(openPR) Vor allem Rückenerkrankungen gehören in Deutschland zu den weit verbreiteten Krankheiten. Dr. Ralf Franke, Leiter Health & Safety bei der Daimler Chrysler AG in Stuttgart, belegte dies in seinem Vortrag auf der MTM-Bundestagung 2006 in Stuttgart mit konkreten Zahlen: 80-90% der Bevölkerung haben Wirbelsäulenbeschwerden; 20% aller Ausfalltage sind rückenbedingt; Rückenschmerzen kosten die deutsche Wirtschaft 25 Milliarden Euro pro Jahr.
Diese Zahlen regten die Produktionsexperten zu lebhaften Diskussionen an. „An vielen Computer- und Montagearbeitsplätzen tickt eine Zeitbombe. Bewegungsmangel als Krankheitsursache wird in den nächsten Jahren immer häufiger vorkommen“, war in den Gesprächen zu hören. Dabei wurde die Frage laut: Kann eine ausschließliche Ausrichtung auf hohe Wertschöpfung Unternehmensprozesse nachhaltig optimieren?
Das alte Zitat ´Das Alter des Menschen zeigt sich an der Beweglichkeit seiner Wirbelsäule´ muss bei der Arbeitsgestaltung auch praktisch berücksichtigt werden, meinen Betriebsärzte, denn Rückenerkrankungen machen vorzeitig alt. Dieses Problem wird sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels weiter verschärfen. Das Personal der Zukunft wird durch ein höheres Durchschnittsalter und damit einhergehende Einsatzeinschränkungen gekennzeichnet sein. Nach Angaben der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) wird im Jahr 2050 voraussichtlich die Hälfte der Bevölkerung älter als 48 Jahre und ein Drittel 60 Jahre und älter sein. Es gilt daher, durch Präventivmaßnahmen frühzeitig diesen Entwicklungen entgegen zu steuern.
Prävention bei DaimlerChrysler
Viele große Unternehmen erarbeiten dafür heute schon Lösungsansätze für einen altersgerechten Arbeitseinsatz. So bietet auch die DaimlerChrysler AG ihren Mitarbeitern umfassende Gesundheitsprogramme zur Prävention, Regenerierung und Rehabilitierung an - mit Erfolg. Dr. Franke verwies zur MTM-Bundestagung darauf, dass der Krankenstand bei DaimlerChrysler bei Teilnehmern mit rückenbedingten Ausfallzeiten an verschiedenen Standorten um 20-35% gesenkt werden konnte. Überraschend dabei ist, dass diese deutlichen Effekte bereits durch drei Minuten Rückentraining pro Woche, in einem Zeitraum von zehn bis zwölf Monaten, erzielt wurden. Erste positive Auswirkungen waren schon nach sechs Trainingseinheiten zu erkennen - für Dr. Ralf Franke ein Indiz für eine weit verbreitete körperliche Degenerierung. Die Gründe dafür sieht er darin, dass der Mensch eine gesunde Belastung braucht, um gesund zu werden und gesund zu bleiben. Dies sei an vielen Arbeitsplätzen nicht der Fall. Er vertrat die Auffassung, dass Arbeitsgestaltung zur Herstellung einer ausgewogenen Belastung am Arbeitsplatz führen müsse. Mit den Worten „Gesund belasten, statt krank schonen“ sprach er sich für individuell gezielte Belastungen in den Arbeitsabläufen und Steh-Sitz-Dynamiken in der Bürowelt aus.
Das ist auch Anliegen der Gewerkschaften. Aus dem Wissen um positive Auswirkungen human gestalteter Arbeitsplätze rief die IG Metall die Kampagne „Besser statt billiger“ ins Leben. Dieses Konzept wurde von Wolf-Jürgen Röder, Mitglied des Vorstands der IG Metall, in seinem Referat zur MTM-Bundestagung vorgestellt. Er sprach sich, bei allen Bemühungen um Produktivitätsfortschritte, für eine bessere Balance zwischen betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten aus. Röder kritisierte die in der Praxis weit verbreitete kurzfristige Ausrichtung auf Kennzahlen, die kein nachhaltiger Weg zur Steigerung der Produktivität sind. Im Interview sagte er: „Produktivitätssteigerung kann nicht einseitig auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen werden“.
