Schüler üben sich als Züchtungsforscher

Pressemitteilung von: Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen
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Oben: Schülertag in Groß Lüsewitz; unten links: CreateMV-Teilnehmerinnen Maria Hentschel (li.) und Anja Ewert vom Gymnasium Sanitz; rechts: Biologiestudentin Manuela Rimke hat die Entwicklung molekularer Marker als Thema für ihre Diplomarbeit gewählt
Früh übt sich, wer ein Forscher werden will. Nach diesem Motto veranstalten die Institute der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen in Groß Lüsewitz für Schülerklassen und einzelne interessierte Schülerinnen und Schüler Informations- und Labortage und bieten Studenten Möglichkeiten für Projektarbeiten in der Züchtungsforschung.

Pflanzenzüchtung und die dazu notwendige Forschung sind für die meisten Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. Dass der Bauer aussäen muss, wenn er etwas ernten will, mag noch allgemeines Wissensgut sein; doch für nicht wenige Verbraucher endet der Blick zurück auf den Entstehungsprozess dessen, was auf seinem Teller liegt, bereits am Supermarktregal. Wie züchtet man Pflanzen, deren Eigenschaften Landwirten, Verarbeitern und Verbrauchern gerecht werden, und was braucht der Pflanzenzüchter, damit er seine Arbeit beginnen kann? Und vor allem natürlich: Wie verhält es sich mit der viel diskutierten Grünen Gentechnik; gibt es "Genpflanzen"? Die BAZ in Groß Lüsewitz bringt Schülerinnen und Schüler verschiedener Altersstufen in einen ersten Kontakt mit der Pflanzenzüchtung und beantwortet ihre Fragen. Und für Fortgeschrittene, die sich als Studenten der Agrarwissenschaften oder der Biologie für die Züchtungsforschung an Kulturpflanzen interessieren, bietet die BAZ interessante Möglichkeiten zur Mitarbeit in Forschungsprojekten an.

Sie kommen klassenweise, in kleinen Gruppen oder auch einzeln, aber alle haben etwas gemeinsam: Es sind Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten, die sich für das weite Gebiet der Pflanzenzüchtungsforschung interessieren und sich bei der BAZ in Groß Lüsewitz aus erster Hand informieren und weiterbilden möchten.

Da sich das Informationsangebot der Groß Lüsewitzer Forscher inzwischen herumgesprochen hat, ist der Andrang groß. Im Juli 2006 besuchten im Rahmen eines Unterrichtsprojekts zum Thema "Getreide" 33 Schüler der 3. Klasse der Vollen Halbtagsschule "Gerhart Hauptmann" aus Ribnitz-Damgarten die BAZ in Groß Lüsewitz. Ziel der Exkursion war es, den Schülern Einblicke in das Wissenschaftsgebiet der Züchtungsforschung an Kulturpflanzen zu gewähren. Die Bearbeitung von Getreide und anderen Kulturpflanzen wurde Schülern und Lehrern an unterschiedlichen Stationen auf dem Versuchsfeld, in den Gewächshäusern sowie im Labor des ILK vorgestellt.

Der Höhepunkt war für die Kinder ein mit einfachen Mitteln - Brennspiritus, Kaffeefilter, Kochsalz, Spülmittel, Kochlöffel, Mixer und Kochtopf – eigenhändig und mit Begeisterung durchgeführtes Experiment, in welchem sie die Erbsubstanz, die DNA, aus Bananen, Äpfeln, Getreide, und Gras extrahierten und sich in eigener Anschauung davon überzeugen konnten, dass überall "Gene drin sind". Nach Informationen von Lehrern und Eltern kehrten die Kinder mit vielen positiven Eindrücken nach Ribnitz-Damgarten zurück, und von einigen der "Nachwuchswissenschaftler" wurde hernach die heimische Küche kurzerhand in ein Labor umfunktioniert.

