen. So hat unlängst eine Frankfurter Studie gezeigt, dass sich aggressives oder störendes Verhalten von Kindern, und damit auch die Gewaltbereitschaft der Jüngsten, mit präventiven erzieherischen Maßnahmen und ohne Medikamente verändern lässt.
(vgl. den Artikel in Forum Gesundheitspolitik Agression im Kindergartenalter - Eine Studie zeigt: Es geht auch ohne Medikamente)
Kritisiert wird vielfach auch die bisweilen marktschreierische Werbung von Pharmaunternehmen für ihre Medikamente zur Therapie von ADHS. Viele Eltern, die mit der Aggressivität und den Verhaltensauffälligkeiten ihrer Kinder nicht mehr zurecht kommen, würden so dazu gedrängt, ihre Kinder beim Arzt vorzustellen und eine Medikamentenverschreibung zu erbitten.
Weitere Informationen zu den Studien:
www.forum-gesundheitspolitik.de/dossier/index102.htm
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Dr. Gerd Marstedt
Parkallee 39
28209 Bremen
Tel. 0421-218-4385
Email:
FORUM GESUNDHEITSPOLITIK ist eine private Initiative, die von gesundheitspolitisch engagierten Wissenschaftlern getragen wird. Zielsetzung ist eine fundiertere Information der Öffentlichkeit und insbesondere von Wissenschaftlern und Journalisten, Studenten/innen und politischen Entscheidungsträgern über gesundheitspolitische Rahmenbedingungen, gesetzliche Veränderungen in diesem Bereich sowie Ansprüche der Bevölkerung an das Gesundheitssystem. Die Website verfolgt keinerlei kommerzielle Interessen.
Die jetzt von Wissenschaftlern der University of Berkeley (USA) in der Zeitschrift "Health Affairs" veröffentlichte Studie hat für alle OECD-Staaten (auf der Basis der IMS Health MIDAS Database) untersucht, wie sich in den Jahren 1993-2003 der Einsatz bestimmter Arzneiwirkstoffe, die typischerweise bei einer Diagnose von ADHS verordnet werden, verändert hat. Dazu zählen Medikamente wie insbesondere Ritalin. Die USA sind danach weltweit führend, was die medikamentöse Behandlung der psychischen Erkrankung anbetrifft. Im Vergleich zu Deutschland wird dort 5-19jährigen Kindern etwa achtmal so oft ein Medikament gegen ADHS verschrieben.
Allerdings wurde die führende Rolle der USA in den letzten Jahren gebremst. Während ADHS-Medikamente im Jahr 1993 lediglich in 31 Ländern eingesetzt wurden, sind dies zehn Jahre später bereits 55 Länder. Die Wissenschaftler fanden bei der Auswertung der Daten auch ein "Wohlstandsgefälle": Je höher das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung ausfällt, desto häufiger werden Kinder mit ADHS medikamentös behandelt. Führend sind hier Länder wie USA, Kanada, Australien und Norwegen.
ADHS ist eine im Kindesalter beginnende psychische Erkrankung, die sich durch leichte Ablenkbarkeit und Konzentrationsstörungen, geringes Durchhaltevermögen, sowie gesteigerte Aktivität und Impulsivität auszeichnet. Die Ursachen der Erkrankung sind nicht restlos geklärt, man vermutet eine Kombination aus angeborenen und umwelt- bzw. sozialisationsbedingten Faktoren.
Problematisch erscheint den Verfassern der Studie der rasante Anstieg der medikamentösen Therapie, da weder die Ursachen der Krankheit bislang hinreichend geklärt sind noch die langfristigen Folgen einer Dauerbehandlung mit Psycho-Stimulantien, die den Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn beeinflussen, untersucht sind.
Andere Wissenschaftler formulieren eine schärfere Kritik und befürchten, dass viele Kinder dauerhaft mit Arzneimitteln behandelt werden, bei denen zwar problematische Verhaltensauffälligkeiten wie Unkonzentriertheit oder Aggressivität auftreten, ohne dass jedoch tatsächlich eine Erkrankung vorliegt. Auch würden alternative psychotherapeutische Behandlungsmethoden zu wenig in Erwägung gezogen. So hat unlängst eine Frankfurter Studie gezeigt, dass sich aggressives oder störendes Verhalten von Kindern, und damit auch die Gewaltbereitschaft der Jüngsten, mit präventiven erzieherischen Maßnahmen und ohne Medikamente verändern lässt.
(vgl. den Artikel in Forum Gesundheitspolitik Agression im Kindergartenalter - Eine Studie zeigt: Es geht auch ohne Medikamente)
Kritisiert wird vielfach auch die bisweilen marktschreierische Werbung von Pharmaunternehmen für ihre Medikamente zur Therapie von ADHS. Viele Eltern, die mit der Aggressivität und den Verhaltensauffälligkeiten ihrer Kinder nicht mehr zurecht kommen, würden so dazu gedrängt, ihre Kinder beim Arzt vorzustellen und eine Medikamentenverschreibung zu erbitten.
Weitere Informationen zu den Studien:
www.forum-gesundheitspolitik.de/dossier/index102.htm
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Dr. Gerd Marstedt
Parkallee 39
28209 Bremen
Tel. 0421-218-4385
Email:
FORUM GESUNDHEITSPOLITIK ist eine private Initiative, die von gesundheitspolitisch engagierten Wissenschaftlern getragen wird. Zielsetzung ist eine fundiertere Information der Öffentlichkeit und insbesondere von Wissenschaftlern und Journalisten, Studenten/innen und politischen Entscheidungsträgern über gesundheitspolitische Rahmenbedingungen, gesetzliche Veränderungen in diesem Bereich sowie Ansprüche der Bevölkerung an das Gesundheitssystem. Die Website verfolgt keinerlei kommerzielle Interessen.
News-ID: 123959 • Views: 2493
Schlagwörter
Permanenter Link zu dieser Pressemeldung:
Wir freuen uns, wenn Sie z.B. auf Ihrer Presse- oder Referenzen-Seite auf openPR.de linken.
Für die Inhalte dieser Meldung ist nicht openPR.de sondern nur der jeweilige Autor verantwortlich.
Haftungsausschluss - openPR distanziert sich von dem Inhalt der Pressemitteilungen. Lesen sie hier mehr
© 2004-2012 openPR | Impressum




