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Das Frankfurter Institut für Sexualwissenschaft muss unabhängig von Stiftungsgebern und eine Teildisziplin der Medizin bleiben

13.02.200611:39 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Pressemitteilung 1/2006: Appell von pro familia an die am 13. Februar 2006 zum ersten Mal tagende Arbeitsgruppe zur Zukunft der Sexualwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main

Seit mehr als drei Jahrzehnten kooperieren das Institut für Sexualwissenschaft und pro familia, die Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung, auf dem Gebiet der Sexualberatung und Fortbildung zur Sexualberatung. Sie eint die gemeinsame Erfahrung und Überzeugung, dass Forschung und Praxis auf dem Gebiet der Sexualität eng miteinander verknüpft sein müssen, wenn sie den sexuellen Bedürfnissen und Prob-lemen der Menschen gerecht werden wollen. Beide Institutionen wissen aus ihrer Praxis um die möglichen Gefahren einer Pathologisierung und einseitigen Medikalisierung menschlicher Sexualität und setzen sich daher für eine enge, kritische Zusammenarbeit von Medizin und Sexualwissenschaften ein. Dieser Ansatz hat sich in der Praxis beider Institutionen bewährt und die betroffene Klientel in ihrer sexuellen Selbstfindung und -bestimmung nachweislich gestärkt.
Es ist ein Verdienst des Instituts für Sexualwissenschaft, das Wissen um Sexualität vertieft und erweitert und tabuisierte Aspekte von Sexualität zugänglich und diskutierbar gemacht zu haben. Es ist ebenso ein Verdienst des Instituts, eigene Forschungserkenntnisse für eigene therapeutische Angebote zu nutzen und der Medizin Wege zu eröffnen, „sanfte“ therapeutische statt ausschließ-lich medizinische Lösungsstrategien für sexuelle Probleme zu wählen. Da aber die Versorgung von Frauen und Männern mit sexuellen Problemen trotz aller Fortschritte weiterhin in Deutschland unzureichend ist und im Zeitalter von Viagra die Zeichen schneller, medikamentöser Lösungen sexueller Probleme sich mehren, bedarf es eines Instituts für Sexualwissenschaft, dass im klinischen Kontext die kritische Auseinandersetzung zwischen Medizin- und Sexualwissenschaften praktisch wie theoretisch sicherstellt.
Die gerade eingerichtete Arbeitsgruppe zur Zukunft der Sexualwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität wird ihr Ziel – die Rettung des Instituts für Sexualwissenschaft – nicht erreichen, wenn sie den spezifischen Arbeitsansatz des Instituts nicht anerkennt.
Sie wird mitzuverantworten haben, wenn das Institut in die Abhängigkeit von Stiftungsgebern gerät, die unabhängige Forschung gefährdet.
Sie wird mitzuverantworten haben, wenn die Medizin sich von der kritischen Sexualwissenschaft entfernen kann. Erfahrungsgemäß werden dadurch nicht die Entscheider, sondern die betroffenen Frauen und Männer Schaden nehmen.
Die Arbeitsgruppe wird am 13. Februar 2006 zum ersten Mal tagen. Es liegt allein in ihrer Entscheidung, ob sie sich für einen verschleierten Verteilungskampf instrumentalisieren lassen oder aber für ein international anerkanntes Excellenz-Zentrum kämpfen will, das als Brückenbauer zwischen Natur- und Gesellschaftswissenschaften klientennah arbeitet.
Der pro familia-Bundesverband appelliert daher eindringlich an alle Mitglieder der Arbeitsgruppe, sich für
- den Verbleib des Instituts im klinischen Kontext und
- die Rücknahme der angekündigten Mittelkürzungen
leidenschaftlich und erfolgreich einzusetzen.


Pressekontakt: Regine Wlassitschau, Tel.: 069 / 63 90 02, E-Mail: E-Mail

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