Schülerprojekte anderer Art laufen im Rahmen von 'CreateMV – Landesinitiative Erfindergeist Mecklenburg-Vorpommern'. Anliegen dieser Initiative des Bildungswerks der Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommern e.V. ist es, Schülerinnen und Schüler an naturwissenschaftlich-technische Themen heranzuführen und dafür die Kooperation zwischen Unternehmen und Schulen zu fördern. Peter Wehling, Institutsleiter an der BAZ Groß Lüsewitz, fand dies eine gute Idee und bot die Teilnahme der BAZ mit zwei eigenen Projekten zur Blauen Süßlupine an: "Pflanzenzüchtung und Züchtungsforschung schaffen Kulturpflanzen, die wir für unsere Ernährung und Kleidung, als nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energieträger und für unser Wohlbefinden brauchen. Unsere Kulturpflanzen bilden damit die Grundlage für die menschliche Zivilisation. Dies zu begreifen und Verständnis – vielleicht sogar Begeisterung - für die komplexen Zusammenhänge der modernen Pflanzenzüchtung und Biotechnologie zu entwickeln, braucht Anreize schon in der Schule. Wir müssen die Schüler in hautnahen Kontakt mit Themen der Landwirtschaft bringen, damit sie als Erwachsene nicht den Kontakt zu den natürlichen Grundlagen des menschlichen Daseins verlieren." Und so erkunden seit September 2006 vier Schülerinnen der 13. Klasse am Gymnasium Sanitz Pflanzeneigenschaften, die für die züchterische Verbesserung dieser Kulturpflanze von Interesse sind. Für ein halbes Jahr arbeiten die Schülerinnen drei Stunden wöchentlich im Labor und Gewächshaus und untersuchen mit aktuellen Labormethoden so wichtige Eigenschaften wie das Schale/Korn-Verhältnis oder die Kalktoleranz von Körnerlupinen.

Für die Schülerbildung gehen die Groß Lüsewitzer Forscher auch selbst zur Schule, so etwa im Februar 2007 in das Gymnasium Sanitz, wo am letzten Schultag vor den Winterferien "Coole Schule" angesagt ist und einmal Unterricht der ganz anderen Art geboten wird. Dann werden anschauliche Vorführungen aus dem Themenbereich der Grünen Biotechnologie auf dem Programm stehen.

Ein weiterer wichtiger Sektor des Groß Lüsewitzer Ausbildungsangebots richtet sich an Studenten der Agrarwissenschaften und der Biologie. Institutsleiter Wehling: "Wir nehmen laufend Praktikanten auf und bieten interessierten Studenten Arbeitsthemen und Laborplätze für ihre Diplom- und Bachelor-Abschlussarbeiten. Dazu werden sie in aktuelle Forschungsprojekte einbezogen und können selbständig fest umrissene Teilaufgaben wissenschaftlich bearbeiten. Im laufenden Jahr hatten wir bislang 12 Studentinnen und Studenten von den beiden Universitäten des Landes und aus Schweden zu Gast bei uns. Viele, die bei uns ein Praktikum absolviert haben, kommen später wieder, um auch ihre experimentelle Abschlussarbeit bei uns zu durchzuführen. Sie lernen bei uns, was wir "angewandte Grundlagenforschung" nennen, d.h. die Verknüpfung von Methoden und Erkenntnissen der Grundlagenforschung - wie zum Beispiel der Genomanalyse oder der molekularen Marker - mit pflanzenzüchterisch relevanten Problemstellungen."

Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen
Institut für landwirtschaftliche Kulturen
Rudolf-Schick-Platz 3a
18190 Groß Lüsewitz

Kontakt:
Dir. u. Prof. Dr. habil. Peter Wehling
Tel.: 038209/45200
Fax: 038209/45222
E-mail:
Internet: www.bafz.de

Die Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ) ist Teil der Ressortforschung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Sie berät das BMELV und erbringt wissenschaftliche Entscheidungshilfen für die Erfüllung politischer und administrativer Aufgaben im Bereich der Züchtungsforschung, Pflanzenzüchtung und angrenzender Gebiete.

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Ihre Forschungsergebnisse sind Teil der Daseinsvorsorge, tragen zur Erweiterung des allgemeinen wissenschaftlichen Kenntnisstandes bei und stehen den Zielgruppen des BMELV sowie der Öffentlichkeit zum Nutzen des Gemeinwohls zur Verfügung. Mit ihrer Arbeit vertieft die Forschungsanstalt die Kenntnisse über die Vielfalt genetischer Ressourcen und schafft Grundlagen für die Entwicklung neuer Kulturpflanzensorten als Voraussetzung für eine nachhaltige, ökologisch und ökonomisch ausgewogene Bewirtschaftung landwirtschaftlicher, gärtnerischer,obst- und weinbaulicher Flächen.

Sie leistet damit einen Beitrag zur Erzeugung qualitativ hochwertiger und gesunder Produkte für die menschliche und tierische Ernährung sowie zur Produktion regenerativer industrieller Rohstoffe.

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