openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Psychopharmakotherapie als Bedarfsmedikation des Alterspatienten - Gefahren einer Intoxikationspsychose?

21.02.200717:33 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Der im Oktober 2005 vorgelegte Abschlussbericht über „Psychopharmaka im Altenpflegeheim“ >>> siehe dazu http://www.bhf-bank-stiftung.de/Abschlussbericht.pdf und das Projekt ReduFix >>> siehe dazu http://www.efh-freiburg.de/agp/redufix.htm haben ihr besonderes Interesse auch in der arzt- und pflegerechtlichen Diskussion um den Grund und die Grenzen der medizinischen arbeitsteiligen Prozesse in der stationären Alteneinrichtung gefunden.



Die interdisziplinären Untersuchungen unter Berücksichtigung der gerontopsychiatrischen, ethischen und juristischen Aspekte nehmen insofern einen Problembereich auf, der das eigentliche Dilemma in der medizinischen und pflegerischen Betreuung des Alterspatienten charakterisiert: die Kooperationsdefizite zwischen den Ärzten und dem Pflegepersonal einerseits und die „fachliche Defizite“ der Beteiligten bei der Verordnung und Umsetzung der Psychopharmakabehandlung eines zumeist multimorbiden Alterspatienten mit gravierenden gesundheitlichen Folgen.

Das die Bedarfsmedikation allerdings äußerst problematisch ist, wird auch in der Literatur mit Hinweis darauf beschrieben, dass die Medikation nicht auf die konkrete Situation des Patienten hin erfolge und demzufolge unzulässig sei, soweit es dem Pflegepersonal einen eigenen Entscheidungsspielraum im diagnostischen und therapeutischen Bereich belässt.

In der Diskussion um den Grund und die Grenze der „Bedarfsmedikation“ wird m.E. nach der gewichtige Umstand vernachlässigt, dass neben den allgemeinen arztrechtlichen Bindungen sich ein eigenständiges (Haftungs-)Recht der Pharmakotherapie herauskristallisiert hat, aus denen sich spezielle Handlungsdirektiven für den Arzt ableiten lassen, denen er genügen muss, um sich nicht der Gefahr einer Sorgfaltspflichtverletzung (§ 276 BGB) aussetzen zu müssen.

Die klassische „Qualitätssicherung“ der ärztlichen Tätigkeit und damit die seiner therapeutischen Entscheidung orientiert sich hierbei ausnahmslos im Rahmen der verordneten Pharmakotherapie am individuellen Krankheitspanorama des Patienten und dies setzt freilich voraus, dass der Therapeut seinen Patienten persönlich in Augenschein nimmt, um „seine“ Pharmakotherapie evaluieren und der „Symptomfalle“ einer vermeintlich kausalen Diagnose von einem bestimmten Krankheitsbild vor dem besonderen Multimorbiditätsrisiko des Alterspatienten entgehen zu können.

E steht zu befürchten an, das dass Pflegepersonal seine „Wahrnehmungen und Beobachtungen“ beim Alterspatienten fehl interpretiert und so die dem Grunde nach lege artis verordnete Pharmakotherapie des Arztes sich in der Konsequenz als eine „ärztlich verordnete Intoxikationspsychose“ erweisen könnte – ein Ergebnis, welches scheinbar ungeheuerlich ist, aber eine beängstigende Entsprechung aus der Sicht von Rechtsmedizinern und neueren Leichschauberichten erfährt.

Literaturhinweis:
Psychopharmakaversorgung im Altenpflegeheim : eine interdisziplinäre Studie unter Berücksichtigung medizinischer, ethischer und juristischer Aspekte / Johannes Pantel, Gisela Bockenheimer-Lucius, Ingwer Ebsen, Ruth Müller, Peter Hustedt und Alexander Diehm. Frankfurt am Main : Lang 2006 (Frankfurter Schriften zur Gesundheitspolitik und zum Gesundheitsrecht ; 3) ISBN 3-631-55095-2, 389 Seiten

Lutz Barth

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 121371
 2813

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Psychopharmakotherapie als Bedarfsmedikation des Alterspatienten - Gefahren einer Intoxikationspsychose?“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von IQB - Medizin-, Pflege- und Psychiatrierecht - Lutz Barth

