29.04.2004 - 12:29 - Politik, Recht & Gesellschaft

Wie viel Kapitalismus können wir uns noch leisten

Pressemitteilung von: PDS
fragt sich Harald Werner, Sprecher des Parteivorstandes für Wirtschaft, Arbeit und Finanzen, nach dem er die Bilanzen des vergangenen Jahres und die Prognosen für das kommende bei Seite gelegt hat.

06.01.2003 - Die 30 führenden deutschen Konzerne im DAX haben im vergangenen Jahr 40 Prozent an Wert verloren. Und es war bereits das dritte Jahr mit derartigern Verlusten. Das hat es seit Ende des Zweiten Weltkrieges noch nicht gegeben. Normalbürger werden diesen Verlust von einigen Hundert Milliarden Euro nicht so ernst nehmen, zumal man sich daran gewöhnt hat, die Zahlen an der Börse nicht für bares Geld zu halten. Doch abgesehen davon, dass hier so manche Blase geplatzt ist, verbergen sich hinter diesen Verlusten nicht bloße Phantasiezahlen, sondern reale Vermögenswerte. Wenn die Deutsche Bank im letzten Quartal erstmals seit der Weltwirtschaftskrise rote Zahlen geschrieben hat, die Aktionäre des Finanzdienstleister MLP - einst das Glanzstück der Branche - innerhalb eines Jahres 87 Prozent weniger auf dem Konto haben und sogar die Allianz die Renditeversprechen für ihre Lebensversicherungen nach unten korrigieren musste, dann geht das alles auch an dem so genannten Normalbürger nicht spurlos vorbei. Oder vielleicht gerade an ihm nicht.

Millionen Bundesbürger sind in den vergangenen Jahren dazu verführt worden, ihr Gespartes in Aktien oder Fonds anzulegen und haben dabei nicht selten den Grundstock für ein Eigenheim, die Rücklage für das Studium der Kinder oder gar die Altervorsorge verloren. Die Wenigsten mögen darüber reden, aber alle drehen jetzt jeden Cent zweimal um, ehe sie ihn für eine neue Anschaffung ausgeben. Die Angst vor einer Rezession rangiert bei den Bundesbürgern mittlerweile auf Platz eins der Zukunftssorgen. Und das mit Recht, denn die Verluste von gestern sind die Konkurse von heute und die Arbeitslosen von morgen.

Und was ist mit Übermorgen? Riester hat die umlagefinanzierte Rente zum Auslaufmodell gemacht, damit ein immer größerer Teil durch Kapitalanlagen gedeckt wird. Diese Decke wird einmal verdammt kurz werden, für alle die auf die Kapitaldeckung angewiesen sind. Wohl dem, der früh genug geboren wurde, um sich nicht auch noch im Alter vor den Zuckungen der Börse fürchten zu müssen. Und zum Fürchten gibt es allen Grund, weil Renten, Arbeitsplätze und nicht zu letzt all die Leistungen der Öffentlichen Hand in diesem so modernen und flexiblen Kapitalismus auf sinkende Aktienkursen viel sensibler, schneller und panikartiger reagieren, als in früheren Zeiten. Reale Wertschöpfung und produktive Arbeit haben im Casino-Kapitalismus der vergangenen Jahre fast schon eine Nebenrolle gespielt, aber jetzt wo die Blase platzt, werden in Massen reale Werte und die Ergebnisse produktiver Arbeit vernichtet.

Der gegenwärtige Krisenprozess läuft so unberechenbar und dynamisch, dass niemand zu einer ernsthaften Prognose für das kommende Jahr fähig ist. Nur eines ist ziemlich sicher: Selbst wenn der Niedergang an den Börsen 2003 seine Talsohle erreichen sollte, werden wir an den Folgen dieser Krise länger zu tragen haben, als der Rausch dauerte. Das gilt für den Arbeitsmarkt, den die Schockwellen noch lange durchrütteln werden, aber das gilt mehr noch für die öffentlichen Haushalte und die sozialen Sicherungssysteme. Die Töne aus dem Kanzleramt und der Rürup-Kommission lassen ahnen, welche als Reform getarnten Abrissunternehmen da auf uns zukommen.

Dass sich die Bundesbürger den alten Sozialstaat nicht mehr leisten können, hat man ihnen seit Jahren beizubringen versucht. Dass sie sich diesen Kapitalismus nicht mehr leisten können, werden sie selber lernen müssen. Womit sich auch die Frage nach der Zukunft der PDS beantwortet. Sie hat plausible Antworten zu geben, wenn sie wieder gefragt sein will.

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

 

 

News-ID: 11033 • Views: 1823

Mitteilung teilen und kommentieren


Permanenter Link zu dieser Pressemeldung:


Wir freuen uns, wenn Sie z.B. auf Ihrer Presse- oder Referenzen-Seite auf openPR.de linken.
Für die Inhalte dieser Meldung ist nicht openPR.de sondern nur der jeweilige Autor verantwortlich.

Haftungsausschluss - openPR distanziert sich von dem Inhalt der Pressemitteilungen. Lesen sie hier mehr