Ergonomische Risikoanalysen verringern Ausfallzeiten
Der Schlüssel für eine ausgewogene Belastung liegt in der ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung. Dies betonte Professor Dr. Ralph Bruder vom Institut für Arbeitswissenschaft der TU Darmstadt. Für die gleichzeitige Optimierung von Produktivität und Arbeitsfähigkeit bedarf es der frühzeitigen Einbindung ergonomischer Methoden in den betrieblichen Gestaltungsprozess. Dafür müssen entsprechende neue Werkzeuge entwickelt werden.
Eine solche innovative Neuentwicklung ist MTMergonomics®. Dieses Werkzeug entstand in Kooperation der Deutschen MTM-Vereinigung mit dem Institut für Arbeitswissenschaft der TU Darmstadt. Mit dieser Software werden auf MTM-Basis ergonomische Risikoanalysen für bestehende oder zukünftige Arbeitsplätze erstellt. Ziel ist es dabei, ungünstige körperliche Belastungen schon in der Planungsphase zu prognostizieren - bevor es zu Ausfallzeiten und Gesundheitsschäden beim Mitarbeiter kommt. Der Aufwand für spätere korrektive Eingriffe entfällt. Damit werden, ganz im Sinne des MTM-Prinzips, Kosten vermieden, bevor sie entstehen.
Wolf-Jürgen Röder bezeichnete die Entwicklung eines solchen Werkzeugs in seinem Vortrag zur MTM-Bundestagung als wichtigen Beitrag zur parallelen Entwicklung von Produktivität und ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung. Er bekräftigte, dass sich MTMergonomics® hervorragend eignet, die Produktivität zu sichern und zu steigern, indem es gesundheitliche Beeinträchtigungen und damit Arbeitsausfälle gar nicht erst auftreten lässt. Der frühzeitige Dialog zwischen Prozessplanern, Mitarbeitern und Arbeitsmedizinern, unterstützt durch spezielle Software-Tools wie MTMergonomics®, ist Voraussetzung für die Schaffung humaner, ergonomischer Arbeitsplätze. Durch diesen ganzheitlichen Ansatz kann die Produktivität im Unternehmen nachhaltig gesteigert werden, ohne die Mitarbeiter zu überlasten oder „krank zu schonen“, so das Fazit der MTM-Bundestagung 2006.
Mit dem Thema „Arbeit – Leistung – Gesundheit; Prozesssprache fördert ganzheitliche Arbeitsgestaltung“ wagte sich die Deutsche MTM-Vereinigung zur Bundestagung auf neues Terrain vor. Die Vereinigung befasst sich seit 1962 mit der Gestaltung von Arbeitsprozessen und fokussiert typischerweise Themen wie Effizienzsteigerung und Produktivitätsgewinn. Die Bundestagung sollte eine Plattform sowohl für Prozessplaner, als auch für Arbeitswissenschaftler und Mediziner sein, die sich im Unternehmen mit Themen wie Ergonomie und Gesundheitsprävention auseinandersetzen. So war die MTM-Bundestagung ein wichtiger Schritt für eine neue Ausrichtung der MTM-Prinzipien und brachte viele Ansätze, um die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung als wichtigen Produktivitätsfaktor in den Köpfen der Entwickler und Planer zu verankern.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Pressestelle
MPC Filmproduktion
Frau Daniela Wolf
Mosenstraße 17
08523 Plauen
Tel.: 03741-581 252
Mail:
Deutsche MTM-Vereinigung e.V.
Dr. Hans Fischer
Geschäftsführer
Elbchaussee 352
22609 Hamburg
Tel.: 040-82 30 11
Mail: ![]()
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Die Vereinigung befasst sich seit 1962 mit der Gestaltung von Arbeitsprozessen. Im klassischen Wortsinn ist MTM die Abkürzung von Methods-Time Measurement, was mit Methodenzeit-Messung übersetzt werden kann. Methodenzeit meint, dass die bei der Durchführung einer bestimmten Arbeit beanspruchte Zeit von der gewählten Methode der Tätigkeit abhängt.
Kurz gesagt:
"Die Methode bestimmt die Zeit!"
MTM heute ist viel mehr. MTM ist ein Instrument zur Beschreibung, Strukturierung, Gestaltung und Planung von Arbeitssystemen mittels definierter Prozessbausteine und damit ein Standard leistungsfähiger Produktionssysteme.
Es kommt überall dort zum Einsatz, wo verrichtungsorientierte menschliche Arbeit geplant, organisiert und durchgeführt werden muss.














