(openPR) Hinrichshagen, 13. Mai 2012. Ein neues Buch über Caspar David Friedrich (1774-1840) stellt so ziemlich alle Gewissheiten in Frage, die in der Forschung zu dem großen deutschen Romantiker als sicher galten. Unter dem Titel "Caspar David Friedrichs verborgene Landschaften. Die Neubrandenburger Kontexte" untersucht der Autor Detlef Stapf bisher wenig beachtete biografische Orte auf die Relevanz für das Werk des Malers und kommt zu erstaunlichen Erkenntnissen. Er wählt für die Veröffentlichung der 500-seitigen kunsthistorischen Studie die neue, netzbasierte Publikationsform des P-Books (Project-Book) unter www.caspar-david-friedrich-240.de . Dies stellt ein fortschreibbares E-Book dar, in dem Fehler und Irrtümer korrigiert sowie neue Erkenntnisse und Ergänzungen eingearbeitet werden sollen. Ein Projekt-Journal dokumentiert die Chronik der Korrekturen und Ergänzungen. Der Autor begründet diese Form damit, dass bislang Arbeiten zur Friedrich-Forschung bereits beim Erscheinen durch wieder entdeckte Werke des Malers oder aufgefundene Autografen teilweise überholt waren oder Fehler über Jahre mit zitierten Quellen immer wieder weiter verwendet wurden. Außerdem sei durch die zahlreichen neuen Forschungsansätze ein kaum überschaubares Feld neuer Fragestellungen für die Friedrich- und Romantik-Forschung aufgeworfen. Somit ist das Buch, das nach der Open Access Idee kostenfrei zugänglich ist, im Sinne der Wissenschaft ein "erkenntnisoffener Organismus".
Bildpersonal identifiziert
Erstmals gelingt es das bislang unbekannte Bildpersonal, vor allem die Rückenfiguren, im Werk Friedrichs zu identifizieren. Vor allem trifft das auf die zentrale Bildfigur zu, die den Neubrandenburger Pastor Franz Christian Boll (1776-1818) unter anderem als "Wanderer über dem Nebelmeer" darstellt. Boll als Theologe der Erweckungsbewegung zu Beginn des 19. Jahrhunderts kann auch als Stichwortgeber für die religiösen Themen Friedrichs erkannt werden. Friedrichs Hauptwerke lassen sich nunmehr weniger mystisch aufgeladen betrachten und stattdessen als zeit- und kulturgeschichtliche Dokumente interpretieren. Als Ort bedeutender Motiventwicklungen ist nicht die Ostseeküste sondern die Gegend um den südlich von Neubrandenburg liegenden Tollensesee auszumachen. Mit der Kirche im mecklenburgischen Hohezieritz ist auch der sakrale Raum gefunden, für den der berühmte Tetschener Altar konzipiert war.
Bilder nach Texten
Eine völlig veränderte Sicht auf den Maler der Romantik bringt die Entdeckung, dass Friedrich für einen großen Teil seiner Bildideen Texte aus dem Kompendium "Theorie der Gartenkunst" von Christian Cay Lorenz Hirschfeld zu Grunde legt. Mit dieser Praxis begann er bereits vor seinem Kunststudium in Kopenhagen. So kann man erstmals Bilder wie die "Ruine Eldena im Riesengebirge" schlüssig erkären.
Insgesamt kommt der Autor zu dem Schluss, dass Friedrich in aller Regel nach theologischen und gartentheoretischen Texten malte. Dadurch jedoch erreichte der Maler diese einmaligen narrativen Bildentwürfe, die ihm seinen herausragenden Platz in der Kunstgeschichte sicherten und ungewöhnliche Modernität bescheinigen.