Bild: Wir sollen nicht sterben wollenBild: Wir sollen nicht sterben wollen
Wir sollen nicht sterben wollen
Der „Diskurs“ (?) über das frei verantwortliche Sterben eines schwersterkrankten und sterbenden Menschen ist nach wie vor nicht nur soziologisch unterbelichtet, sondern zeichnet sich insbesondere durch Glaubensbotschaften der selbsternannten „Oberethiker“ und deren „Geschwätzigkeit“ aus. „Lebensschützer“ meinen zu wissen, was die Schwersterkrankten und Sterbenden wünschen und welcher Hilfe diese am Ende ihres sich neigenden Lebens bedürfen. Mit Verlaub: Es reicht nicht zu, stets die Meinungsumfragen zu kritisieren, in denen die Mehrheit der…
Bild: Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubarBild: Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubar
Sterbehilfedebatte - Der Kreis der ethischen Überzeugungstäter ist überschaubar
Es scheint an der Zeit, in einer hoch emotionalisierten Debatte „Ross und Reiter“ zu benennen, die sich fortwährend um den „Lebensschutz“ scheinbar verdienstbar gemacht haben und unbeirrt auf ihrer selbst auferlegten Mission fortschreiten. Einige politisch Verantwortlichen sind gewillt, die „Sterbehilfe“ gesetzlich zu regeln und wie es scheint, besteht das Ziel in einer strikten Verbotsregelung. Auffällig ist, dass es sich um eine handverlesene Schar von Ethiker, Ärztefunktionären, freilich auch Theologen und Mediziner handelt, bei denen ber…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Demenzpatienten – auf dem Weg einer verordneten Intoxikationspsychose?Bild: Demenzpatienten – auf dem Weg einer verordneten Intoxikationspsychose?
Demenzpatienten – auf dem Weg einer verordneten Intoxikationspsychose?
… insbesondere auch ein Beitrag dazu geleistet wird, dass die kognitiven Leistungen des Alterspatienten durch eine nicht angezeigte oder angemessene Therapie neben dem Krankheitsbild der Demenz noch zusätzlich beeinträchtigt werden. Ist es da vermessen oder ungehörig, von einer ärztlich verordneten Intoxikationspsychose zu sprechen? Ich meine nein! Lutz Barth
Die angeordnete Bedarfsmedikation – ein Dauerrechtsproblem
Die angeordnete Bedarfsmedikation – ein Dauerrechtsproblem
… nachhaltig zu befürchten an, dass die auf „Dauer“ angelegte „Bedarfsmedikation“ ohne eine entsprechende Pharmakotherapieevaluation sich in letzter Konsequenz als „ärztlich verordnete Intoxikationspsychose“ erweisen kann. Ein Umstand, der uns alle nachdenklich stimmen sollte. Die Anordnung „Medikation bei Bedarf“ bei einem multimorbiden Alterspatienten sollte …
Bild: Selbstmedikation des geriatrischen Bewohners und Verantwortung des PflegepersonalsBild: Selbstmedikation des geriatrischen Bewohners und Verantwortung des Pflegepersonals
Selbstmedikation des geriatrischen Bewohners und Verantwortung des Pflegepersonals
… multimorbiden Geriatriepatienten einen besonderen Behandlungsstandard erfordert, haben wir schon des Öfteren hingewiesen. Dies gilt nicht nur für die sog. ärztlich angeordnete Bedarfsmedikation im Besonderen, sondern gleichsam auch für die rationale Pharmakotherapie im Allgemeinen. Die klassische „Qualitätssicherung“ der ärztlichen Tätigkeit und damit die seiner …
Pharmakotherapie des Alterspatienten – ein Votum für die hausärztliche Versorgung!
Pharmakotherapie des Alterspatienten – ein Votum für die hausärztliche Versorgung!
… (scheinbar) eindeutige Behandlungsroutinen bei chronischen Krankheiten. Aus guten Gründen ist daher zu fordern, sehr verhalten mit der Anordnung einer sog. Bedarfsmedikation umzugehen. Der ehemals festgestellte Bedarf kann durch das multimorbide Krankheitspanorama „überlagert“ werden und gebietet eine fortlaufende Arzneimittelanamnese, die durch den …
Bild: Qualität in der Pflege – auch ein Fall für die ÄrzteBild: Qualität in der Pflege – auch ein Fall für die Ärzte
Qualität in der Pflege – auch ein Fall für die Ärzte
… Statement kann uneingeschränkt zugestimmt werden und es wird hier nachhaltig für eine stärkere Einbindung insbesondere der Hausärzte in die stationäre Betreuung der multimorbiden Alterspatienten plädiert. Das hierfür eine gesonderte Vergütung zu leisten wäre, ist konsequent. Der ärztliche Sachverstand ist bei der Betreuung hochaltriger Patienten mit ihrem …
Pharmakotherapie im Alter
Pharmakotherapie im Alter
… 13.01.07http://www.bundesaerztekammer.de/25/10Pressemitteilungen/M200701/200711131.html Kurze Anmerkung (L. Barth): Die Ankündigung der Arzneimittelexperten ist begrüßenswert, auch wenn spezielle Empfehlungen zur Pharmakotherapie des multimorbiden Alterspatienten mehr als überfällig sind. Die mit der Pharmakotherapie des Alterspatienten verbundenen Probleme sind keineswegs neu, zumal …
Bild: „Chemische Gewalt gegen Ältere“Bild: „Chemische Gewalt gegen Ältere“
„Chemische Gewalt gegen Ältere“
… die Kritik von G. Glaeske tatsächlich eine „Unverschämtheit“ und „bösartig“ ist, vermag ich nicht zu beurteilen, wenngleich doch das Problem der „verordneten Intoxikationspsychose“ gerade mit Blick auf geriatrische Patienten beileibe kein aktuelles ist. In diesem Zusammenhang stehend sei daran erinnert, dass die Pharmakotherapie des multimorbiden Geriatriepatienten …
Bild: Vorbehaltsaufgaben und „pflegerischer Tunnelblick“?
Vorbehaltsaufgaben und „pflegerischer Tunnelblick“?
… pflegediagnostische Tunnelblick, der dass gesamte Spektrum der polypharmakologischen Therapie nicht zu überblicken vermag und so unweigerlich in eine pflegerisch verordnete Intoxikationspsychose münden kann. Dies gilt vornehmlich auch für die scheinbar unproblematische Dauermedikation (resp. einer Bedarfsmedikation) eines chronisch Kranken. Lutz Barth
Bild: Kritisches Ereignis in der Altenpflege - Routinemäßiges Verabreichen von AbführmittelnBild: Kritisches Ereignis in der Altenpflege - Routinemäßiges Verabreichen von Abführmitteln
Kritisches Ereignis in der Altenpflege - Routinemäßiges Verabreichen von Abführmitteln
… mal ganz abgesehen davon, dass hier das Pflegepersonal in den ärztlichen Kompetenzbereich eingreift. Aber selbst für den Fall einer möglichen (aber durchaus zweifelhaften) „Bedarfsmedikation“ ist in erster Linie der Arzt verpflicht, ggf. die von ihm verordnete Pharmakotherapie zu evaluieren und ggf. eine Diagnoserevision zu veranlassen. Allein dem Arzt …
Bild: Demenzpatienten – auf dem Weg einer verordneten Intoxikationspsychose?Bild: Demenzpatienten – auf dem Weg einer verordneten Intoxikationspsychose?
Demenzpatienten – auf dem Weg einer verordneten Intoxikationspsychose?
… insbesondere auch ein Beitrag dazu geleistet wird, dass die kognitiven Leistungen des Alterspatienten durch eine nicht angezeigte oder angemessene Therapie neben dem Krankheitsbild der Demenz noch zusätzlich beeinträchtigt werden. Ist es da vermessen oder ungehörig, von einer ärztlich verordneten Intoxikationspsychose zu sprechen? Ich meine nein! Lutz Barth
Sie lesen gerade: Psychopharmakotherapie als Bedarfsmedikation des Alterspatienten - Gefahren einer Intoxikationspsychose?